Verwaltungsgebäude der VG Dierdorf
Sanierung oder Neubau?
Erste Berechnungen liegen vor - Kostendifferenz geringer als erwartet
Dierdorf. Das Verwaltungsgebäude der Verbandsgemeinde Dierdorf ist in die Jahre gekommen. Dass eine Sanierung ansteht, darüber war sich der Rat schon lange einig. Die Zahlen, die jetzt nach den ersten Berechnungen auf den Tisch kamen, haben alle überrascht. Nach ersten Hochrechnungen liegen zwischen Sanierung und Neubau lediglich eine halbe Million Euro. Gemäß Tagesordnung der Verbandsgemeinderatssitzung im Dezember sollte über die „Sanierung des Dienstgebäudes mit Erweiterung/Neubau“ ein Grundsatzbeschluss gefasst und eine Planungsphase eingeleitet werden. Die Kommunalbau Rheinland-Pfalz hatte eine Grundlagenermittlung durchgeführt und war zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen. Ratsfrau Rosi Schneider brachte es auf den Punkt: „Wir sind von der Größenordnung der Sanierung überrascht worden.“ Die Kommunalbau hatte in ihrer ersten Kostenkalkulation einen Betrag von gut 3,2 Millionen Euro für die Sanierung des kompletten Gebäudes und für einen Anbau ermittelt. Auf den Anbau entfallen hiervon 453.000 Euro. Aufgrund dieser Kosten hat die Kommunalbau einen Neubau ins Spiel gebracht und dort die Kosten auf knapp vier Millionen Euro beziffert. Bei den zu erwartenden Zuschüssen wäre die Belastung für den Haushalt der Verbandsgemeinde noch bei zwei Millionen Euro für die Sanierung und bei einem Neubau bei gut 2,5 Millionen Euro. Ratsmitglied Rolf Scheyer sah sich außerstande, aufgrund der vorliegenden Unterlagen eine Entscheidung zu treffen, und beantragte direkt Vertagung. Bürgermeister Horst Rasbach konnte dem zwar grundsätzlich zustimmen, bat aber um Diskussion, in welche Richtung „die Reise gehen solle - nur Sanierung oder einen Neubau mit ins Auge fassen?“ Der Bauausschuss hatte in dieser Frage keine Empfehlung an den Rat ausgesprochen. Dies griff Ratsmitglied Hans-Dieter Spohr (CDU) auf und gab eine längere Ausführung seiner Meinung: „Ich bekomme Angst, nicht vor dem Neubau, sondern vor den Unwägbarkeiten der Sanierung.“ Spohr führte eine lange Liste der Unwägbarkeiten auf, beispielsweise dass es sich nur um eine grobe Schätzung der Kosten handele und Sanierungen meist teurer als gedacht würden, wogegen ein Neubau wesentlich besser zu kalkulieren sei. In der Grundlagenermittlung der Kommunalbau sei von unbekannter Asbestbelastung und im Keller bei den Installationen von begründetem Asbestverdacht zu lesen. Umfassende Dämmmaßnahmen seien kam möglich. Die Brandschutzsituation sei unklar. Die Sanierung des Aufzuges koste 60.000 Euro, wenn aber die Genehmigungsbehörde auf einem behindertengerechten Aufzug bestehen würde, dann müsste ein Außenaufzug mit wesentlich höheren Kosten gebaut werden. Spohr brachte noch mit ein, dass während der Umbauphase mit Containerlösungen, die derzeit auch schwierig zu bekommen seien, die Effektivität der Arbeit leidet. Wenn man die Ersparnis der besseren Dämmung in die Abschreibungsdauer mit einrechne, dann sei „Alt gegen Neu kostenneutral“. Dem Ratsmitglied Ulrich Schreiber (FDP) war das, was die Kommunalbau vorgelegt hat, zu wenig. Für ihn stellt sich die Frage: „Können wir es uns überhaupt leisten, zu sanieren?“ Rolf Scheyer (FWG) meinte abschließend: „Wir haben vieles in der Verbandsgemeinde saniert, warum hier nicht?“ Markus Wagner (CDU): „Wir sollten beide Varianten intensiv prüfen. Auch sollten wir schauen, wie sich die Verwaltung in Zukunft entwickeln wird. Der Bauausschuss und der Haupt- und Finanzausschuss sollten in dieser Frage gemeinsam tagen.“ Die Verwaltung wurde beauftragt zu prüfen, ob ein Neubau überhaupt auf dem Grundstück neben dem jetzigen Gebäude realisiert werden kann und ob die von der Kommunalbau gerechneten Fördermittel realistisch sind. Unter dieser Prämisse beschloss der Rat einstimmig die Vertagung eines Planungsbeschlusses.
