Lokalsport | 11.07.2013

Fußballgeschichte am Koblenzer Oberwerth

Schalke füllte bereits 1946 das Oberwerth

Erstmals standen sich TuS Neuendorf und Schalke 04 bereits 1943 in einem Endrundenspiel gegenüber

Bis an den Spielfeldrand drängten die Zuschauer am Oberwerth, als die Schalke 1946 zum Freundschaftsspiel am Deutschen Eck antraten.TuS Koblenz - Archiv

Koblenz. Mit einem Leckerbissen begrüßt Regionalligist TuS Koblenz am Mittwoch, 17. Juli, 19 Uhr seine Fans zur neuen Saison. Champions League Teilnehmer FC Schalke 04 kommt zu einem Freundschaftsspiel ans Oberwerth und ist für die Neustädter Schützlinge das Vorbereitungshighlight. TuS-Präsidiumsmitglied Tom Theisen, der dieses Freundschaftsspiel selbst eingefädelt hatte, freut sich als bekennendes Schalker Mitglied besonders. „Das wird ein ganz besonderer Abend, denn Schalke kommt mit all seinen Stars ans Oberwerth“.

Schalke war eine Übermannschaft

Schalke 04, der Name elektrisiert seit rund 90 Jahren die Massen. Nicht nur im Ruhrpott, sondern auch in ganz Deutschland. Der Ruhm dieses Clubs resultiert aus der großen Zeit eines Fritz Szepan oder Ernst Kuzzura, die den Namen „Schalke“ in ganz Deutschland bekannt gemacht haben. Jakob Oden, TuS Ikone der glorreichen Gauchelelf, schwärmte in seiner Jugend für den FC Schalke 04. „Der 1.FC Kaiserslautern wurde erst nach dem Krieg zum Sympathieträger hier in der Region. Vor 1945 allerdings waren die Roten Teufel, trotz eines Fritz Walters, noch fußballerische Provinz. Schalke war in diesen Jahren das, was Bayern München heute verkörpert, eine Übermannschaft“. Dass er dann selbst beim ersten Aufeinandertreffen seiner TuS mit den Schalkern auf dem Platz stehen sollte, hätte er sich als Jugendlicher wohl nicht träumen lassen. Es war die fünfte Kriegsmeisterschaft, die im Sommer 1943 angepfiffen wurde und mit einem souveränen Erfolg für die Knappen Anfang April 1944 geendet hatte.

Souveräner Alleingang von Jupp Gauchel

Zuvor hatte die TuS den Meistertitel der Ostgruppe eingefahren und wiederum stand die Mannschaft aus dem kleinen Fischerdorf im Finale um die Gaumeisterschaft im Moselland. Gegner aus der Westgruppe war die Mannschaft von Schwarz-Weiß Esch. Dass der luxemburgische Vertreter nicht zu unterschätzen war, zeigte sich im Hinspiel. Mit 4:1 gewannen die Schwarz-Weißen deutlich. Aber wie im Vorjahr sorgte die Mannschaft von Jupp Gauchel im Rückspiel am Karfreitag des Jahres 1944 für eine Riesenüberraschung. Mit 6:0 gewann Neuendorf gegen den Gast und 3.000 Zuschauer schauten immer wieder ungläubig auf die Aktionen des Koblenzer Sturmführers Jupp Gauchel. Der unbeweglich wirkende Angreifer war es der die Gäste im Alleingang abschoss und alle Treffer markierte.  Während  der 1.FC Kaiserslautern im Südwesten seinen Abstieg betrauerte, reiste die TuS zum ersten Spiel um die Deutsche Meisterschaft in die Glückauf Kampfbahn nach Gelsenkirchen. Allerdings blieben die Neuendorfer beim Altmeister chancenlos. Tibulski stellte Gauchel, und somit auch gleich auch die komplette Offensivabteilung der TuS kalt. Auf der anderen Seite glänzte Fritz Szepan mit drei Toren und am Schluss siegten die Gastgeber deutlich mit 5:0. Mit dieser Niederlage waren die Spiele um den Meistertitel bereits beendet.

Sport gab den Menschen Mut

Nur sechs Tage später hatte auch Koblenz seine heile Welt verloren. Am 22. April 1944 wurde auch Koblenz unter Beschuss genommen. Allein 4.000 Menschen verloren beim ersten großen Fliegerangriff ihre Wohnungen und Häuser. Rund zwölf Monate später war dann der unglückselige Krieg endlich beendet. Deutschland lag am Boden. Diese Umschreibung konnte nur annähernd das andeuten, was die Menschen in dem zerstörten Land erleiden mussten. Koblenz war besonders hart getroffen. Und doch fanden sich nach und nach wieder die Freunde des Fußballsports zusammen. Und gerade der Sport schien den Menschen in den ersten Monaten besonderen Mut zu geben. Zu diesem Zeitpunkt tingelte das Neuendorfer Team, teilweise mit zwei Mannschaften am Wochenende, über die Dörfer im Hunsrück und im Westerwald und zelebrierte dort ihre Fußballkunst. Die Honorare waren der eigentliche Höhepunkt. Mal gab es sechs Sack Kartoffeln und eine Woche später Gemüse zur Jahreszeit oder auch eine Speckseite. „Der Fußball brachte uns Dinge, die wir sonst nicht bekommen hätten“, so nochmals Jakob Oden. „In Diez erhielten wir Baukalk und in Höhr-Grenzhausen Keramik-Platten“.

Erstes Aufeinandertreffen

Das Highlight des Spieljahres fand jedoch am 29. Juni 1946 statt. Da kam der ruhmreiche FC Schalke 04 erstmals am Oberwerth zu Besuch. Die Knappen konnten ihren guten Ruf über die Kriegsjahre retten und hatten - zumal sie mit den Nationalspielern Ernst Kuzurra und Fritz Szephan die Idole einer ganzen Fußballgeneration beherbergten -  auch ihren Preis. Noch vor Spielbeginn wurde das Honorar - drei Kisten bester Moselwein - verstaut. Manche Zeitzeugen sprechen von 40.000 Zuschauern, die an diesem Nachmittag das Oberwerth in einen Hexenkessel verwandelten und ihre TuS zu einem 3:2 Erfolg über die renommierten Westfalen trieben.

Es sollte danach 35 Jahre dauern bis sich die Wege der TuS und Schalke 04 in Seniorenbereich erneut kreuzten. Den Schängeln ging es in dieser Saison gar nicht gut. Sportlich und finanziell bewegte sich das Blau-Schwarze Schiff auf dem Zahnfleisch. In der Oberliga Südwest lag die Mannschaft von Walter Mürtz am Tabellenende und musste dem Abstieg in die Rheinlandliga ins Auge sehen.

Schalke erging es ähnlich, denn die Knappen hatten in der Bundesliga ebenfalls die Rote Laterne im Vereinslokal an der Glück-Auf Kampfbahn auf dem Tresen stehen. Trotzdem freute man sich am Oberwerth auf den Besuch der Blau-Weißen, die mit Norbert Nigbur,  Klaus Fischer und dem österreichischen Nationalspieler Kurt Jara einige bekannte Akteure in ihren Reihen beherbergten. Und die schauten nicht schlecht als die TuS bereits nach zehn Minuten durch einen Treffer von Manfred Mäurer sogar in Führung ging. Am Schluss siegten die Knappen dann aber doch mit 5:2. Den zweiten Treffer der TuS markierte Burkhard Hoffend, der acht Minuten vor dem Ende einen Foulelfmeter sicher verwandelte.

Pflichtspiele zwischen FC Schalke 04 und TuS Koblenz

Aber es gab auch Pflichtspiele zwischen dem FC Schalke 04 und der TuS Koblenz. So traf die TuS in der Regionalliga West 2011/12 zweimal auf das U23 Team der Blau-Weißen (0:1, 0:2). Zwar gab es am 10. Mai 1983 auch einmal ein Freundschaftsspiel zwischen den Knappen und dem VfB Stuttgart (3:3), welches am Oberwerth ausgetragen wurde, aber hier blieb das Publikumsinteresse (3.000 Zuschauer) hinter den Erwartungen zurück. Dann war schon eher das Viertelfinale der A-Jugend Publikumsmagnet, welches  drei Jahre zuvor nochmals das Stadion am Oberwerth gefüllt hatte. Die „Schängel“ hatten immerhin nach der deutlichen Meisterschaft im Rheinland auch den Titel im Südwesten verteidigt und sich hier im Finale am Betzenberg erneut gegen den Nachwuchs des 1.FC Kaiserslautern (6:5 n. Elfmeterschießen) durchgesetzt. Und auch in den ersten Endrundenspielen gegen Eintracht Segeberg (Schleswig-Holstein) überzeugte das Team von Walter Mürtz und setzte sich mit einem Gesamtergebnis von 10:1 sicher durch. Allerdings waren die Knappen am Ende, Schalke hatte sieben Jugendnationalspieler in seinen Reihen, doch eine Hausnummer zu groß für die TuS und setzte sich souverän durch.

Bis an den Spielfeldrand drängten die Zuschauer am Oberwerth, als die Schalke 1946 zum Freundschaftsspiel am Deutschen Eck antraten.Foto: TuS Koblenz - Archiv

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