Im Dorsel gedachte man auch der 19-jährigen Feuerwehrfrau Katharina Kraatz
Zweite Stele des Hochwasser-Erinnerungsweges enthüllt
Dorsel. Nahe der Dorseler Mühle, am Radweg auf der gegenüberliegenden Ahrseite des Campingplatzes Stahlhütte, ist nach der Premiere in Müsch die zweite Stele von MemoriAHR eingeweiht worden. Ein herzliches Willkommen entbot Annette Holzapfel allen, die sich am Standort beim Fluss eingefunden hatten. Als wichtigste Themen der neu installierten Stele nannte die Projektleiterin den Tod der Feuerwehrfrau Katharina Kraatz, den Tod von sechs Campingplatzbewohnern und den Einsatz der Blaulichtfamilie an der Oberahr.
Dreieinhalb Jahre ist es her, dass die Flut im Sommer 2021 Verwüstung und Zerstörung brachte und durch den Tod von 135 Menschen großes Leid verursachte. Daran will das Projekt „MemoriAHR - Weg der Erinnerung für die Zukunft“ erinnern, das vom Quellort Blankenheim in Nordrhein-Westfalen bis zur Ahrmündung bei Sinzig in den Rhein führt. 35 Stelen mit je vier Info-Tafeln werden über das Flutgeschehen vom 14./15. Juli 2021 unterrichten sowie über die jeweilige Krisenbewältigung vor Ort, die SolidAHRität, Wiederaufbau und Leuchtturmprojekte, Hochwasserschutz, Schulen, Weinbau und mehr.
Namentlich begrüßte Holzapfel unter anderen die Redner Simone Schneider, für den Wiederaufbau im Ahrtal zuständige Staatssekretärin, die CDU-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Ahrweiler Mechthild Heil, Gordon Schnieder, CDU-Fraktionsvorsitzender und Landesparteichef, den CDU-Landtagsabgeordneten Horst Gies, Erster Kreisbeigeordneter in Vertretung von Landrätin Cornelia Weigand sowie Guido Nisius, Adenauer VG-Bürgermeister und Frank Hachemer, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes. Mit Dank für die Organisation wandte sie sich an Ortsbürgermeister Günter Adrian, der als erster die Gäste begrüßte.
Was bleibt?
Was von den Erfahrungen nach der Flut bleibe, diese von ihr selbst aufgeworfene Frage beantwortete Staatssekretärin Schneider so: „Es sollte das Gefühl bleiben, dass wir etwas schaffen können, wenn wir zusammenstehen. Vielleicht kann dieses Zeichen, dass wir uns nicht nur auf die Strukturen des Staates verlassen und selbst machen, vom Ahrtal nach Deutschland getragen werden.“ An die Angehörigen der 19-jährigen Katharina Kraatz gerichtet, die in Dorsel, ums Leben kam, als sie einer bettlägerigen Campingplatzbewohnerin beistand, sagte sie, „hoffentlich fühlen Sie sich ein wenig getragen“. Gordon Schnieder berichtete, wenn während der wenigen Monate, die er dem Untersuchungsausschuss angehörte, Menschen von ihrem Flut-Erleben sprachen, sei es völlig still gewesen. Er hob die Leistung der Blaulichtfamilie und den „selbstlosen Einsatz der Jungfeuerwehrfrau“ hervor. Erinnerung verstehe er als Mahnung, als „eine Verantwortung der kommenden Generationen gegen die Hochwasservergesslichkeit“.
Horst Gies rief „die Helden der ersten Stunde, die Bürgermeister vor Ort und diejenigen, die geholfen haben“ in Erinnerung. Im Tenor mit weiteren Rednern dankte auch er „der kompletten Blaulichtfamilie“, den Ortsgemeinden, Projektleiterin Holzapfel und ihrem Team.
Hinter den 31 Bürgerinitiative-Mitgliedern des Stelenweges stehen weitere 70 Unterstützer. Holzapfel hatte die Initiative ehrenamtlich angestoßen und in stetiger Abstimmung mit den Interessierten Treffen moderiert. Aus bürgerschaftlichen Engagement heraus verfassten die Bewohner selbst alle Stelen-Texte und stellten Fotos zur Verfügung. Die Texte für Dorsel erstellten gemeinsam der Wehrführer von Dorsel Jürgen Raths und Bernhard Voss.
Zu weit mehr Informationen über die Flut gelangt man, so die Projektleiterin in ihrer Einführung, von den Stelen per QR-Code. Sie leiten auf das Portal „Kreuz, Rad, Löwe - Kulturerbe Rheinland-Pfalz“ zur Online-Ausstellung mit Erlebnisberichten aus allen flutbetroffenen Orten und von Filmemacher Utz Kastenholz gedrehten Videos mit 35 Zeitzeugen.
Stelen für Mainz und Berlin
Holzapfel betonte, „die Realisierung des Erinnerungsweges war nur möglich durch die dreijährige ehrenamtliche Arbeit unserer Bürgerinitiative, die Idee der virtuellen Ausstellung und der Stelen von Herrn Dr. Sprenger, bis Ende September 2023 Referatsleiter im Kulturministerium, die Höchstpegelstand-Messungen von Michael Göller, die Finanzierung von Zeitzeugenvideos, virtueller Ausstellung und Stelen-Entwürfen durch das Kulturministerium, die Finanzierung der Stelen durch die Kommunen“. Auch der Kreis Ahrweiler unterstützte das Projekt finanziell und die Gemeinde Blankenheim beteiligte sich. Entwurf, Layout und viele Fotos der Stelen stammen von Andreas Schmickler. Zudem steuerte Heinz Grates Fotos bei.
„Durch die Stelen werden wir daran erinnert, dass wir etwas für den Hochwasserschutz tun müssen“, erklärte VG-Bürgermeister Nisius und Mechthild Heil wies darauf hin, dass aus der Flut an der Ahr viele Erkenntnisse gewonnen wurden, auch für den Katastrophenschutz in Deutschland. „Wenn man etwas Gutes aus der Sache ziehen kann, dann dass wir eine Erinnerungskultur entwickeln“, stellte der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Hachemer fest. Mit größtem Respekt vor der Mitmenschlichkeit von Kraatz sagte er, „was kann es größeres geben als dass jemand sein Leben für einen anderen gibt“.
die Initiative habe viel geschafft, doch müssten weitere Schritte folgen, merkte Projektleiterin Holzapfel an. „In kleinen dezentralen Informations- und Dokumentationszentren“ könnten Themen wie Klimawandel oder nicht, Besiedlung, Versiegelung und Grenzen des Hochwasserschutzes behandelt werden. Erstes Anliegen sei jedoch eine dauerhafte Dokumentation durch Stelen vor dem Landtag in Mainz sowie vor der Landesvertretung in Berlin. „Es wäre ein schönes Zeichen der Verbundenheit und des Wiederaufbaus, wenn hier im Ahrtal alle Stelen aufgestellt sind, auch beide Stelen in Mainz und in Berlin errichtet würden, als Würdigung für Bund und Land, die sich für den Wiederaufbau eingesetzt haben.“ Den Wert solcher Stelen in Mainz und Berlin betonten in ihren Reden auch Mechthild Heil und Gordon Schnieder.
HG
