Allgemeine Berichte | 04.09.2026, 10:33 Uhr

Schwangerschaftsberatung Koblenz

Schwangerschaftsberatung Koblenz klärt über weibliche Genitalbeschneidung und Beratungsangebote auf

Jessica Yildiz (links) und Helma Göbel vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Koblenz stehen Frauen, Paaren und Familien in schwierigen Situationen zur Seite.
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Koblenz. Sensibilisieren, aufklären und informieren: Aktionstag klärt in Koblenz über Menschenrechtsverletzungen auf.

Seit 50 Jahren begleitet die Schwangerschaftsberatung des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Koblenz Frauen, Paare und Familien in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen.

Dieses Jubiläum nutzt der Verband, um ein Thema in den Mittelpunkt zu stellen, das in Deutschland wenig Aufmerksamkeit findet: weibliche Genitalbeschneidung, international als FGM/C bezeichnet.

Nach der Eröffnung einer Ausstellung am Freitag, 11. September, um 11 Uhr in der Koblenzer Citykirche (Jesuitenplatz) folgen ab 15 Uhr ein Impulsreferat und ein Podiumsgespräch mit Expertinnen in der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung (Dreikönigshaus, Kornpfortstraße 15). Die Ausstellung „breaking blades“ der Künstlerin und Fotografin Antje Pohsegger wird dann vom 11. September bis 23. September in der Citykirche zu sehen sein.

„Ich habe vor drei Jahren in diesem Bereich eine Fortbildung absolviert, seitdem lässt mich diese schwere Menschenrechtsverletzung nicht mehr los“, erklärt Helma Göbel, die seit 1987 in der Schwangerschaftsberatung des SkF arbeitet. „Wir wollen die Gesellschaft für dieses Thema sensibilisieren und aufklären sowie über Hintergründe informieren und somit Frauenrechte stärken.“ Auch in der Beratungsstelle in Koblenz werden die drei Mitarbeiterinnen immer wieder mit dem Thema Genitalverstümmelung konfrontiert. „10 Prozent der Frauen, die zu uns kommen, stammen aus afrikanischen Ländern, wo Genitalbeschneidung weit verbreitet ist, doch es gibt dieses Ritual weltweit“, weiß Göbel. Dabei sei vielen nicht bewusst, dass weibliche Genitalverstümmelung, auch wenn sie im Ausland durchgeführt wurde, in Deutschland geahndet wird. Nicht nur der Eingriff an sich ist strafbar, sondern auch deren Veranlassung, Unterstützung und Mitwirkung. Es drohen bis zu 15 Jahre im Gefängnis. Personen können außerdem ihren Aufenthaltstitel verlieren und ihnen kann die Einreise nach Deutschland verweigert werden.

Kompetente kostenlose Beratung

Die Mitarbeiterinnen in der Schwangerschaftsberatung begleiten Frauen, Paare und Familien mit Kindern bis zum dritten Geburtstag, die sich Unterstützung und Informationen rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt, finanzielle Leistungen wünschen. „Dabei beraten wir kostenlos, unabhängig von Nationalität, Einkommen und Konfession“, betont Göbel. Fast 300 Menschen nehmen das Angebot der Schwangerschaftsberatung jährlich an. Die Gespräche sind anonym möglich; bereits seit mehr als 20 Jahren bietet der SkF auch schon eine digitale Beratung an. Ob analog oder online, die Fachkräfte unterliegen der Schweigepflicht und beraten ergebnissoffen. „Wir können Hinweise geben, sowie Möglichkeiten von Unterstützung und staatlichen Leistungen benennen, aber die Entscheidung, diese anzunehmen, liegt bei den Ratsuchenden“, berichtet die Diplom Sozialarbeiterin.

Seit mehr als vier Jahrzehnten arbeitet Göbel beim SkF. „Im Laufe dieser Zeit gab es immer wieder neue Fragestellungen, Konstellationen und Veränderungen in Gesellschaft und Politik. Es gibt immer wieder neue Gesetze, die man im Blick haben muss.“ So sind die Themen Pränataldiagnostik, die Möglichkeiten einer vertraulichen Geburt, wie auch die Abgabe eines Säuglings durch ein Babyfenster hinzugekommen. „In all diese Entwicklungen waren und sind wir als Verband involviert“, erklärt die diplomierte Sozialarbeiterin. Zudem gibt es eine Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Institutionen wie weiterführenden Schulen, Ausbildungsstätten für Hebammen oder Arztpraxen. Hinzu kommen begleitende Gruppen- und Kursangebote wie ein Müttercafé mit kostenlosem Frühstück und fachlicher Begleitung durch eine Hebamme und das Programm „Junge Mütter mit Plan“ (JUMP), um Frauen, Paare und Familien kompetent und nachhaltig zu begleiten.

Weitere Informationen zu den Angeboten des SkF-Koblenz gibt es telefonisch unter: 0261-304240 oder auch auf www.skf-koblenz.org.

Der SkF-Koblenz ist ein Frauenfachverband, der sich um die Belange und Anliegen von Frauen, Kindern und Familien kümmert – unabhängig von Religions- oder Glaubensansichten. Neben einem Frauenhaus und einer Beratung für gewaltbetroffene Frauen bietet der gemeinnützige Verein Hilfe in den Bereichen Schwangerschaftsberatung und Frühe Hilfen, Kinder- und Jugendhilfe, Familienhilfe, Adoption- und Pflegkinderdienst, Alleinerziehenden-Beratung, Trennungs- sowie Scheidungsberatung und gesetzliche Betreuungen an. (jf)

Jessica Yildiz (links) und Helma Göbel vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Koblenz stehen Frauen, Paaren und Familien in schwierigen Situationen zur Seite. Foto: Julia Fröder / Bistum Trier

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