Politik | 01.04.2026

Bürgerinitiative (BI) „Zurück zur ursprünglichen Verkehrsführung“

BI kritisiert Forderung nach verbindlicher Entscheidung zur Ringlösung

Der Knotenpunkt Burgstraße Ostallee.

Lahnstein. Die Bürgerinitiative (BI) „Zurück zur ursprünglichen Verkehrsführung“ nimmt Stellung zu einem jüngst veröffentlichten Leserbrief in der lokalen Presse, in dem eine verbindliche Festlegung des Stadtrates auf die Ringlösung gefordert wird. Den Gegnern wird vorgeworfen, es mangele ihnen an seriösen Alternativen, sie würden wesentliche Punkte ausblenden und die Probleme der früheren Verkehrsführung ignorieren.

Ein Vergleich mit der damaligen Verkehrsführung ist jedoch wenig aussagekräftig, da sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert haben. Mit dem Kreisverkehr an der evangelischen Kirche sowie der Verlagerung des Durchgangsverkehrs aus Richtung Braubach auf die B 42 wurden wesentliche Anpassungen vorgenommen. Eine dauerhafte Überlastung mit Durchgangsverkehr ist in der Hochstraße ausgeschlossen, da diese als verkehrsberuhigter Bereich mit Park- und Durchfahrmöglichkeiten bei reduzierter Geschwindigkeit geplant ist.

Ein möglicher Konfliktpunkt durch die Umkehrung der Adolfstraße zur ursprünglichen Verkehrsführung wird durch den bestehenden Kreisverkehr an der evangelischen Kirche aufgehoben, zumal damals die Hauptverkehrsströme morgens und abends jeweils nur in eine Richtung liefen. Dass solche Verkehrslösungen funktionieren und praktikabel sind, zeigt der Kreisel der Bahnhofstrasse in Niederlahnstein, an dem ebenfalls mehrere Hauptverkehrsströme aus verschiedenen Richtungen zusammengeführt werden.

Ebenso ist die wiederholt in Abrede gestellte Nutzung der Wilhelmstraße in Nord-Süd-Richtung ein zentrales Element der über Jahre funktionierenden Verkehrsführung gewesen. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, den Verkehr aus der Brückenstraße auf die B 42 zu lenken und gleichzeitig kurze innerörtliche Wege zu ermöglichen – ein Vorteil, der in der aktuellen Verkehrsführung teilweise durch erhebliche Umwege verloren gegangen ist.

Vor einer endgültigen Entscheidung sollte jedoch eine praktische Erprobung erfolgen. Eine 2-monatige Testphase wie bei der Einführung der Ringlösung außerhalb der Ferienzeit ist zwingend erforderlich, um eine sachliche Grundlage für eine ergebnisoffene Bewertung zu schaffen. Ergänzend ist im Sinne der Fortführung des Mobilitätsentwicklungskonzeptes (MEK) ein weiteres Fachgutachten durch ein unabhängiges Verkehrsplanungsbüro notwendig, denn eine Entscheidung kann nur auf Basis realer Verkehrsströme und deren fachkundiger Beurteilung getroffen werden.

Das vorliegende MEK-Gutachten aus dem Jahr 2022 weist selbst bereits auf Alternativen hin, insbesondere auf Möglichkeiten zur Umfahrung einer verkehrsberuhigten Hochstraße. Diese Optionen werden bislang von der Stadtverwaltung nicht weiterverfolgt, da sie das Ergebnis der gewollten Ringlösung beeinträchtigen könnten. Vergleichbares gilt im Übrigen auch für die Bürgerbefragung.

Der Verweis auf frühere Belastungen durch Busse und LKW in der Hochstraße überzeugt ebenfalls nicht. Bereits heute zeigt sich in der Sebastianusstraße ein erhebliches Gefahrenpotenzial und eine hohe Verkehrsbelastung durch den überbordenden Busverkehr von rund 70 Linienbussen täglich. In Spitzenzeiten kommt es dort regelmäßig zu Rückstaus.

Auch die behaupteten Verbesserungen in der Verkehrssicherheit für Radfahrer und Fußgänger sind ebenfalls kritisch zu hinterfragen. So birgt die Westallee für Radfahrer durch den Gegenverkehr ein erhöhtes Gefährdungspotenzial. In der Nord- und Ostallee sowie insbesondere in der Sebastianusstraße erschweren Parktaschen und Gegenverkehr ein sicheres Überqueren für Fußgänger erheblich.

Mehr Aufenthaltsqualität als Zielvorgabe zugunsten der Aufwertung des Innenstadtbereiches zu fordern, ist zu begrüßen. Aufenthaltsqualität entsteht allerdings nicht allein durch gestalterische Maßnahmen des Straßenbelags, sondern setzt eine funktionierende Infrastruktur mit Gastronomie, Einzelhandel und Übernachtungsangeboten voraus. Insbesondere beim Handel ist ein bisher ersatzloser Rückgang ehemals alteingesessener und etablierter Geschäfte zu verzeichnen (z.B. Mentges, Krämer…). Die Schlussfolgerung für eine Belebung des Handels kann nur eine Beibehaltung des Zielverkehrs in die City sein.

Im Zusammenhang mit der BUGA wird darauf verwiesen, die Bürgermeister-Müller-Straße stehe bis zum Ende dieser Veranstaltung dem Verkehr nicht zur Verfügung. Wenn diese Zeit als Ausnahme bewertet wird, sind die Lahnsteiner Bürger sicherlich bereit, Einschränkungen hinzunehmen. Eine temporäre Lösung für die Dauer der Veranstaltung von wenigen Monaten ist vollkommen ausreichend und für viele Bürger akzeptierbar.

Abzulehnen ist eine dauerhafte Lösung, die die Durchfahrtsmöglichkeit zur Braubacher Straße über die Bürgermeister-Müller-Straße aufhebt, da diese laut Verkehrsgutachten MEK als Umfahrung der Hochstraße vorgesehen ist.

Die Bürgermeister-Müller-Straße besitzt keine besondere Aufenthaltsqualität. Sie ist einseitig bebaut und verfügt weder über touristisch relevante Gebäude noch über Einzelhandel. Daher muss sie weiterhin für den Durchgangsverkehr offenbleiben.

Das Ziel der Aufwertung der Innenstadt und Entlastung vom Durchgangsverkehr wird bereits durch die Verkehrsberuhigung der Hochstraße mit notwendigen Park- und Durchfahrtsmöglichkeiten bei reduziertem Tempo und Erreichbarkeit sichergestellt.

Fazit: Die Ringlösung stellt keine hinreichend belastbare Grundlage für eine endgültige verkehrspolitische Entscheidung dar und darf zu keinem verbindlichen Beschluss im Stadtrat führen. Eine derart weitreichende Weichenstellung für die Ringlösung kann kaum auf Grundlage einzelner Annahmen getroffen werden, sondern erfordert zwingend ein neues, umfassendes Gutachten, welches erst eine wertfreie Betrachtung erlaubt. Vor einer Festlegung sind weitere Prüfungen und praktische Erprobungen notwendig. Sie sollen zu einer ergebnisoffenen Abwägung aller Möglichkeiten, auch der Alternativen, führen.

Pressemitteilung Bürgerinitiative (BI) „Zurück zur ursprünglichen Verkehrsführung“

Die Hochstraße in Lahnstein.

Die Hochstraße in Lahnstein. Foto: Michael Cramer von Clausbruch

Der Knotenpunkt Burgstraße Ostallee. Foto: privat

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