Die Stadt Linz lud die Karnevalisten zum traditionellen Rathausempfang
Zwei Wochen vor dem Sturm herrschte im Schraatesaal noch Friede und Freude
Linz. In eine jecke Narrhalla hatte sich der ehrwürdige Sitzungssaal des Linzer Rathauses am Sonntagvormittag verwandelt, in den Stadtbürgermeister Hans-Georg Faust die sieben Corps der Großen Linzer KG um Vize-Präsidentin Heike Paffhausen und Ex-Prinz Paul III. Kremer als Geschäftsführer der KG eingeladen hatte, nicht zu vergessen natürlich die erste Prinzessin in der Geschichte des Linzer Fastelovend, Yvonne I. „vom Rennebeger Tal“ mit ihren Adjutanten Oliver Brockhaus und Thilo Henze. Zwei Wochen vor den drei tollen Tagen und damit vor dem obligatorischen Rathaussturm hatten sich die Jecken gerade erst bei der Karnevalsmesse in Sankt Marien schon den Ablass für ihren Aufstand geholt.
Das abrupte Ende seiner Amtszeit noch aus dem Vorjahr vor Augen, versuchte der Stadtchef, gut Wetter zu machen bei den Jecken, denn auf seinen 1. Stellvertreter, den blau-wiessen Balasus Thomas, konnte er bei der Verteidigung ebenso wenig verlassen, wie auf die Stadtsoldaten von Kommandant Christian Paffhausen. Allerdings hoffte Hans-Georg Faust, dass sich das Jubi-Corps der Blau-Wiessen beim närrischen Wochenende schon so verausgaben würde, dass es eine Woche später immer noch gehandicapt wäre. Außerdem hatte er aus gut eingeweihten Kreise erfahren, dass nicht et Yvönnche, sondern die doch viel zarter besaitete Sissi mit ihrem Hofstaat vor der Schraateburg der Strünzer aufkreuzen würde. Dann aber wandte sich der Gastgeber den Ehrengästen zu, allen voran dem „Strünzer Fastelovend-Urgestein“, Wolli Klein. Der zählte nicht nur zu den Gründungsmitglieder des Jubiläumscorps sowie zu den Mitgründer des Jugendkarnevals „Linzer Pänz“, sondern regierte auch vor 40 Jahren als Prinz „von Sang und Klang“ die Jecken der Bunten Stadt. Alle Auszeichnung und Ehrentitel des Ehrenkommandanten und Ehrenmitglieds seines Corps wie auch der KG aufzuzählen bis hin zur RKK-Verdienstmedaille in Gold 2007 und zur Verdienstmedaille des Landes 2009, oder gar seine Leistungen zu würdigen, würde jede Veranstaltung sprengen.
Nachdem Wolli Klein zusammen mit seinem Freund Mella, dem Dritten der „Drei Botze“, Heinz-Werner Wipperfürth 1980/81 während seiner Regierungszeit als Wibbel I. „Prinz von de jecke Tön“ zur Seite gestanden hatte, übernahm er diese Funktion 1987/88 auch bei seinem Corps-Freund und Namensvetter Norbert Klein, der als Norbert I. „von Provinzialien“ am Sonntag sein Dreißigjähriges feierte. Mit seinem Besuch in der Partnerstadt Pornic begann die Freundschaft der Blau-Wiessen zu den bretonischen Karnevalisten.
Sein Silberjubiläum beging dagegen Karl-Heinz Weinberg vom Linzer Fanfarencorps, der in der Session 1992/93 als Prinz Mäx I. „vun de Trummele un Trööte“ regierte. Als Adjutant dient er sich dann vor 20 Jahren Nihat Kökce an, der als Prinz Nihat I. „aus dem Morgenland“, mit dem aktuellen Höhner-Lied die Gelegenheit hatte, seine Karawane als durstiger Sultan in ne andere Kaschemm weiterziehen zu lassen. Kurz uns knapp Bernd I. „vun Blau un Wiess“ nannte sich vor zehn Jahren Bernd Rechmann, bei dem Oliver Brockhaus und Thilo Henze erste Adjutanten-Erfahrungen sammelten, die jetzt Prinzessin Yvonne zu gute kommen.
Eigentlich zählte auch der aktuelle Kommandant der Blau-Wiessen, Markus Zimmermann als „fünfjähriger“ Prinz zu den Jubi-Tollitäten. „Et wor kein langweilijer Driss, sondern ne wunderschöne Geschichte, wie der Wolli sagen würde, der mich auch immer mit nach Frankreich gezerrt hat“, hatte der „Junior“ der blau-wiessen Chefs bei seinem Rathausempfang an das Engagement des Ehrenkommandanten erinnert, der mit Erfolg alles daran gesetzt hatte, die Freundschaft mit dem Comité de Mi-Carem aus der Partnerstadt Pornic mit Leben zu füllen.
DL
