Schweigemarsch durch Koblenzer Altstadt
…und es wird still
Koblenz. Die Pogromnacht von 1938 jährt sich in diesem Jahr zum 85. Um der Opfer dieser schrecklichen Taten zu gedenken und die Erinnerung an sie wach zu halten, laden die Christlich-Jüdische Gesellschaft und die Jüdische Kultusgemeinde in Kooperation mit der Stadtverwaltung am Donnerstag, 9. November um 17.30 Uhr zu einem Schweigemarsch entlang verschiedener Stolpersteine durch die Koblenzer Altstadt ein. Treffpunkt ist um 17.30 Uhr vor der Florinskirche am Florinsmarkt, einem für die Geschichte der Koblenzer Juden wichtigen Ort. Von dort führt der Rundgang durch die Gemüsegasse zur Liebfrauenkirche. Hier wird der Familie Daniel gedacht. Weiter geht es durch die Braugasse in Richtung Görgenstraße, auch hier wohnten damals jüdische Familien, die gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben wurden. Anschließend geht es links über die Clemensstraße durch die Gymnasialstraße am Rathaus vorbei zur Citykirche am Jesuitenplatz. Die Citykirche lädt alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab 19 Uhr zu einem gemeinsamen Gedenkgottesdienst ein.
Der Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e. V. hat sich unter anderem mit der Bedeutung des Florinsmarktes, genauer des Bürresheimer Hofes“, beschäftigt: Dort, direkt am Florinsmarkt, stand die ehemalige Synagoge der jüdischen Gemeinde Koblenz. Im Jahr 1850 erwarb die jüdische Gemeinde einen Teil des Gebäudekomplexes, in dem neben der Synagoge auch eine Religionsschule, zwei Siechenhäuser und eine Dienstwohnung für den Rabbiner untergebracht waren. In der Folgezeit entwickelte sich ein reges Gemeindeleben. Es war geprägt vom alteingesessenen Koblenzer Bürgertum, bestehend aus Ärzten, Rechtsanwälten, Kaufleuten und anderen.
Das Novemberpogrom in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 setzte diesem wichtigen Ort der Koblenzer Juden ein jähes Ende. Damals wurde die gesamte Inneneinrichtung des Bürresheimer Hofes zerstört, Inventar, liturgische Geräte und Bänke aus den Fenstern auf den Florinsmarkt geworfen. Das Gebäude wurde nicht in Brand gesteckt, da man befürchtete, dass die angrenzende Bebauung in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Erst die Bombenangriffe auf Koblenz zerstörten später auch das Äußere der Synagoge (Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e. V.; dort finden sich auch viele der Biographien hinter den Stolpersteinen). BA
