Allgemeine Berichte | 12.03.2017, 15:00 Uhr

Polizeiinspektion Remagen zieht Bilanz

Zwiespältige Bilanz: Mehr Unfälle, aber deutlich weniger Verletzte

Verkehrsbericht für 2016 liegt vor

Remagen. Die Beamten der Polizeiinspektion (PI) Remagen betreuen ein Dienstgebiet von mehr als 250 Quadratkilometern. Dieses Gebiet ist von gut 220 Kilometern klassifiziertem Straßennetz (Bundes-, Land-, Kreisstraßen) sowie einer Vielzahl an innerörtlichen Nebenstraßen und -plätzen durchzogen. Im Jahr 2016 haben die Beamten auf diesem Streckennetz insgesamt 1.885 Unfälle registriert und aufgenommen. Bei 225 Unfällen wurden insgesamt 283 Menschen verletzt, einer davon tödlich. In 428 Fällen, also bei fast jedem vierten(!) Unfall, beging der Verursacher Unfallflucht und konnte in lediglich 37,6 Prozent der Fälle nachträglich ermittelt werden. Soweit die komprimierten beziehungsweise nüchternen (Kern-)Daten.

Daten in Relation

Damit diese Daten zu einer Information werden, muss man sie in Relation zu anderen vorliegenden Daten setzen. In 2015 erfassten die Beamten der PI Remagen 1.809 Unfälle, mithin 4,3 Prozent weniger. In der mittelfristigen Betrachtung (2011-2015) lag der Durchschnitt bei 1.751 Unfällen pro Jahr. Unter diesem Aspekt war 2016 also kein gutes Jahr für die Menschen aus der Region und deren Gäste und Besucher.

Zahl der Unfälle mit Personenschäden rückläufig

Erfreulicherweise geht der Anstieg der Unfallzahlen in 2016 aber ausschließlich zulasten der Sachschadensunfälle. Unfälle mit Personenschäden sind - auch entgegen dem Landestrend - sogar überproportional deutlich rückläufig. Für 2015 schlugen hier noch 247 Unfälle mit 309 Verletzten zu Buche und auch gegenüber dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre (234 Unfälle beziehungsweise 310 Verletzte) hebt sich 2016 positiv ab. Prozentual betrachtet liegen die Personenunfälle im abgelaufenen Jahr mithin um 3,8 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt und sogar um 8,7 Prozent darunter, wenn man die Zahl der dabei verletzten Personen als Vergleichskriterium heranzieht. Prima, denn verbeultes Blech ist leichter zu ersetzen und zu verkraften als menschliches Leid!

Unfälle mit Kinderbeteiligung

Ebenfalls kann auf der Aktiva-Seite der Verkehrsbilanz verbucht werden, dass sich der rückläufige Trend bei den Unfällen mit Kinderbeteiligung fortgesetzt und auf sehr niedrigem Niveau gefestigt hat. Lediglich 22 Mal wurden in 2016 auf den Straßen der Region Kinder unter 14 Jahren bei Verkehrsunfällen in Mitleidenschaft gezogen. 2015 waren es noch 25 gewesen, und im Durchschnitt der Jahre 2011-15 wurden 27 Kinder verletzt. Hier dürften sich die über viele Jahre hinweg bewährten Schulungsmaßnahmen und umfangreichen Initiativen vieler Mitwirkender auf dem Gebiet der Verkehrserziehung im weitesten Sinne auszahlen.

Die Gruppen „Junge Fahrer“ und „Senioren“

Ist die Unfallentwicklung bei den Kindern erfreulich positiv, so schlägt das ein paar Lebensjahre später ins genaue Gegenteil um. Die Gruppe der sogenannten „Jungen Fahrer“ (= 18- bis 24-Jährige) war in 2016 in 396 Unfälle verwickelt. Der Referenzwert aus 2015 beträgt 305 und das längerfristige Mittel 262. Das entspricht Anstiegen um rund 30 beziehungsweise mehr als 50 Prozent. Eine belastbare Antwort für diese rasant-ungünstige Entwicklung muss die Polizei einstweilen schuldig bleiben. Hier ist zunächst eine tiefergehende Analyse der Daten und intensive Ursachenforschung erforderlich. Bei Einbeziehung spekulativer Erklärungsansätze könnte allerdings das Handy-Verhalten hinter dem Steuer beziehungsweise die Ablenkung durch unzulässige Smartphone-Nutzung eine Rolle spielen. Ein Indiz hierfür könnte die hohe Zahl an Auffahrunfällen (643 in 2016) sein. Im Rahmen der polizeilichen Unfallaufnahme justiziabel belegbar ist das allerdings so gut wie nie.

Ähnlich ungünstig ist die Entwicklung bei Verkehrsteilnehmern, die 65 Jahre und älter sind. Die Zahl der Seniorenunfälle stieg binnen Jahresfrist um fast 50 Prozent von 263 auf 385; das langjährige Mittel liegt mit 241 sogar noch einmal deutlich niedriger. Hier schlägt sich sicherlich eine zunehmend aktivere Lebensweise heutiger Senioren und eine Gesellschaftsstruktur mit einer gesteigerten Mobilität bis ins hohe Alter nieder. Die aufgezeigte, sehr kurzfristige Dynamik in der Unfallbilanz erklärt das allerdings bestenfalls zum Teil. In der Verkehrsprävention müssen Junge Fahrer und Senioren noch stärker als bisher erreicht und in den Fokus genommen werden - zweifellos eine Herausforderung für die Polizei, aber auch ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag.

Rekordwert bei Unfällen mit Fahrerflucht

Nicht verschwiegen werden darf auch eine andere wenig erfreuliche Entwicklung: Die Zahl der Unfälle mit „Fahrerflucht“ hat in 2016 mit 428 einen neuen und unrühmlichen Rekordwert erreicht. Die Vergleichszahlen aus den Vorjahren lauten 409 für 2015 und 370 im Mehrjahresschnitt. Daraus errechnet sich innerhalb weniger Jahre ein Anstieg um mehr als 15 Prozent bei diesen Delikten. Da kann es auch nur wenig trösten, dass es sich vielfach um Bagatellschäden handelt, häufig an zum Parken abgestellten Fahrzeugen. Verstärkt wird dieser negative Eindruck durch eine ebenfalls historisch niedrige Aufklärungsquote (AQ) von 37,6 Prozent. Zum Vergleich: Zwischen 2011 und 2015 bewegte sich die AQ jeweils in einem engen Kanal zwischen 41 und 42 Prozent. Blickt man noch zehn oder 15 Jahre weiter zurück, lag die AQ regelmäßig um die 45, in guten Jahren sogar bei 48 Prozent. Neben nachlassender Verkehrsmoral (?!), könnte hier auch die angespannte Personalsituation beziehungsweise Verschiebung bei den Prioritäten der polizeilichen Aufgabenstellungen negative Auswirkungen zeigen. Weniger Beamten bleibt einfach weniger Zeit und Raum für die Ermittlung bei Werkstätten, aufwendige Abarbeitung von Kennzeichenlisten, Nachbarschaftsbefragungen oder anderen Formen aktiver Recherche.

Alkohol/Drogen

Die Zahl der Unfälle unter Alkohol und/oder Drogen lag in 2016 bei 38. Die Vergleichsdaten in den Vorjahren pendelten zwischen 30 und 39. Hier ist eine Bewertung, ob das ein eher gutes oder eher schlechtes Ergebnis ist, besonders schwierig. Nicht zwangsläufig kann man aus diesen Daten ableiten, dass in dem einen oder dem anderen Jahr mehr beziehungsweise weniger beeinflusste Fahrer auf den Straßen der Region unterwegs waren. Hier spielt auch der menschliche Faktor eine wichtige Rolle, sprich: Fiel den aufnehmenden Polizeibeamten oder den Unfallbeteiligten überhaupt auf, dass der andere Fahrer alkoholisiert war? Selbst wenn man die folgenlosen Trunkenheits- oder Drogenfahrten (Verkehrsteilnehmer wurde ohne Unfallzusammenhang im Rahmen einer polizeilichen Kontrolle als fahruntüchtig erkannt) in die Betrachtung einbezieht, bleibt es im Grunde bei „Kaffeesatzleserei“. Diese Delikte pendelten in den zurückliegenden Jahren zwischen etwa 100 und 150. Hier gilt es zu bedenken, dass es sich dabei um klassische Kontrolldelikte handelt, das heißt, wenn die Polizei häufig und umfassend kontrolliert, werden mutmaßlich mehr Fahrer erwischt und damit ein Dunkelfeld aufgehellt. Umgekehrt würde das Ausbleiben jeglicher polizeilicher Kontrolltätigkeit ein trügerisch-positives Bild zeichnen.

Hauptunfallursachen

Noch ein kurzer Blick auf die Hauptunfallursachen. Hier liegen ungenügender Abstand (643 Verkehrsunfälle ) und falsches Wenden oder Rückwärtsfahren (454) deutlich vor Geschwindigkeit (144) und Vorfahrtsmissachtung (102). Das mag auf den ersten Blick erstaunen, hängt aber mit der eher dichten Besiedlung und vielen Parkplätzen zusammen. Daneben ist die Zunahme bei den Abstandsunfällen mit einer zum Teil geänderten statistischen Erfassung sowie dem Umstand zu erklären, dass nur die Hauptursache in die statistische Zählung einfließt. Auch bei einem Abstandsunfall zum Beispiel ist häufig eine (zuvor) nicht angepasste Geschwindigkeit zumindest mitursächlich, aber schwer nachweisbar. Zumindest mittelbar im Kontext zu sehen sind auch die ergänzenden Daten zu Strafanzeigen und Kontrollmaßnahmen der Polizei auf dem Verkehrssektor. Neben den Alkohol- und Drogenfahrten wurden bei der Polizei Remagen in 2016 weitere 456 Strafanzeigen mit Verkehrszusammenhang erfasst. In erster Linie handelt es sich dabei um Delikte wie Nötigung und Beleidigung, Fahren ohne Fahrerlaubnis oder Versicherungsschutz oder Gefährdungen im Straßenverkehr. Im Vergleich zu den Vorjahren ist das ein Wert eher am unteren Ende der Schwankungsbreite von 450 bis 550. Rund 400 eingeleitete Bußgeldverfahren und 1000 Verwarnungsgelder sowie 700 Mängelberichte runden das Bild der Verfehlungen im Straßenverkehr nach unten ab.

Bilanz mit Höhen und Tiefen

Insgesamt fügen sich die Daten aus 2016 also zu einer Verkehrsbilanz mit Höhen und Tiefen zusammen, zu der sich Jeder seine eigene Meinung bilden mag. Noch nicht fertiggestellt und möglicherweise von größerem Interesse für die Menschen in der Region ist die Auswertung der Unfallhäufungsstellen und -linien. Hier müssen noch umfangreiche Daten des LBM und der Polizei zusammengeführt bzw. abgeglichen werden, sodass die Polizei noch um etwas Geduld bitten muss. Dem ersten Eindruck nach sind allerdings keine großen Überraschungen beziehungsweise nur geringfügige Veränderungen gegenüber den Vorjahren zu erwarten. Es bleibt im Wesentlichen bei den „üblichen Verdächtigen“…

Pressemitteilung

Polizeiinspektion Remagen

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Imageanzeige
Dauerauftrag Imageanzeige
Inno aus der VG Weißenthurm
Herbstbunt
Stellenausschreibung 2026/078 IT-Systemadministrator (w/m/d)
Stellenanzeige Erzieherin und Bundesfreiwilligendienst
Titelanzeige o. B. Vorauskasse
Empfohlene Artikel
achtung baustelle
816

Meckenheim. In Meckenheim wird die Verkehrsführung auf der A565, zwischen den Anschlussstellen Meckenheim-Merl und Bonn-Hardtberg, im Rahmen der laufenden Fahrbahnsanierung angepasst. Ab dem heutigen Freitag, dem 16. Oktober, steht im Baustellenbereich in Fahrtrichtung Koblenz nur noch ein Fahrstreifen zur Verfügung. Diese Maßnahme wird voraussichtlich bis zum 13. November andauern.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: ROB
123

Plaidt. Am 12.10.2026 gegen 16:10 Uhr ereignete sich ein Verkehrsunfall auf der Bundessstraße 9 in Fahrtrichtung Koblenz, im Bereich der Auffahrt von der B 256/Plaidt aus kommend. Ein derzeit nicht näher bekanntes Gespann, bestehend aus einem Zugfahrzeug und einem Anhänger, befuhr die besagte Auffahrt und verlor im Kurvenbereich Teile seiner unzureichend gesicherten Ladung in Form von zwei Betonblöcken.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: ROB
72

Remagen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 13. auf 14. Oktober 2026, wurden in der Innenstadt von Sinzig mehrere geparkte Pkw durch bislang unbekannte Täter beschädigt. Betroffen waren unter anderem Bereiche der Barbarossastraße sowie der Parkplatz an der Harbach-/Ausdorferstraße.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Vertreter der FDP-Kreisvorstände Ahrweiler und Neuwied trafen sich an den historischen Brückentürmen der ehemaligen Remagener Rheinbrücke, heute Friedensmuseum. Im Mittelpunkt stand die künftig engere Zusammenarbeit über den Rhein hinweg und die Forderung nach leistungsfähigen Verkehrsverbindungen zwischen den beiden Landkreisen. Von links: Martin Thormann, Simon Rehm, Thomas Zeitz, Tobias Kador, Alexander Buda, Christina Steinhausen, Ulrich van Bebber.
75

Die FDP-Kreisverbände Ahrweiler und Neuwied wollen ihre Zusammenarbeit über den Rhein hinweg deutlich intensivieren. Bei einem gemeinsamen Treffen von Vorstandsvertretern beider Kreisverbände an den historischen Brückentürmen der ehemaligen Remagener Rheinbrücke verständigten sich die Freien Demokraten darauf, künftig noch stärker gemeinsame politische Initiativen zu entwickeln und dabei auch die Nachbarregionen einzubeziehen.

Von Ulrich van Bebber aus Bad Breisig

Weiterlesen

Nach 3,86 km schwimmen in 1:24:14 Stunden  erfolgte der Wechsel aufs Rad. Für die 180,2 km benötigte der Oberlahrer Peter Conrads 5:42:48 Stunden.
35

Kailua-Kona/Hawaii. Einmal bei der „Ironman-Triathlon-Langdistanz-Weltmeisterschaft“ auf Hawaii zu starten, ist ein Lebenstraum vieler Triathleten! Diesen konnte sich der Oberlahrer Peter Conrads (LT Puderbach) bereits nach drei absolvierten Langdistanz Rennen erfüllen. Nach seinem Debüt beim Ironman 2021 in Frankfurt mit einer Zeit von 10:28 Stunden und dem Rennen 2022 in der Emilia Romagna (9:49...

Von Dietrich Rockenfeller aus Steimel

Weiterlesen