Politik | 22.06.2026

Sommerferien-Risiken für Mädchen und junge Frauen

SOLWODI warnt in Koblenz vor Zwangsverheiratung und Genitalverstümmelung

Symbolbild

Koblenz. Pressemitteilung vom 22.06.2026 Wenn der Familienurlaub zur Falle wird: SOLWODI warnt vor den Risiken der Sommerferien für Mädchen und junge Frauen

Koblenz, 22.06.2026 – Während sich Millionen Schülerinnen und Schüler auf die Sommerferien freuen, blickt die Frauenrechtsorganisation SOLWODI mit Sorge auf die bevorstehende Reisezeit. Denn die Ferien werden immer wieder genutzt, um Mädchen und junge Frauen gegen ihren Willen zu verheiraten oder sie einer weiblichen Genitalverstümmelung (FGM/C) zu unterziehen.

Die Fachberatungsstellen von SOLWODI begleiteten 2025 bundesweit 261 Betroffene von drohender oder bereits erfolgter Zwangsverheiratung. 91 Frauen und Mädchen suchten Unterstützung wegen einer drohenden oder vollzogenen Genitalverstümmelung (FGM/C). Nach den Erfahrungen der Organisation steigt insbesondere vor den Sommerferien die Sorge vieler Betroffener.

„Die Sommerferien dürfen nicht zur Hochsaison für Menschenrechtsverletzungen an Mädchen werden“, erklärt Dr. Maria Decker, Vorsitzende von SOLWODI. „Gerade in der Ferienzeit steigt für manche Mädchen das Risiko erheblich. Viele freuen sich auf die Reise zu Verwandten und wissen nicht, was sie dort erwartet – eine Eheschließung oder Genitalverstümmelung.“ Beide Praktiken sind in Deutschland strafbar. Das gilt auch dann, wenn die Taten im Ausland an deutschen Staatsangehörigen oder in Deutschland lebenden Betroffenen veranlasst oder durchgeführt werden.

Ein Fall aus der Beratungspraxis von SOLWODI zeigt, wie groß die Gefahr sein kann: Die heute 21-jährige „Salma“ (Name geändert) wandte sich während ihrer Abiturzeit an die Beratungsstelle. Sie berichtete von massiver Kontrolle durch ihre Familie und dem Druck, eine von ihr nicht gewollte Ehe einzugehen. Besonders belastend war für sie die Sorge, dass eine geplante Reise ins Herkunftsland der Familie genutzt werden könnte, um sie gegen ihren Willen zu verheiraten. Mit Unterstützung von SOLWODI konnte sie rechtzeitig in eine Schutzunterkunft vermittelt werden. Heute lebt sie selbstständig, absolviert eine Ausbildung und gestaltet ihr Leben nach eigenen Vorstellungen.

Zwangsverheiratung und weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C) verletzen grundlegende Rechte auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit. Die Betroffenen leiden häufig ein Leben lang unter körperlichen, psychischen und sozialen Folgen.

Hinweise auf eine mögliche Gefährdung können ausgeprägte Ängste vor einer Auslandsreise, kurzfristig angekündigte Reisen ins Herkunftsland der Familie, zunehmende Kontrolle durch Angehörige oder Aussagen über eine geplante Verlobung oder Hochzeit sein. Auch die Sorge, nach den Ferien nicht nach Deutschland zurückkehren zu können, sollte ernst genommen werden.

SOLWODI appelliert an Lehrkräfte, Schulsozialarbeitende, medizinisches Personal, Freundinnen und Freunde sowie Angehörige, aufmerksam zu bleiben. Besteht der Verdacht auf eine drohende Zwangsverheiratung oder Genitalverstümmelung, ist es wichtig, frühzeitig spezialisierte Beratungsstellen einzuschalten. Je früher Betroffene Unterstützung erhalten, desto größer sind die Möglichkeiten, sie wirksam zu schützen.

„Für viele Betroffene geht es um weit mehr als die Ferien. Es geht um die Frage, ob sie weiterhin selbst über ihre Ausbildung, ihre Beziehungen und ihre Zukunft entscheiden dürfen,“ betont Dr. Maria Decker.

Weitere Themen

Symbolbild Foto: Christoph Lodewick für SOLWODI

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Bildergalerien
Heimat aktiv AW
Heimat aktiv erleben
Anzeige Number One Sports
Innovatives rund um Andernach
Erzieher / Heilerziehungspfleger / Pflegefachkraft (m/w/d)
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0366#
Anzeige Fahrzeugsegnung
Empfohlene Artikel
Anna Köbberling und Peter Mayer
78

Güls und Metternich. Seit der Schließung der Postfilialen in Güls und in Metternich müssen viele Bürgerinnen und Bürger auf Standorte in anderen Stadtteilen ausweichen. Gerade für Menschen ohne Auto ist dieser Zustand dauerhaft kaum zu bewältigen. Deshalb hat die Landtagsabgeordnete Anna Köbberling gemeinsam mit Peter Mayer, dem regionalen Politikbeauftragten der Deutschen Post DHL, über mögliche Lösungen gesprochen.

Weiterlesen

368

Lahnstein. Wenn der Stadtrat von Lahnstein in seiner nächsten Sitzung der Ringlösung grundsätzlich zustimmt — und nichts anderes scheint nach dem deutlichen Votum im Hauptausschuss realistisch — stehen für die Bürgerinitiative „Zurück zur ursprünglichen Verkehrsführung“ wichtige Weichenstellungen an. Bleibt man bei der Alles-oder-Nichts-Haltung, oder lässt man sich konstruktiv auf Gespräche ein, in...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Foto: Polizei
6189

Die Gesuchten sollen einen 24-Jährigen bewusstlos geprügelt haben:

22.06.: Fahndung: Wer kennt diese Männer?

Köln. Die Kriminalpolizei Köln fahndet mit Bildern von Zeugen nach zwei Männern, die am 12. Februar (Weiberfastnacht) einen 24-Jährigen angegriffen und schwer am Kopf verletzt haben sollen.

Weiterlesen

Bei der symbolischen Durchschneidung des „Roten Bandes“.  Foto: WTE
511

Ahrtal/Marienthal. Groß war der Andrang bei der offiziellen Einweihung des neuen Radweges zwischen Walporzheim und Mayschoß oberhalb von Marienthal auf dem Gelände der Firma Weiss. Stefan Schmitt, Leiter des Projektbüros „Wiederaufbau Ahrtal“ Landesbetrieb Mobilität (LBM) Rheinland-Pfalz, konnte hierzu - neben zahlreichen Offiziellen - viele Radfahrer/Inen sowie etliche Mandaträger/Innen und Radfahrgruppen,...

Weiterlesen