EHC Neuwied gewinnt zweites Hamburg-Spiel
Einwechslung machte sich bezahlt
Neuwied. Sechs-Punkte-Wochenende für den EHC Neuwied: Die Bären schlugen nach dem 9:0-Kantersieg, kürzlich auch die Corcodiles Hamburg in deren Halle in Farmsen. Das 5:3 (2:1, 0:1, 3:1) bei kämpferisch stark aufspielenden Gastgebern war die erwartet schwere Partie. „Auch wenn Ihr es mir nicht glauben werdet, ich habe es genau so erwartet“, sagte EHC-Trainer Craig Streu auf der Pressekonferenz nach dem Sieg bei den „Crocos“. Die Hamburger hatten sich phasenweise verwundert die Augen gerieben, wie gut das mit einem Kader von nur 13 Feldspielern angetretene Team gegen den Favoriten aus Rheinland-Pfalz mithalten konnte. Wenn es jemand ohne EHC-Brille betrachtet, sind es doch auch genau solche Spiele, die den Reiz der neuen Oberliga Nord ausmachen. Die oft einseitigen Begegnungen aus der Vorsaison sind Geschichte. Wer nicht in jedem Spiel zu 100 Prozent bei der Sache ist, der kann schnell Punkte liegen lassen. Es spricht für die Qualität und die Einstellung der Bären, dass sie trotz eines Rückstands in der 56. Minute die Partie noch drehen konnten. Es spricht für die Liga, dass diese Partie vom Ergebnis her bei Weitem nicht so eindeutig war wie teilweise prophezeit. Und es spricht für die Bären, dass sie die spielerische Überlegenheit und das deutliche Chancenplus am Ende für sich nutzen konnten. In Farmsen vertraute Streu erstmals seit dessen Wechsel nach Neuwied Back-up-Goalie Marvin Haedelt. Die Partie selbst schien schnell zugunsten der Bären zu laufen. Bereits nach 16 Sekunden traf Max Spöttel auf Vorarbeit von Josh Myers zum 1:0. Die Crocodiles fanden vor 209 Zuschauern, darunter 40 aus Neuwied, jedoch schnell eine Antwort: Markus Kankaanranta traf nur drei Minuten später zum Ausgleich. Zwar waren die Gäste in der Folge weiter spielbestimmend, Elmar Trautmann im Tor der Hamburger vereitelte aber selbst beste Chancen. Nur einmal traf der EHC noch im ersten Drittel: Stephan Fröhlich brachte Neuwied in doppelter Überzahl wieder in Führung (7.). Im zweiten Drittel wurden die Verhältnisse auf dem Eis noch deutlicher: Die Bären schossen 21 Mal auf das gegnerische Tor, ohne jedoch einen weiteren Treffer zu markieren. Stärker im Abschluss präsentierten sich da die Crocos: Fabian Calovi sorgte in der 24. Spielminute für das 2:2. Bei diesem Spielstand wurden zum letzten Mal die Seiten gewechselt. Im letzten Spielabschnitt wurde das Anrennen der Neuwieder endlich belohnt - es brauchte jedoch erst noch einen weiteren Weckruf der Gastgeber: Erneut versenkte Calovi die Scheibe im Netz, sein später Treffer zur ersten Hamburger Führung in der 56. Spielminute fühlte sich fast an wie eine Vorentscheidung. Zu viele Chancen hatte der EHC bis zu diesem Zeitpunkt liegen gelassen. Doch dann hatte Streu eine Idee. Mit den Worten „Jens, das ist dein Wochenende“ schickte er Hergt an der Seite von Josh Rabbani und Stephan Fröhlich auf das Eis. Der Stürmer hatte beim 9:0 gegen den HSV den Bann gebrochen und mit seinem wichtigen Treffer zum 1:0 den Sieg eingeleitet. Nun brauchte er nur 13 Sekunden, um am so wichtigen Ausgleichstreffer von Josh Rabbani (56.) beteiligt zu sein. In der Halle war zunächst fälschlicherweise Hergt als Torschütze angegeben worden.
Erneut nur wenige Sekunden später wurde der Routinier dann zum Matchwinner, als er -28 Sekunden nach dem Ausgleich - das Game-Winning-Goal zum 4:3 machte (57.). Den Sieg zum Greifen nahe musste der EHC kurz vor Schluss noch eine Unterzahlsituation überstehen. Schiedsrichter Tony Engelmann schickte Josh Myers in die Kühlbox. Der US-Boy muss auf dem Weg dorthin jedoch reklamiert haben - für den Außenstehenden nicht erkennbar. In „Hand gestoppten“ zwei Sekunden kassierte der Stürmer dafür zwei Zehn-Minuten-Strafe, was automatisch eine Spieldauer-Disziplinarstrafe bedeutete. Eine Situation, die mit einem Schuss Fingerspitzengefühl sicherlich auch anders hätte bewertet werden können. Selbst die Zeitnehmer mussten nachfragen, ob das nun eine oder zwei Zehn-Minuten-Strafen waren. Ärgerlich war für Streu jedoch nicht das Strafmaß, sondern der Auslöser.
Den Sieg ließen sich die Bären trotz Unterzahl nicht nehmen, weil Kapitän Brian Gibbons bei einem Konter die Crocodiles-Verteidiger austanzte und platziert an Trautmann vorbei zum 5:3 in die Maschen traf (59.)
Spielstatistiken
EHC Neuwied: Haedelt, Linda - Erk, Ochmann, Ziolkowski, Wengrzik, Dennis Schlicht, Sven Schlicht - Gibbons, Myers, Spöttel, Köbele, Tegkaev, Schug, Fröhlich, Rabbani, Wasser, Butasch, Hergt. Schiedrichter: Tony Engelmann. Zuschauer: 209.
Tore: 0:1 Max Spöttel (1.), 1:1 Markus Kankaanranta (4.), 1:2 Stephan Fröhlich (7.), 2:2 Fabian Calovi (24.), 3:2 Fabian Calovi (56.), 3:3 Josh Rabbani (56.), 3:4 Jens Hergt (57.), 3:5 Brian Gibbons (59.). Strafen: Hamburg 14, Neuwied 12 plus 10 plus 20 Josh Myers (Spieldauer nach zweiter Zehn-Minuten-Strafe wegen unsportlichen Verhaltens).
