Interkulturelle Woche
Interreligiöse Begegnung in Cochem bestärkt Schöpfungsverantwortung
Cochem. Repräsentanten der drei monotheistischen abrahamitischen Buchreligionen versammelten sich im Kulturzentrum Kapuzinerkloster Cochem zu einer interreligiösen Begegnung.
Mit dabei waren Repräsentanten der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz, der türkisch-muslimischen Gemeinde zu Bullay sowie der christlichen Kirchengemeinden im Pastoralen Raum Cochem-Zell.
Mehr als 50 interessierte Teilnehmer und Teilnehmerinnen fanden sich im Kulturzentrum ein, um zunächst einen inhaltlichen Impuls von Prof. Dr. Alban Rüttenauer, Pallotti University of Vallendar zu hören, bevor Repräsentanten der Religionen nacheinander je ein Gebet vortrugen.
Ausgehend vom Schöpfungsbericht im Buch Genesis erörtert Prof. Dr. Rüttenauer die Schöpfung der Erde und des Menschen durch erhellende Erläuterungen der hebräischen Sprache in ihrer bildhaften Art. Damit erschloss er neue Perspektiven auf Gottes Schöpfung und die Aufgabe des Menschen im Kosmos. Der Mensch tritt auf, er geht aufrecht und wohin er seinem Fuß setzt, dafür übernimmt er Verantwortung: seine Aufgabe liegt darin, Gottes Schöpfung zu schützen.
Als Resonanz auf den Impuls brachte Avadislav Avadiev, Vorsitzender der jüdischen Synagogengemeinde Koblenz, die Perspektive der jüdischen Schriftauslegung ein. Er ging insbesondere auf die Stellung des Menschen ein, der einen Namen erhält:
„Adam“ bedeutet „Mensch“ und ist eng mit dem Erdboden „adamah“ verbunden.
Daraus folgt eine Verantwortung für die Schöpfung: „Tikkun olam“.
Bildlich gesprochen ist auch nach dem sogenannten „Sündenfall“ das „WIFI“ mit Gott ununterbrochen, so Avadiev. Wer glaubt, ist nie allein. Und der Mensch übernimmt Verantwortung für Gottes Schöpfung.
Herr Akin vom Vorstand der türkisch islamischen Gemeinde zu Bullay übersetzte die arabischen Rezitationen, die aus der Sicht des Islam die Verantwortung für die Schöpfung aufzeigen. Die ethische Verantwortung des Menschen wird dabei in konkretes Handeln übersetzt: beispielsweise ist eine Verschwendung von Ressourcen ist nicht im Sinne Gottes. Ein genügsamer Umgang mit den materiellen Gütern ist gefordert.
Ökumenisch gestaltet wurde der Beitrag der beiden christlichen Kirchen in Cochem. Verantwortung für die Schöpfung wird weit gefasst und bedeutet unter anderem auch die Sorge für von Armut betroffenen Menschen. Damit ist eine caritativ-diakonische Dimension von Verantwortung eröffnet.
Ulla Schädler und Christoph Kappes-Schädler, Bullay, begleiteten die Veranstaltung musikalisch.
„Musik kann etwas von der Harmonie aufzeigen, die der Schöpfung innewohnt“ dankte Veronika Raß, Pastoraler Raum Cochem-Zell Arbeitsfeld „Zusammenhalt stärken“ den beiden Ehrenamtlichen.
Anwesende Kommunalpolitiker begrüßen die Beiträge der drei monotheistischen abrahamitischen Religionen und wünschten ein gutes Gelingen des Vorhabens: Hans Jürgen Mons, Beigeordneter im Kreis Cochem-Zell. Gregor Fuhmann, Beigeordneter der Stadt Cochem, und Bürgermeister der Verbandsgemeinde Cochem, Wolfgang Lambertz.
Der Dank gilt Ehrenamtlichen in der Pfarrei Cochem für den Service in einem „Coffee-stop“ und einem „Tea-Cart“ mit Waren aus dem fairen Handel und damit Verantwortung für das leibliche Wohl übernahmen.
Dankenswerterweise stellte die Stadt Cochem die religionsneutralen Räumlichkeiten im Kulturzentrum Cochem zur Verfügung.
Der KEB im Bistum Trier gilt ein Dank für die freundliche Förderung der Bildungsveranstaltung in der interreligiösen Begegnung.
Interreligiöse Begegnungen fördern das gegenseitige Kennenlernen und Verständnis füreinander, ohne Unterschiede nivellieren zu wollen. In der Begegnung mit dem Fremden werden Auffassungen der jeweiligen Religion erhellt und die je eigene Perspektive gestärkt.
Das jeweils Fremde wird nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung erfahren.
Die Veranstaltung fand im Rahmen der diesjährigen interkulturellen Woche unter dem Motto „dafür!“ 2026 statt.
Prof. Dr. Alban Rüttenauer, Pallotti University of Vallendar, spricht über Verantwortung für die Schöpfung auf der Grundlage des biblischen Schöpfungsberichtes. Foto: Veronika Rass