Allgemeine Berichte | 17.04.2013

Friedensdorfkinder werden im Stiftungsklinikum behandelt

„Da schaut man nicht auf die Uhr“

Jahongir strahlt. Viel Hilfe und Zuwendung erhält er im Stiftungsklinikum. Die Ärzte Dr. Erol Gercek (sitzend) und Dr. Philipp Drees (stehend dahinter) fördern das besondere Kinderhilfsprojekt.  Privat

Koblenz. Die OP hat gut zwei Stunden gedauert. Die letzte Naht ist verschlossen. Dr. Erol Gercek schaut zufrieden auf den Oberschenkel des 14-jährigen Jungen. Er hat ihm eben einen zehn cm langen Knochen eingesetzt und hofft nun, dass sich das Bein schnell stabilisiert. „Das Schicksal dieser Kinder liegt uns immer besonders am Herzen“, so der Klinikdirektor und Chefarzt des Zentrums für Unfallchirurgie und Orthopädie am Stiftungsklinikum Mittelrhein. Seit über 20 Jahren werden im Evangelischen Stift Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten kostenfrei behandelt. Seit Beginn des Hilfsprojektes haben sich die jeweils zuständigen Chefärzte dafür eingesetzt, dass kontinuierlich Kinder aufgenommen werden, egal, mit welchen Kosten und Aufwendungen dies für ihre eigene Abteilung verbunden ist. „Meist sind das auch schwierige und außergewöhnliche Operationen“, so Privat-Dozent Dr. Gercek. Jahongir der Junge aus Usbekistan, ist gerade zum dritten Mal innerhalb eines Jahres operiert worden. Eine genaue Diagnose konnten die Ärzte zu Beginn der Behandlung nicht stellen. Wahrscheinlich hat eine Verletzung oder Entzündung das Wachstum des Oberschenkelknochens behindert. Nicht nur, dass das linke Bein des Jungen ca. 30 cm kürzer ist als das rechte, sondern es fehlt die knöcherne Verbindung vom Hüftkopf zum Knie. Der Junge konnte das „Puddingbein“ quasi um 180 Grad drehen. „So ein Kind hat in seiner Heimat ohne entsprechende Behandlung keine Chance auf ein einigermaßen vernünftiges Leben“, meint Dr. Gercek. „Wenn ich so etwas sehe, dann denke ich an meine vier Kinder und daran, wie gut es uns doch geht!“ Mit viel Energie setzt sich der Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie für die Behandlung der Friedensdorfkinder ein. Da vergehen schon einige Stunden an Mehrarbeit, um die OPs vorzubereiten, Diagnosen zu stellen, Materialien kostengünstig oder gar über Spenden zu beschaffen oder auch mal tröstend am Bett zu sitzen und die Hand der kleinen Patienten zu halten. „Wir nehmen uns die Zeit trotz oft stressigem und langem Alltagsgeschäft.“ Sein Chefarztkollege Privat-Dozent Dr. Philipp Drees ist Vater von drei Kindern. „Für uns war klar, dass wir, als wir hier im Stiftungsklinikum anfingen, die Kinderhilfe auf jeden Fall weiterführen“, so Dr. Drees. „Unser gesamtes Team setzt sich für diese Kinder ein. Ob Ärzte oder Pflegekräfte - da schaut man eben nicht auf die Uhr.“ Die notwendigen Rehamaßnahmen werden zudem von Rehafit am SKM unentgeltlich übernommen. Jahongir bleibt etwa zwei bis drei Wochen im Koblenzer Stiftungsklinikum, danach geht es wieder in das Friedensdorf nach Oberhausen, seiner „Heimat“ in Deutschland. Bis er nach Usbekistan zurückkehren kann, vergeht noch eine lange Zeit - je nach Heilungsprozess. Ob eine weitere Operation notwendig sein wird, ist noch unklar. „Unser Ziel ist es, den Knochen zu stabilisieren. Eine Beinverlängerung werden wir nicht vornehmen, das können wir ihm nicht auch noch zumuten. Jahongir wird aber mit Hilfe einer Orthese, also einer Art Laufstelze, ohne Gehstützen laufen können.“ Fußball wird er allerdings wohl nie spielen, das bedauern Dr. Drees und Dr. Gercek sehr. Beide sind leidenschaftliche Kicker im Team der Lotto-Elf genauso, wie zu Hause im Garten mit ihren Kindern. Aber: „Der Junge ist uns unglaublich dankbar. Wir bekommen von allen hier behandelten Kindern so viel zurück, das ist den Einsatz einfach wert.“ Das Spendenkonto des Stiftungsklinikum Mittelrhein für die Friedensdorfkinder lautet: Sparkasse Koblenz, Konto: 7000 22 33, BLZ: 570 501 20 (Stichwort: Kinderhilfe).

Jahongir strahlt. Viel Hilfe und Zuwendung erhält er im Stiftungsklinikum. Die Ärzte Dr. Erol Gercek (sitzend) und Dr. Philipp Drees (stehend dahinter) fördern das besondere Kinderhilfsprojekt. Foto: Privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
Dauerauftrag
Oster-Anzeige
Ostergruß
Container Anzeige
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
Dauerauftrag 2026
Anzeige Lange Samstage
Wohnträume
Titelanzeige Nissan  114/1407895/2454617/4746681
Empfohlene Artikel
Latscho Koblenz e.V. sucht Immobilie für freie Kulturszene in Koblenz
13

Koblenz. Die freie Kulturszene in Koblenz steht vor einer wachsenden Herausforderung: Geeignete Veranstaltungsorte sind rar, und nur wenige der bestehenden Locations werden aktiv von freien Kulturakteur:innen getragen. Vor diesem Hintergrund richtet der Latscho Koblenz e.V. einen Aufruf an die Öffentlichkeit, um eine dauerhafte Immobilie für kulturelle Nutzung zu finden.

Weiterlesen

Bestätigte Expertise: Thorsten Kratz, Dr. med. Benedikt Hoidn, Ingrid Neunheuser und Dr. med. Sven Oosterloo (von links) stehen stellvertretend für das gesamte Team des vor fünf Jahren etablierten Adipositaszentrums Mittelrhein für erfolgreiche Therapiekonzepte bei starkem Übergewicht.
19

Koblenz. Wer deutlich zu viele Kilos mit sich herumträgt, leidet nicht nur unter seinem Übergewicht und dem Risiko von ernsthaften Begleit- und Folgeerkrankungen, sondern wird obendrein von anderen oftmals diskriminiert und beschämt. „Dicken Menschen wird schnell Trägheit und ein Mangel an Willenskraft unterstellt, um etwa einen Ernährungs-plan konsequent umzusetzen oder sich einfach mehr zu bewegen“, weiß Dr.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Stadt Mayen trauert um ihren Ehrenbürger Mario Adorf.
49

Im Foyer des Rathauses in der Rosengasse liegt ein Kondolenzbuch aus, in das sich Bürgerinnen und Bürger eintragen können

Stadt Mayen trauert um Mario Adorf

Mayen. Die Stadt Mayen trauert um ihren Ehrenbürger Mario Adorf, der am 8. April 2026 im Alter von 95 Jahren verstorben ist.

Weiterlesen

Pfarrer Jörg Meyrer. Foto: privat
12

Sie ist gerade nicht besonders verlässlich. Kriege, Krisen, harte Worte in der Politik. Vieles ist in Bewegung, manches gerät aus den Fugen. Für uns Erwachsene ist es schon nicht einfach, alles zu verfolgen – und erst recht nicht, alles zu verstehen. Und zu begreifen, warum die Mächtigen ihre Gewalt- und Kriegsspiele treiben. Wie machen Kinder das?

Weiterlesen

Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Daueranzeige
Rund ums Haus
Imageanzeige
Wir helfen im Trauerfall
Dauerauftrag 2026
Alles rund ums Haus
Fahrer gesucht (m/w/d)
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht 2026
Titel
First Friday Anzeige März
Unterstützeranzeige
125-jähriges Jubiläum der Rosenkranzkirche Bad Neuenahr und offizielle Wiedereröffnung am 12.04.26