Allgemeine Berichte | 09.05.2023, 16:25 Uhr

Doppellesung mit Karen Kleser und Joshua Clausnitzer

Zusammenspiel der beiden „Wortakrobaten“

Karen Kleser (links) und Joshua Clausnitzer (rechts).  Foto: Dieter Dresen
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Wachtberg.Witzig und spritzig, überraschend und spannend - und im wahrsten Sinne des Wortes höchst abwechslungsreich. Wer wagt, gewinnt! Und: Doppelt hält eben doch besser! Ja, es war ein Experiment, und es war ein erfolgreiches: die Doppellesung mit Karen Kleser und Joshua Clausnitzer im Köllenhof zu Ließem auf Einladung des Büchereiverbundes Wachtberg. Interessant und kurzweilig! Darüber waren sich am Ende alle Anwesenden einig.

Beide Autoren kannten sich im Vorfeld der Lesung überhaupt nicht, bis sie erst durch den Büchereiverbund die Gelegenheit eines gemeinsamen Auftritts erhielten. Während Joshua Clausnitzer als freier Schriftsteller schon auf zahlreiche Bühnenauftritte verweisen kann, machte sich Karen Kleser bisher überwiegend über ihren hörenswerten Podcast „Prosasie“ einen Namen. Beide schreiben höchst unterschiedliche Texte, auch wenn sie eines dabei gemeinsam haben: Sie widmen sich bevorzugt wahrlich sehr merkwürdigen, ja bizarren menschlichen Vorkommnissen und (Un)-Fällen in unserem alltäglichen Leben. Die eine bevorzugt dabei als Rahmen für ihre skurrilen Figuren und Alltagssituationen zuweilen die Länge eines DIN-A-4-Blattes, der andere ironische Wortspielereien, hintergründige Aphorismen und launische Gedichte. Und so war stets für Abwechslung gesorgt im sorgsam vorbereiteten „Zusammenspiel“ dieser beiden „Wortakrobaten“. Und sie trieben dieses Spiel noch vor der Pause gar so weit, dass beide einen ihnen völlig unbekannten („Ehrlich!“) Text des jeweils anderen dem amüsant zuhörenden Publikum vortragen mussten. Und beide lösten diese „Herausforderung“ mit Bravour und bewiesen auch dabei ihre virtuose Vortragskunst, nicht zuletzt dank ihres schauspielerischen Talents: Erstaunlich, was alles passieren kann, wenn ein Markus einem anderen Markus oder gar einem Marek mehrere Mar-Küsse am Mare verpasst. Oder wenn eine Sukkulente gerne eine Stockente wäre.

Auch nach der Pause war für lockere Abwechslung gesorgt, baten die beiden doch das Publikum, mit einer zufälligen Ziehung von einzelnen Stichworten die Reihenfolge der nun folgenden Texte selbst zu bestimmen. Am Ende der kurzweiligen Lesung entstand dann mit dem Publikum eine rege Diskussion über „das Schreiben“ beim einzelnen und „Literatur heute“ im Allgemeinen, wobei auch die aktuelle Problematik von KI und die Gefahren und Chancen durch die Entwicklung von CHatGPT bei der Produktion vermeintlich „literarischer“ Texte thematisiert wurden: Wenn man nicht mehr unterscheiden kann, ob ein Computer oder ein menschliches Gehirn den Text entworfen hat, droht dann in Zukunft der Tod von Literatur oder gar der Kunst?

Dieser Abend hat gezeigt, dass es bis dahin noch lange nicht so weit ist. Im Gegenteil! Er hat gezeigt, dass Literatur spritzig und spannend, überraschend und witzig und dabei höchst unterhaltsam sein kann. Nur etwas war schade: Dieser gelungene Abend hätte viel mehr Publikum verdient gehabt.

Pressemitteilung des Wachtberger

Büchereiverbundes

Karen Kleser (links) und Joshua Clausnitzer (rechts). Foto: Dieter Dresen

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