Politik | 13.08.2026

Galeria an Rünz: Bekenntnis zu Koblenz, Sorge um Löhrstraße

CDU-Landtagsabgeordneter möchte das letzte große Koblenzer Warenhaus bewahren

Die Anfänge von Galeria reichen  bis ins Jahr 1890 zurück. Damit ist das Haus älter als fast alles, was in der Koblenzer Innenstadt Handel treibt – und es ist das letzte seiner Art.

Koblenz. Der Koblenzer Landtagsabgeordnete Philip Rünz (CDU) hatte die Geschäftsführung von Galeria gebeten, bei der Bewertung der Wirtschaftlichkeit die Beschäftigten vor Ort einzubeziehen. Jetzt liegt die Antwort vor. Der Konzern bekennt sich zum Standort – und mahnt gleichzeitig die Entwicklung der Einkaufsstraße an.

Ende Juli hat Galeria 33 seiner 83 Häuser benannt, für die nun über Mieten und Flächenzuschnitt verhandelt wird. Koblenz ist dabei; die Verkaufsfläche in der Löhrstraße sei zu groß für ein wirtschaftlich tragfähiges Betriebsmodell. Rünz wandte sich daraufhin an die Geschäftsführung. Deren Antwort liegt nun vor – und sie fällt nicht abweisend aus.

Man habe 2022 einen Millionenbetrag in den Standort Koblenz investiert, heißt es darin. Das Unternehmen fühle sich „dem Ort und seinen Bürgerinnen und Bürgern verbunden“ und wolle auch weiterhin einen Beitrag zur lokalen Versorgung, zur Beschäftigung und zur Belebung der Innenstadt leisten. Ziel sei es, „gemeinsam mit der Politik konstruktive Lösungen zu finden, die den Standort langfristig attraktiv und wirtschaftlich tragfähig machen“.

Deutlich wird die Geschäftsführung beim Blick vor die eigene Tür. Die Entwicklung des unmittelbaren Standortumfeldes betrachte man „mit zunehmender Sorge“. Die Attraktivität der Einkaufsstraße habe in den vergangenen Jahren spürbar nachgelassen – mit Folgen für die Besucherfrequenz und für die Wahrnehmung des Standortes.

Damit liegt neben der Miete ein zweites Thema auf dem Tisch, das Galeria auch bundesweit zu seinen Prüfkriterien zählt: Sauberkeit, Sicherheit, Erreichbarkeit und die Qualität der Einkaufslage. Anders als Flächenzuschnitte lässt sich das nicht zwischen Konzern und Vermieter regeln – es ist eine Aufforderung an die Stadt.

Für den Standort hatte der Abgeordnete mit dessen regionalem Gewicht geworben: „Koblenz ist Oberzentrum der Region Mittelrhein mit mehr als 114.000 Einwohnern und einem Einzugsgebiet von mehr als 700.000 Menschen. Einzelhandelszentralität und Kaufkraft liegen deutlich über dem Bundesdurchschnitt.“ Getragen werde das von einem starken Mittelstand, einem der größten Behördenstandorte des Bundes, der Universität und dem Tourismus mit Welterbe, Festung und Flusskreuzfahrt. Die Löhrstraße sei die 1A-Lage der Stadt: durchgängige Fußgängerzone, direkt an das Löhr-Center angebunden.

Besondere Aufmerksamkeit verdiene die Lage der rund 60 Beschäftigten. Viele hätten die Restrukturierungen der vergangenen Jahre mitgetragen und seien dem Unternehmen teils über Jahrzehnte verbunden. Betriebstreue dieser Art ist ein Vermögenswert, auch wenn sie in keiner Standortbilanz auftaucht.

2015 feierte die Filiale ihr 125-jähriges Bestehen, die Anfänge reichen damit bis um 1890 zurück. Damit ist das Haus älter als fast alles, was in der Koblenzer Innenstadt Handel treibt – und es ist das letzte seiner Art. Das große Warenhaus am Zentralplatz, einst „Quelle“, schloss bereits 1996 Auch das Modehaus Sinn Leffers am Wöllershof ist längst Geschichte.

Entschieden ist nichts. Angekündigt sind Verhandlungen, keine Schließung – wie 2023, als Koblenz nicht auf der Liste der damals 52 aufgegebenen Häuser stand. Rünz bleibt nach eigenen Angaben im Austausch mit der Geschäftsführung.

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Die Anfänge von Galeria reichen bis ins Jahr 1890 zurück. Damit ist das Haus älter als fast alles, was in der Koblenzer Innenstadt Handel treibt – und es ist das letzte seiner Art. Foto: Foto: Henry Blomenkemper

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