20. Künnisfelder Mundartabend war erneut ein Volltreffer
Zum Jubiläum wurden die Zuhörer mit tollen Mundartvorträgen begeistert
Königsfeld. Zu einem wahren Dauerbrenner hat sich „Künnisfelder Mundartabend“ seit seiner ersten Durchführung im Jahre 1999 entwickelt. In diesem Jahr fand er bereits zum 20. Mal statt. Die Veranstaltung hat sich über die Jahre zu einem absoluten „Muss“ für die Freunde der heimischen Mundart entwickelt und steht bei diesen als ein kulturelles Highlight im Jahreskalender. Ortsbürgermeister Werner Breuer begrüßte die Gäste und stellte fest, dass das Interesse an der Mundart nicht nachgelassen habe. Sie bliebe immer aktuell und er würde sich freuen, wenn man in 30 Jahren den 50. Künnisfelder Mundartabend feiern könne.
Auch Bürgermeister Johannes Bell hob die Bedeutung der Pflege der Tradition und der heimischen Sprache hervor und war gespannt auf die neuen Vorträge.
Den Dialekt zu erhalten und damit ein Stück Heimat zu festigen, sei eine der Aufgaben von Generationen.
Die Moderation des Abends übernahm dann Karl-Heinz Kurth, der von Anfang an mit dabei war und gemeinsam mit Kirsten Zipp den „Künnisfelder Mundartabend“ seinerzeit aus der Taufe gehoben hatte. Insgesamt 14 Vorträge konnte er den Besuchern ansagen. Dabei setzte er sich selbst in einem historischen Rückblick mit dem Vinxtbach als Sprachgrenze zwischen Ober- und Untergermanien, zwischen den Mosel- und den Niederfranken, zwischen Kurköln und Kurtrier auseinander. Auch die Kreisgrenzen zwischen den Landkreisen Ahrweiler und Mayen spielten eine Rolle. „Karli“ Kurth sah in dem Künnisfelder Platt die schönste Sprache der Welt, was natürlich die anderen Akteure des Abends für ihren Dialekt ebenfalls geltend machten. Der „Nachtwächter von Ahrweiler“, Helmut Schuld aus Gimmingen, sah nach dem Geld und der eigenen Frau, in der Schwiegermutter das schlimmste aller Übel und er berichtete vom trinkfreudigen Dachdeckermeister Knopp. Als Farbtupfer im meist rheinischen Dialekt erweisen sich immer noch die Töne, wenn die Königsfelder Obermöhn Brigitte Frahn in ihrem norddeutschen Dialekt das Publikum unterhält. In diesem Jahr mussten die Zuhörer wieder ihre Ohren spitzen, um die heiteren Wortspielereien von „De Tüdeltanten“ akustisch einzufangen. Viel Bürokratie machte Elisabeth Leiß aus Burgbrohl-Weiler in ihrem Vortrag „Worüm de Arche nit rechtzeitig fertig wor“ zu schaffen. Köstlich, diese Persiflage der Bürokratie. Auch der Waldorfer Michael Wissner, der in Wimbach bei Adenau geboren wurde, hatte in seiner Kindheit seine Schwierigkeiten mit der „heimischen Sprache“. Aus einer „zugezogenen“ Familie stammend verstand er anfangs nur Bahnhof. Er lernte die Mundart „erst auf der Straße“. Als Zimmervermieterin wusste Anneliese Michels aus Oberbaar so manche heitere Episode zu berichten. Die Nähe zum Nürburgring brachte ihr auch Bekanntschaften mit den Rennfahrern. „Ich hol’n Rennleut“ hieß ihr Vortrag, bei dem sie feststellte: „Wat wären mir ohne Ring – am Arsch der Welt!“ Und: „Man muss dat Jeld hole, wenn se et bringe!“ Nach den teils heftigen Angriffen auf die Lachmuskeln sorgte Sandra Schneider aus Dedenbach mit ihrem selbst komponierten Lied für nachdenkliche Weisen. Mit „Wenn doch der Mönsch mih jönne könnt“ wies sie darauf hin, dass dann alle Leute froh wären und Neid und Missgunst gar nicht hochkämen. Nach der kurzen Pause, in der sich die Besucher mit Speis und Trank stärken konnten und in der die Teilnehmer die Geburtstagstorte probieren konnten, erinnerte Bürgermeister Johannes Bell an über 50 Personen, die seit dem ersten Künnisfelder Mundartabend aufgetreten sind und die Gäste mit ihren Mundartgeschichten erheitert hatten. Karl-Heinz Kurth und die 83-jährige Marianne Breuer aus Dedenbach waren als einzige Akteure seit der ersten Veranstaltung mit dabei. Sie erhielten von Bürgermeister Bell eine Urkunde und ein Präsent. Als Neuling beim Künnisfelder Mundartabend besang dann Raymund Bley aus Niederdürenbach im Country-Sound das Brohltal.
Er zog in seinem Lied „Ech kunn aus em Brohltal“ vom Rhein aus das Brohltal hoch und war stolz, ein Brohltaler zu sein. „Wenn Sorge drücke“ hieß der Vortrag von Marianne Breuer (Dedenbach). Richard Genn aus Wehr berichtete „Aus meiner Schulzeit“, die in den Kriegs- und Nachkriegsjahren lag und wo ein Lehrer acht Klassen mit rund 80 Schülern unterrichtete. Hochdeutsch sei dabei die „erste Fremdsprache“ gewesen. Trotz alledem sei aus allen etwas Anständiges geworden, war sein Fazit. Rita Kreyer, gebürtig in Hain und seit 43 Jahren in Kost und Logis in Dedenbach, wurde nachdenklich mit ihrer Geschichte von der Reise einer Familie mit ihrem elfjährigen Kind und ihrem Esel, wobei diese es allen recht machen wollte und dabei aber scheiterte. Über „Kermes bei Schöfelonze“ sprach Irmgard Harst aus Dedenbach. Sie schaute dabei auf die Kirmes und das Geschehen zuhause in ihrer Kindheit zurück. Walter Müller aus Niederzissen berichtete in seinem Heimatdialekt von Hausen an der Aa, einer 500-Seelen-Gemeinde im Taunus, vom „Künnisfelder Kaerscheführer“, einem von ihm verfassten Buch, das sich mit den Kirchen, Kapellen und Kreuzen in der Region befasst, worin allein 20 Seiten der Königsfelder Pfarrkirche St. Nikolaus gewidmet sind.
Für viel Heiterkeit sorgte die „ahl Tösch“
Schließlich sorgte Jutta Bell aus Kempenich als „En ahl Tösch - Jubiläumsgratulantin“ für den Höhepunkt des Abends. Verkleidet als 106-jährige Jubiläumsgratulantin erschien sie, begleitet vom Brohltaler Bürgermeister, auf der Bühne, wo sie in gekonnter Manier brillierte. In der ihr eigenen Art warb sie für die Mundart. Über den Erfolg einer Heiratsanzeige erklärte sie: „Stationär hat ech kähne, aber ambulant kam schon mal ähne.“ Da rollten die Lachtränen bei den Zuhörern.
WK
Von Anfang an mit dabei ist die 83-jährige Marianne Breuer (Dedenbach) beim Künnisfel¬der Mundartabend.
Burjana Kurth, Daniela Bell, Karl-Heinz Kurth und Bürgermeister Johannes Bell servierten den Gästen die Geburtstagstorte.
