Rathaus und Jungholzhalle eingeweiht
Zwei Gebäude des Lebens
Festakt mit 300 geladenen Gästen
Meckenheim. Es war de facto die Feuertaufe für die neue Jungholzhalle, als am vergangenen Freitag in einer feierlichen Zeremonie vor rund 300 geladenen Gästen nicht nur die Halle, sondern auch das Rathaus seiner Bestimmung übergeben wurden. Hausherr Bürgermeister Bert Spilles strahlte denn auch über das gesamte Gesicht, denn die Handwerker waren fast im Plan fertig geworden.
Selbst die Außenanlagen waren inzwischen in einem vorzeigbaren Zustand. Wo eine Woche zuvor rund um die neu angepflanzten Apfelbäume vor dem Rathaus noch das Unkraut wucherte, war jetzt englischer Rasen verlegt worden, der so auch jedem Stadion zur Ehre gereichen würde.
Die Liste der Ehrengäste war ziemlich lang, aber ein ganz besonderer Willkommensgruß des Bürgermeisters galt den beiden Ehrenbürgern der Stadt, Albert Graen und Erika Meyer zu Drewer. Ebenso freute er sich sichtlich, dass nicht nur die Bürgermeisterkollegen von der linken Rheinseite den Weg in die Apfelstadt gefunden hatten, sondern auch die Stadtoberhäupter aus den Partnerstädten Bernau und Le Mee gekommen waren.
Gemeinsames Segensgebet
Den Auftakt machten aber die Tomburg Winds mit hervorragender sinfonischer Musik, und dann hatten erst einmal Pfarrer Mathias Mölleken und Pfarrer Dr. Reinhold Malcherek das Wort. Mathias Mölleken nahm sich dabei vor allem einer Stelle aus dem Buch des Propheten Jeremia an. Dort fordert dieser die Juden im Exil auf, Häuser zu bauen und vor allem zu leben. Das Rathaus und die Jungholzhalle als Gebäude des Lebens, das war die Kernbotschaft. Gemeinsam betete man das Vaterunser, und Dr. Reinhold Malcherek nahm nach dem gemeinsamen Segensgebet auch die Besprengung mit Weihwasser vor, nach katholischer Vorstellung unabdingbar.
Bürgermeister Bert Spilles war sodann an der Reihe. Der Tag der Einweihung war gleichzeitig auch der „Tag der Architektur“, und wenn dieser Tag dann in diesem Jahr unter dem Motto „Architektur schafft Lebensqualität“ stand, dann rückt der Meckenheimer Neubau als Großprojekt automatisch in den Mittelpunkt.
Wobei alleine die nackten Zahlen für eine Stadt wie Meckenheim schon gigantisch sind. Das fängt bei den Baukosten von 18,9 Millionen Euro an, welche mit Außenanlagen auf einer Fläche von 9.100 Quadratmetern verbaut wurden und ein neues Rathaus für 150 Mitarbeiter entstehen liessen. Was ebenfalls positiv auffällt, ist die Einhaltung der Bauzeiten, so begann man erst im November 2015 mit dem Rückbau der alten Jungholzhalle, im Februar 2016 war dann offizieller Baubeginn, der Rohbau stand im August 2016.
Erheblicher Sanierungsstau im alten Gebäude
Nun stellt sich bei kommunalen Bauprojekten dieser Größenordnung immer die Frage, ob das alles eigentlich notwendig war. Diese Frage bewegt auch den einen oder anderen Meckenheimer. Freilich war dieser Neubau mehr als notwendig, denn die Verwaltung war über viele Gebäude in der gesamten Innenstadt verstreut, von kurzen Wegen konnte keine Rede sein. Bürgermeister Bert Spilles verwies denn auch darauf, dass in den alten eigenen Gebäuden ein erheblicher Sanierungsstau aufgelaufen war, und vor allem liefen die laufenden Unterhaltungskosten für Energie völlig aus dem Ruder. Zeitgemäß war das alles auch nicht mehr, weder waren die alten Räumlichkeiten barrierefrei, noch entsprachen sie den Vorstellungen von modernen Arbeitsplätzen für die Mitarbeiter.
Das alles hat sich freilich schon seit vielen Jahren angekündigt, und nachdem die Gemeindeprüfungsanstalt NRW in ihrem Jahresbericht 2009 die Stadt aufforderte, eine Wirtschaftlichkeitsanalyse für einen Neubau vorzulegen, ging die Stadt in die Planung. In enger Abstimmung mit dem Rat und den Fachbereichen ging es dann um die Finalisierung, und in einer Projektsteuerungsgruppe ging der Bau schließlich über die Bühne.
Sonderwünsche für die Rathauserstürmung
Mit dem Partner Goldbeck wurde das gesamte Gebäude in einer Öffentlich-rechtlichen Partnerschaft realisiert, und der Dank von Bert Spilles galt neben der Baufirma auch dem Architekten Gunnar Ramsfjell. Für das Architekturbüro gab es erstaunlich viel zu rechnen, denn der entscheidende Planer Jan Detlef kommt aus Norddeutschland. Und der bekam dann vor der Stadt sehr merkwürdige Vorgaben gemacht. So wurde ihm in einer Baubesprechung erläutert, dass ein bestimmtes Fenster im vorderen Besprechungsraum über dem Haupteingang so gestaltet werden muss, dass es für die Rathauserstürmung der Karnevalisten besonders weit geöffnet werden kann und für deren Leiter eine Anlehnstange haben muss. Und Bert Spilles erklärte dem verdutzten Jan Detlef, dass er am 4. Februar 2018 auf jeden Fall einen Pflichttermin in Meckenheim habe und mit der Verwaltung das Gebäude verteidigen müsse. Damit das etwas leichter fällt, hatte Bert Spilles schon mal eine Narrenkappe für den Planer besorgt und setzte ihm diese unter tobendem Applaus der Besucher auf.
Der Dank des Stadtchefs ging aber vor allem auch an die Mitarbeiter der Verwaltung und hier vor allem an den technischen Beigeordneten Heinz-Peter Witt sowie den Fachbereichsleiter Gebäudemanagement Andreas Satzer. Dieser musste sich mit so wichtigen Fragen beschäftigen wie worin der Unterschied zwischen einem „Schwämmchenspüler“ oder einem „Bürstenspüler“ liegt. Bei der Einrichtung von Teeküchen oder Treffpunkten wichtige Fragen im Detail.
Standort am Puls der Zeit
Bert Spilles zeigte sich von dem Neubau und auch von der Umgebung am Siebengebirgsring begeistert. Er betonte, dass wenn man die Fenster öffne, man sich direkt am Puls der Zeit befinde und meinte damit die lachenden Kinderstimmen aus den benachbarten Kindertagesstätten.
Auch das Treiben rund um das Hallenfreizeitbad oder die Klänge des Glockenspiels am Neuen Markt zur Mittagszeit sind gut zu hören. Zudem vermittelt der Schulgong vom Campus den Alltag der Schülerinnen und Schüler, wobei Bert Spilles subjektiv den Eindruck hat, dass die Unterrichtsstunden gegenüber seiner Schulzeit kürzer geworden sind.
Er betonte aber auch, dass das Rathaus für das Leben in der Stadt von herausragender Bedeutung ist. Er sieht das Rathaus als „Haus der Bürgerschaft“, und das ist mehr als eine Verwaltungszentrale. Es ist das Herzstück der politischen Kommune. Mit Stadtrat und Bürgermeister wirken hier die von den Bürgerinnen und Bürgern gewählten Repräsentanten.
Kurze Wege, Barrierefreiheit und Transparenz
Ganz neu im Rathaus ist eine zentrale Infothek im Foyer, die durchgängig den Bürgern offen steht, sich deren Wünschen annimmt und Auskünfte erteilt. Und alles, was besonders publikumsintensiv ist, ist auch im Erdgeschoss anzutreffen. Es ist ein Haus der kurzen Wege, der Barrierefreiheit und der Transparenz, auch wenn insgesamt 453 Türen in dem Objekt verbaut worden sind. Auch tragen die Besprechungsräume keine Nummern, sondern sich nach den Ortsteilen benannt und werden noch mit entsprechenden Fotografien ausgestattet. Ein Raum wird dabei auch nach der Partnerstadt Le Mee benannt werden.
Auch die neue Jungholzhalle glänzt und bietet Platz für Veranstaltungen bis zu 800 Personen. Bert Spilles erinnerte daran, dass vor gut zwei Jahren in der alten Halle überall Eimer aufgestellt waren, da es an vielen Stellen durch das Hallendach tropfte. Darüber konnten sich noch nicht einmal die Karnevalisten freuen; auch wenn das guten Stoff für die Redner und so manchen Scherz abgab, war die Halle für Veranstaltungen nicht mehr geeignet.
Eine „Halle für alle“
Der Neubau ist das umso mehr, und Bert Spilles will dort neben Karneval auch Vorträge, Versammlungen von Institutionen, Bürgerinformationsveranstaltungen sowie Messen und Ausstellungen durchführen. Mit der neuen Halle, so Spilles, ist eine „Halle für alle“, sozusagen „vom Smoking bis zur Jeans“, entstanden. Eher der Smoking wird allerdings am 23. September angebracht sein, denn dann wird die Halle mit einer Eröffnungsgala unter dem Motto „Rosen- und Bürgerball“ eröffnet.
Im Anschluss gab es dann die offizielle Schlüsselübergabe, und Kreisdirekorin Annerose Heinze übergab in Vertretung von Landrat Schuster einen Teller des Rhein-Sieg-Kreises.
Bei Sekt, Kölsch und Schnittchen hatten die Besucher anschließend Gelegenheit, die neue Halle und das Rathaus in Augenschein zu nehmen, und es fanden sich hier ausschließlich lobende Worte. STF
