Allgemeine Berichte | 30.09.2026, 23:24 Uhr

Kirche & Demokratie

Ein Kirchenmann als Wächter der Demokratie - Joachim Schäfer zu Gast bei Kolping Lahnstein

Der Pastoralreferent und You Tuber Joachim Schäfer (links) mit Vorstandsmitgliedern der Kolpingsfamilie Lahnstein, St. Martin.
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Lahnstein. Ein authentischer Glaubenszeuge beeindruckte mit seinem Vortrag im Pfarrzentrum am Europaplatz. Zu Gast bei der Kolpingsfamilie Lahnstein, St. Martin im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Was ich schon immer mal fragen wollte“ war der Diplomtheologe und Pädagoge Joachim Schäfer, aufgewachsen in Niederlahnstein, heute Pastoralreferent in der Dompfarrei Wetzlar.

Die lateinamerikanische „Theologie der Befreiung“ hat ihn bei seinem Aufenthalt in Chile einst geprägt. So ist er auch heute der Meinung, dass katholische Kirche politisch zu sein hat. Schäfer betreut das Videoprojekt „hessencam.de“. Hat der Pfarrer die Kanzel, so hat er die Kamera. Mit Respekt und Empathie begegnet der You-Tuber seinen Interviewpartnern, er beobachtet die rechte Szene.

Unter Bischof Tebartz van Elst hatte Schäfer „Sprechverbot“. Auch ein Teil seiner interessanten Lebensbiografie. Aktuell zeigte er unter anderem Filme vom Straßenwahlkampf der AfD in Sachsen-Anhalt. Umso näher er an die Gesprächspartner, Sympathisanten der AfD zoomt, umso mehr entlarven sie sich in den Interviews mit Vorurteilen, Plattitüden und populistischen Sprüchen. Wenn er mit der Kamera auftaucht, ist er für viele der Feind, der Störenfried. Nicht selten wird er bedroht.

Im Jahre 2010 gab es einen Brandanschlag auf das Haus seiner Familie. Über 5.600 Videos hat er inzwischen gedreht. Er beobachtet nicht nur die rechte Szene, sondern hat auch Filme in den europäischen Partnerstädten von Wetzlar gemacht oder mit Flüchtlingen gedreht. Den Menschen auf der Flucht habe er vor der Kamera eine Stimme gegeben, sie mit ihrer Fluchtgeschichte ernst genommen.

Politische Theologie bedeutet für ihn, dass Kirche dahin gehen müsse, wo Menschen leiden. Er engagiert sich für Flüchtlinge und blickt zurück: Die Sprache hat sich geändert, von „Refugees welcome“ bis zu „Remigration“, in dieser Spanne leben wir. Leider sei das Solidaritätsbewusstsein mit den Menschen, die hier eine neue Heimat gefunden haben, immer mehr abhanden gekommen.

Schäfer ist beeindruckt vom Influencer „Markant“, welcher auch ihn bekannt gemacht habe, seine „Klicks“ seien durch ihn immens angestiegen. Er spricht von fundamentalen Christen und der Nähe mancher Freikirche zur AfD. Jeder zweite junge AfDler trage ein Kreuz. 90 Prozent der jungen Neonazis hätten Probleme mit dem Elternhaus.

Er stellt die Menschen vor, mit welchen sich Ulrich Siegmund, der AfD-Wahlgewinner von Sachsen-Anhalt, umgibt. Bei der Vita um manche Person erschrecken die Zuhörerinnen und Zuhörer. Beeindruckt war der Referent vom Magdeburger Bischof Dr. Gerhard Feige, der bei einer Wallfahrt zu kreativen Ideen gegen die AfD aufrief.

Schäfer stellt klar: „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar.“ Eine Ideologie, die Menschen nach Rasse, Herkunft oder ethnischer Zugehörigkeit in unterschiedliche Wertkategorien einteile, widerspreche christlichen Grundsätzen. Nationalismus sei ein Übel, als Christ sei man immer grenzenlos. Auch wenn es wohl lange dauert, ist er grundsätzlich für ein AfD-Verbot. Er hofft, dass einige der Mitglieder davor zurückschreckten, sodann Angehörige einer kriminellen Vereinigung zu sein.

Die Videoclips von Schäfer sind aktiver Einsatz für die Demokratie. Das Publikum hatte ausreichend Gelegenheit, Fragen zu stellen. Markus Schild und Thomas Schneider, die Moderatoren des Abends bedankten sich für den kurzweiligen Vortrag von einem Wächter für Demokratie und einem unbequemen, aber wichtigen Kirchenmann, dessen ungewöhnlicher Aktivismus im christlichen Glauben wurzelt.

Theologisch und auch meditativ wurde der Abend beschlossen: Auf die Frage, was ihm Hoffnung gebe, stimmte Schäfer das moderne Kirchenlied „Ihr Mächtigen, in deinen Toren erwacht mein Lied…“ über die freie Stadt Jerusalem an. Alle sangen mit. Thomas Schneider

Gut besucht war der Gesprächsabend im Pfarrzentrum am Europaplatz in Oberlahnstein.

Gut besucht war der Gesprächsabend im Pfarrzentrum am Europaplatz in Oberlahnstein. Foto: Thomas Schneider

Weit über 5.000 Videos hat Joachim Schäfer ins Netz gestellt. Er beobachtet die rechte Szene.

Weit über 5.000 Videos hat Joachim Schäfer ins Netz gestellt. Er beobachtet die rechte Szene. Foto: Thomas Schneider

Der Pastoralreferent und You Tuber Joachim Schäfer (links) mit Vorstandsmitgliedern der Kolpingsfamilie Lahnstein, St. Martin. Foto: Thomas Schneider

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