Projekt „talentCAMPus“ sucht Gemeinschaft unter Jugendlichen zu stärken
„talentCAMPus goes Big House“
Projekt verband Lernen mit Gemeinschaft und Kreativität
Neuwied. „Wie viele Jahre bist du in deiner Heimat zur Schule gegangen“, fragte sie ihn. „So vier Jahre“, antwortete er. „Was hast du danach gemacht?“ „Ich bin ein paar Jahre arbeiten gegangen“, entgegnete er. Verwundert fragte sie: „Weshalb bist du nicht weiter zur Schule gegangen?“. „Weil ich Geld für meine Familie verdienen musste, damit wir vor dem Krieg fliehen konnten“. „Wie alt warst du damals?“ „Neun“, antwortete er und lächelte. (Teilnehmer, männlich, 14 Jahre alt)
Viele Kinder und Jugendliche, die seit 2015 neu nach Neuwied gekommen sind, haben Fluchterfahrungen. Besonders die Heinrich-Heine-Realschule Plus übernimmt aufgrund der gestiegenen Schülerzahlen mit Migrationshintergrund 2017 verstärkt integrative Aufgaben, die über den Schulunterricht hinaus reichen. Der Spagat zwischen der Vermittlung von Wissen und der gesonderten Anforderung für mehr Transparenz im Bildungssystem, der Sprachförderung durch sogenannte „DAZ-Klassen“ (Deutsch als Zweitsprache) sowie kulturelle Aufklärung und Akzeptanz stellt besonders an die Lehrerschaft hohe Anforderungen.
Um auch in den Ferien zu mehr Gemeinschaft beizutragen, fand in diesem Jahr der talentCAMPus, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, in Kooperation mit der Volkshochschule, der Heinrich-Heine-Realschule Plus und dem Jugendzentrum „Big House“ in Neuwied erfolgreich statt. Das Jugendzentrum „Big House“ stellte sich dabei als perfekter Ort heraus, um Bildung und Freizeit miteinander zu kombinieren. Jugendliche im Alter zwischen zwölf und achtzehn Jahren erhielten während der zweiten Herbstferienwoche ein kostenloses Angebot in den Räumlichkeiten des Jugendzentrums. Inhaltliche Schwerpunkte lagen in der Vermittlung von Bildung und der Förderung von Kreativität. Vormittags lag der Fokus in der Erweiterung des Wortschatzes. Die Teilnehmer übten unter Anleitung von Franziska Kreer, Dozentin für Deutsch als Zweitsprache, verstärkt das Kommunizieren miteinander ein.
Am Nachmittag brachte Helen Rademakers vom MedienKompetenzNetzwerk Koblenz / OK4 Koblenz Jugendlichen die Kunst des Films näher. Jeder Teilnehmer erhielt durch gezielte Aufträge eine wichtige Aufgabe in der Erstellung eines Kurzfilms. In diesem wurden die unterschiedlichsten Beschäftigungsmöglichkeiten des „Big House“ sowie der Ablauf des Talentcampus beschrieben. Unter Anleitung lernten die Jugendlichen das Zusammenschneiden verschiedener Filmszenen. Die Betonung ausgewählter Szenen zum Beispiel durch Verwendung von Musik, stellte eine knifflige Aufgabe dar, die von den Teilnehmern jedoch mit viel Freude erarbeitet wurde. Die Initiatorinnen des Projekts, Charlotte Briesemann (Big House) und Caroline Albert-Woll (VHS), ziehen eine positive Bilanz: „Durch das gemeinsame Lernen, Kochen und Mittagessen sowie das Filmprojekt erhielten alle Teilnehmer während der gesamten Campwoche viele positive Eindrücke. Wir freuen uns auf weiter Kooperationen und Projekte im nächsten Jahr.“
Pressemitteilung
der vhs Neuwied
