Halloween Brauchtum & Kultur
Halloween in Koblenz: Geschichte, Kultur und dunkle Kunst erleben
aus Düsseldorf
Koblenz. WER ERSCHRECKT DEN TOD ? Halloween. Das kann man am besten, wenn man ihn mit Humor feiert.
Dieser Gedanke ist nicht nur bei Heine, auch bei dem deutschen Filmemacher Friedrich, Wilhelm Murnau, überhaupt seit Menschheitsgedenken ein tiefgründiges Thema gewesen. Schauen wir mal etwas zurück.
Eine keltische Erfindung
Das keltische Fest Samhain (Ende des Sommers) mit dem vor bereits über 2000 Jahren das Ende des Sommers und der Beginn des Winters gefeiert wurde, fällt auf diese Tage. Der November bringt seither mehr Dunkelheit mit. Man glaubte damals, dass in dieser Nacht zum 1. November die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten besonders durchlässig sei. Deshalb zündete man Feuer an, verkleidete sich, höhlte Kürbisse. Alles, um böse Geister abzuschrecken. Später verband die christliche Kirche dieses alte Brauchtum mit Allerheiligen.
Mut zum Dunklen
Das Ludwig Museum öffnete zu dem keltischen Brauch seine Türen mit attraktiven Werkbeschreibungen, einer düsteren Performance und mit Murnaus Filmerbgut ein Ausflug zum Land der Diebe und Gespenster, Transsylvanien. Mit „Nosferatu“ wurde das Dunkle auf die Leinwand gebannt. Dazu erwarten die Gäste schaurige Snacks und unheilvolle Getränke. Das Ludwig Museum wagte eine Reise zur dunklen Seite der Kunst, der Menschheit. Unter der Leitung von Prof. Dr. Beate Reifenscheid brachten die Mitarbeiter eine passende Kunstführung zustande. Vertraute Räume wurden fremd, Körper verschwanden und Dinge begannen ein Eigenleben zu führen.
Grusel in 3 Akten
Grusel-Faktor I begann im LED-Kerzenschein mit Suzana Leu-Puggioni (wissenschaftliche Mitarbeiterin) und Marlene Reiche (wissenschaftliche Volontärin) zu Werken von Anselm Kiefer hier „Ararat“; Maike Frees „Zarte Zucht“; Liliane Tomasko mit „Weaving Upwards“. Grusel-Faktor II bot die Soubrette Jennifer Kalnicki, die mit live gesungenen Arien aus dem Musical „ Dracula“ und „Tanz der Vampire“, auf das Kommen des Meisters, „Nosferatu“ einstimmte. Licht aus. Spot an für „Nosferatu“ (1922). Das Stummfilmkunstwerk von Regisseur F.S. Murnau (1988-1931) bildete den gelungenen Höhepunkt des Abends.
Halloween und Psyche
Halloween macht etwas Interessantes - es verwandelt das Bedrohliche in ein Spiel. Man lacht über Geister, malt Totenköpfe auf Kürbisse und erschreckt sich freiwillig. Psychologen sehen darin tatsächlich eine Möglichkeit, Ängste zu kontrollieren und zu entschärfen. Ähnliches schaffen Märchen – wir begegnen Hexen, Wölfen und Drachen in einer geschützten Form. Halloween spielt mit den Urängsten der Menschheit. Wir spielen mit. Dunkelheit, Tod, Einsamkeit, Unbekanntes, Kontrollverlust begegnen uns im Spiel. Mit unserem, dem gemeinsam Humor gelingt es uns diese Urängste zu entschärfen..
Ein Fest für jung und alt?
Kinder mögen das Verkleiden und Sammeln von Süßigkeiten. Jugendliche lieben Nervenkitzel. Erwachsene feiern Kostümfeste. Historisch betrachtet war Halloween sogar eher ein Fest der Gemeinschaft und der Erinnerung an Verstorbene - keine reine Jugendveranstaltung. Wenn man es kulturgeschichtlich betrachtet, steckt dahinter eine menschliche Frage: Wie leben wir mit dem Wissen, dass alles vergänglich ist? Dieser Brauch ist gar nicht so oberflächlich, wie er oft wirkt. Hinter den Skeletten und Gespenstern verbirgt sich das uralte Sinnieren über Leben, Tod, Erinnerung, das Weitergehen der Zeit. Das wiederum würde Heinrich Heine vermutlich gefallen haben.
Nosferatu - ein Symbol
Halloween macht wie gesagt aus Ängsten ein Fest. Nosferatu spiegelt sie in seiner düsteren Gestalt. Er symbolisiert die Angst vor Krankheit, Einsamkeit, Tod. Deshalb sieht man heute zu Halloween oft Vampire, Fledermäuse und Nosferatu-Figuren. Diese sind so zus agen moderne Nachfahren jener Wesen, vor denen sich Menschen seit Jahrhunderten, -tausenden auf dem Erdball fürchten.
Könnte das Heine gefallen haben?
Heinrich Heine (1797 -1856) wusste wie kaum ein anderer Dichter, dass die Gegensätze Melancholie und Humor sich oft zueinander wie Geschwister verhalten. Heine liebte das Spiel mit dem Gespenstischen – siehe die Figur im Nebel - die Loreley, die nächtlichen Rheinlandschaften, die Geistererscheinungen in den Reisebildern. Heine wusste, dass das Unheimliche den Menschen anzieht. Die Loreley war keine Hexe und kein Vampir. Aber die Loreley bleibt jedoch eine Art Rhein-Geist. In seinem Werk „Deutschland. Ein Wintermärchen“ wandern Gespenster der Vergangenheit durch die Gegenwart. Tote Ideen stehen auf. Alte Mythen leben weiter. Als intellektuelles Halloween.
Bei Heine lagen Spott und Schauer nicht weit voneinander. Heine hätte einen sonderlichen Nosferatu vermutlich erst bewundert, dann verspottet und ihm schließlich ein Glas Rheinwein hingestellt? Möglich wärs. Heine verband Geist mit Witz. Das jährliche Halloween hilft uns, uns mit unseren Schatten, größten Ängsten auseinanderzusetzen. Selbsttherapie. Daher einfach mal mitmachen. Der nächste Halloween kommt bestimmt.
Kultursalon Koblenz, Petra Lötschert
Halloween Sensation - das Messer im Kopf. Foto: P. Lötschert
Museum Ludwig, Koblenz. Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen voll im Element. Foto: P. Lötschert
Für alle sichtbar - Anselm Kiefers Werk zur gespenstigen Einsamkeit in Paris. Foto: P. Lötschert
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Mittelalterliche Toreinfahrt, bei Alexander von Canal. Foto: P. Lötschert