Protest gegen Honorarkürzungen
Demonstration in Koblenz gegen Psychotherapie-Honorarkürzungen und lange Wartezeiten
aus Koblenz
Koblenz. Monatelange Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz sind für viele Menschen längst zur belastenden Realität geworden – mit teils erheblichen Folgen für ihre Gesundheit. Am Freitag, 27. März 2026, um 16 Uhr fand am Löhrrondell in Koblenz eine Demonstration gegen die beschlossenen Honorarkürzungen in der Psychotherapie statt.
Die Aktion wurde von Anna-Elisabeth Burkard und Dr. Juliane Lessing organisiert. Rund 225 Demonstrierende, darunter Betroffene, Angehörige und Fachkräfte, versammelten sich, um auf die angespannte Versorgungssituation aufmerksam zu machen.
Symbolische Warteschlange macht lange Wege sichtbar
Eine symbolische Warteschlange, die rund um das Löhrrondell inszeniert wurde, visualisierte eindrucksvoll, was viele Betroffene tagtäglich erleben: lange, zermürbende Wege bis zum Beginn einer dringend benötigten Therapie. Die Organisatorinnen betonten, dass die beschlossenen Honorarkürzungen die ohnehin angespannten Wartezeiten weiter verschärfen könnten.
Belastung der Therapeut:innen
Ein zentraler Punkt in den Redebeiträgen war die Belastung für die Therapeut:innen selbst: „Therapeutinnen und Therapeuten arbeiten weniger als die theoretisch erforderlichen 50 Stunden pro Woche, weil sie im Rahmen einer Vollzeittätigkeit ihre persönliche Belastungsgrenze erreichen und ihre Patient:innen bestmöglich behandeln wollen. Dadurch verdienen sie deutlich weniger als vergleichbare Berufsgruppen. Das Ziel ist stets eine qualitativ hochwertige Therapie. Die Vergütung sollte diese Arbeit angemessen abbilden. Aktuell verzichten Therapeut:innen also indirekt auf Teile ihres Gehalts, um die Behandlungsqualität sicherzustellen.“
Ein weiterer Einblick aus den Redebeiträgen verdeutlichte die Belastung für den Nachwuchs: „Manchmal frage ich mich, warum ich so einen langen Ausbildungsweg in Kauf nehme, angesichts der fehlenden Finanzierung der Weiterbildung, angesichts absurd teurer Kassensitze und jetzt auch noch gekürzter Honorare trotz Inflation.“
„Wer an Psychotherapie spart, spart an Menschen – und das ist nicht sozial, sondern asozial.“
Auch Anna-Elisabeth Burkard richtete sich mit klaren Worten an die Gesundheitspolitik: „Liebe Gesundheitspolitik, liebe Frau Warken, wir haben ein Problem erkannt. Wir haben es benannt. Und jetzt ist es Zeit für eine Krisenintervention.“
Im Anschluss an die Redebeiträge meldeten sich spontan auch Patientinnen und Patienten selbst zu Wort. Sie äußerten einerseits großes Unverständnis über die beschlossenen Kürzungen, betonten jedoch zugleich ihre Dankbarkeit für die wichtige und oft lebensverändernde Arbeit der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.
Deutlich kritisiert wurde zudem, dass es wohl kaum ein Zufall sei, dass – wie in vielen sozial geprägten, überwiegend weiblichen Berufen – ausgerechnet hier der Rotstift beim Gehalt angesetzt werde.
Die Demonstrierenden forderten die Verantwortlichen auf, die beschlossenen Kürzungen zu überdenken und stattdessen in den Ausbau der psychotherapeutischen Versorgung zu investieren. Nur so könne langfristig sichergestellt werden, dass Menschen in Krisensituationen zeitnah Hilfe erhalten.
Die Demonstration am Löhrrondell setzte ein sichtbares Zeichen für mehr Aufmerksamkeit, bessere Rahmenbedingungen und eine verlässliche Versorgung im Bereich psychischer Gesundheit.
Die Veranstalterinnen betonten abschließend, dass psychische Gesundheit kein Luxus, sondern ein Grundrecht sei.
Burkard (rechts) spricht, die Demo hört zu – am Löhrrondell. Foto: Silvin Müller
