Neujahrsempfang der Cochem-Zeller CDU
Die Entwicklung im Internetbereich nicht verschlafen
IT-Experte Jarzombek warnt vor angezogener Datenschutzschraube
Cochem. Der Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek (41), CDU-Sprecher im Bundestagsausschuss „Digitale Agenda“, sprach zum Neujahrsempfang der Kreis-CDU als Ehrengast zu den rund 300 Anwesenden. Gleich zu Beginn seiner Ausführungen im Kapuzinerkloster, konnte er mit einem dicken Kompliment für den Landkreis aufwarten: „In der Bundeshauptstadt sorgt Ihre Breitbandinitiative für große Aufmerksamkeit. Sie sind die Ersten und Einzigen, die das in Deutschland flächendeckend machen!“ Diese Aussage war natürlich Balsam für die Seele von Landrat Manfred Schnur, der diese Aussage des MdB freundlich lächelnd zur Kenntnis nahm.
In Deutschland besteht noch dringender Handlungsbedarf
So soll bereits im Juni die flächendeckende Versorgung aller 89 Gemeinden mit Breitband abgeschlossen sein. Und nicht nur Thomas Jarzombek weiß, dass das Internet in den kommenden Jahren immer mehr den Alltag bestimmen wird. Angefangen von der täglichen Kommunikation, der Steuerung von Prozessen, bis hin zur Mobilität. Hier sieht der IT-Experte in Deutschland noch dringenden Handlungsbedarf und verlangt mehr Flexibilität. Darin bindet er auch die überzogene Anwendung des Datenschutzes mit ein. Vorausschauend sieht Thomas Jarzombek für Deutschland allerdings die Gefahr, die große Entwicklung im Internetbereich zu verschlafen. Damit würde man die wichtige Teilnahme am Zukunftsmarkt verpassen.
„... der Datenschutz darf hier nichts kaputtmachen“
Die fünf größten Internetfirmen in den USA verdienen aktuell das meiste Geld und dies auch mit dem Verkauf von persönlichen Daten: „Diese Firmen krempeln die Welt um!“ Keinesfalls will der Bundestagsabgeordnete den Datenschutz infrage stellen. Vielmehr warnt er davor, dessen Schraube noch enger zu drehen, da dies für erfolgreiche Markttransaktionen sehr abträglich sei. „Wir befinden uns hier ganz am Anfang einer Entwicklung, müssen aber mitspielen, damit Deutschland in den nächsten zehn bis 20 Jahren dahin gehend nicht abgehängt wird - und der Datenschutz darf hier nichts kaputtmachen“, so der IT-Experte. Bei einem Blick in die nahe Zukunft bezüglich der Entwicklungen im Alltag sprach Thomas Jarzombek von Neuerungen, die nicht aufzuhalten sind: „In nicht mal zehn Jahren fahren die Autos von selbst, oder Heizungen regulieren sich selbst, nachdem sie den Bedarf ihrer Besitzer analysiert haben. Auch im ländlichen Bereich funktioniert Mobilität dann ganz anders: „Mit nur einem Klick kann man beispielsweise ein Fahrzeug für eine Fahrt bspw. zum Arzt bestellen. Dieses wird dann von einer Privatperson geführt, die zufällig den gleichen Weg hat“. Der Gründermentalität im Land stellt Thomas Jarzombek ein schlechtes Zeugnis aus.
Im Softwarebereich lässt sich gut Geld verdienen
Hier vermisst er ein Klima, in welchem die Bereitschaft zu einer Firmengründung gedeiht. Dies beginne laut dem MdB schon in der Schule. Schon hier ginge die „Experimentierfreude“ verloren. Im Gegensatz dazu lasse sich doch gerade im Softwarebereich heute und auch auf absehbare Zeit gutes Geld verdienen. Als Anschauungsbeispiel dafür nannte er ein junges Berliner Pizza-Unternehmen, das ohne eine einzige Pizza verkauft zu haben erfolgreich ist. Denn eine Pizza-Software kommt aus dem Markt eben hervorragend an. Analog dazu appellierte Thomas Jarzombek an die Kommunen und den Kreis, jungen Existenzgründern bei Vergaben eine echte Chance zu geben. Und noch mal sprach der Ehrengast das Beispiel Berlin an. Hier schafft man derzeit die Voraussetzung für eine breite Daten-Infrastruktur, die sogenannte „digitale Straße“. Damit lassen sich künftig Autos und Ampeln besser vernetzen und eine „grüne Welle“ ist der daraus resultierende Erfolg. Weltweit lasse sich so viel Kohlendioxid einsparen. Einmal mehr sei die USA auch hier Vorreiter. Sie investieren diesbezüglich in 90.000 „smarte Ampelanlagen“.
Kein Gott riefe zum Töten auf
Als „irregeleitete Geister“, bezeichnete CDU-Kreisvorsitzende Anke Beilstein jene Leute, die die Religionen missbrauchen, um Menschen zu töten. Es träfe für Gott wie für Allah zu, kein Gott riefe zum Töten auf.
Sie appellierte an das friedliche Zusammenleben von Kulturen und Religionen, aktuell mit Rückblick auf die Anschläge von Paris. Jene fehlgeleiteten Personen und ihre Ansichten müsse man gemeinsam bekämpfen.
CDU-Kreisvorsitzende und MdL Anke Beilstein begrüßte die Gäste und sprach über das friedliche Zusammenleben von Religionen und Kulturen.Foto: TE
Landrat Manfred Schnur sprach den demografischen Wandel und die damit verbundenen Probleme und Lösungen für die Zukunft an.Foto: TE
Der IT-Experte sprach im Cochemer Kapuzinerkloster über die Entwicklung und Wichtigkeit des Internets.Foto: TE
