Redaktionsgespräch im BLICK: Sabine Anspach, Leo Biewer und Ulrike Piel-Schilling waren zu Gast bei Chefredakteurin Susanne Tack in Sinzig
Verabschiedung von Leo Biewer als Präsident des DRK-Kreisverbands Koblenz: „Wunderschöne Jahre“
Was für ein sympathisches Trio saß da vor Susanne Tack! Die Geschäftsführerin und Chefredakteurin des Krupp-Verlags hatte Leo Biewer, nahezu 25 Jahre Präsident des DRK-Kreisverbands Koblenz, seine Nachfolgerin Sabine Anspach und Ulrike Piel-Schilling, Leiterin Kommunikation des DRK-Kreisverbands, zum Redaktionsgespräch eingeladen. Die drei Gäste überzeugten im Gespräch und es wurde deutlich, dass sie selbst „das Herz an der richtigen Stelle“ haben. Denn das beschreibt Leo Biewer als die wichtigste Voraussetzung für ein Engagement im Ehrenamt. Zudem betont er, dass das Ehrenamt die starke Wurzel des Roten Kreuzes war, ist und bleibt.
Sinzig/Koblenz. Niemand wird die These bestreiten, dass mit dem Ende der DRK-Kreisverband-Koblenz-Präsidentschaft von Leo Biewer eine Ära zu Ende geht. Susanne Tack bittet Ex-Präsident und Neu-Präsidentin, sich den Leserinnen und Lesern kurz vorzustellen.
Leo Biewer ist Koblenzer, berichtet er, beruflich Abteilungsdirektor bei der Debeka. Dem DRK ist er seit 1975 verbunden. Und dies waren „wunderschöne Jahre“, in denen im Mittelpunkt stand, Menschen in der Region zu helfen.
Die Koblenzerin Sabine Anspach ist Geschäftsführerin Unternehmensentwicklung bei den Barmherzigen Brüdern Trier gGmbH, also beruflich im Gesundheits- und Sozialwesen verwurzelt. Neben dem neuen Ehrenamt ist sie zudem Delegierte im Deutschen Caritasverband.
Zunächst musste Biewer den Kreisverband finanziell in ruhiges Fahrwasser bringen
„Herr Biewer, nennen Sie uns doch ein paar Meilensteine aus Ihrer Zeit als DRK-Präsident“, fährt Susanne Tack fort. Als er die Präsidentschaft übernahm, erinnert sich Leo Biewer, war der Kreisverband betriebswirtschaftlich in keiner guten Situation. Das musste geändert werden, um die Aufgaben weiter erfüllen zu können. Heute kann er vermelden, dass der Kreisverband „in ruhigem Fahrwasser“ ist. Es konnten Arbeitsplätze gehalten und sogar zahlreiche neue geschaffen werden.
„Hatten Sie Lieblingsprojekte?“ Leo Biewer muss nicht lange überlegen und nennt die Gründung der Rotkreuz-Stiftung Koblenz (2014) und die „Superhelfer“ - über 14.000 Kindern seien bereits als Superhelfer ausgebildet worden. Im Rahmen dessen gab es ein besonderes Erlebnis: Ein Kind rief den Rettungsdienst als die Mutter einen Schlaganfall erlitt. So konnte der Mutter rechtzeitig geholfen werden. „Das war ein richtiger Gänsehaut-Moment“, wirft Ulrike Piel-Schilling ein. „Der Junge ist über sich hinausgewachsen.
Solche Erlebnisse machen doch sicher Mut, überlegt Susanne Tack, im Hinblick auf die Entscheidung, die „Superhelfer“ ins Leben zu rufen und weiter daran zu arbeiten. Ja, die Entscheidung war richtig, sagt Leo Biewer.
Jährlich 23.000 Rettungsdiensteinsätze in Koblenz
Aber Herausforderungen gab es während seiner Präsidentschaft doch sicher auch? Für das Hineinmanövrieren in betriebswirtschaftlich ruhiges Fahrwasser waren Entscheidungen nötig, „die nicht direkt für jeden nachvollziehbar waren“. Aber: Heute kann Leo Biewer mit berechtigtem Stolz vermelden, dass dies nur mit Hilfe der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitenden gelungen sei. Mit rund 70 Mitarbeitenden im DRK-Kreisverband Koblenz war er als Präsident gestartet - heute sind es rund 700 inklusive der Mitarbeiter Rettungsdienst.
Und man verfügt. Und man verfügt über „modernste Rettungsmittel“, auch mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz. Damit werden alleine im Koblenzer Stadtgebiet 23.000 Rettungsdiensteinsätze pro Jahr gefahren und dabei rund 500.000 Kilometer zurückgelegt.
„Die fragen wir mal“
Susanne Tack: „Wie fanden Sie Ihre Nachfolgerin?“ Diese, so Leo Biewer, habe er, der „gerne im Team“ arbeitet, nach Gesprächen mit Vertrauten beim DRK gefunden - „alleine entscheiden ist nicht gut“, ist er überzeugt. Als feststand, Sabine Anspach wäre die ideale Nachfolgerin, stand zugleich fest: „Die fragen wir einfach mal.“
Und was hatte Susanne Anspach dann bewogen, „ja“ zu sagen? Sie kennt das DRK von Kind auf, findet die Arbeit „beeindruckend“ und hat auch persönliche Erfahrungen sammeln können. Das „Bewusstsein, was das DRK bewirkt“, war also da. Dass man sie fragte und sie es schließlich auch wurde, bezeichnet sie als „große Ehre“.
Nachwuchsgewinnung: „Dabei müssen alle mitdenken“
„Sie treten in große Fußstapfen Ihres Vorgängers“, weiß Susanne Tack. „Und im Grunde haben Sie ja jetzt einen 25-Jahres-Vertrag“, scherzt sie. Hat die neue Präsidentin denn auch schon strategische Ziele abgesteckt? „Das System und das Umfeld verändert sich massiv und stetig“, antwortet Susanne Anspach. Ein Beispiel: die sogenannten „Babyboomer“ gehen nach und nach in Rente. Das bedeutet auch für das DRK eine „große Herausforderung“ und stellt die „Frage, wie wir sie bewältigen können“. Die Veränderungen treten in zeitversetzten Schüben auf, aber man weiß, dass Nachwuchs fehlen wird. Also müsse man innovativ sein und neue Möglichkeiten finden. „Dabei müssen alle mitdenken.“
Ob denn auch die „Superhelfer“ eine Möglichkeit sein können, DRK-Nachwuchs zu finden, fragt Susanne Tack. Das ist eine riesige Chance, findet die Präsidentin - und macht zudem „einfach Spaß“. Bis jetzt, ergänzt Leo Biewer, freue man sich in Koblenz noch über großen Zulauf „gegen den Landestrend“. Er weiß aber auch, dass man die Attraktivität für junge Menschen aufrecht halten müsse.
DRK ist viel mehr als Rettungsdienst
Damit die Menschen auch erfahren, was alles vorgehalten wird, ist Medienarbeit sehr wichtig, die Information vor Ort bei Veranstaltungen, berichtet Ulrike Piel-Schilling. Denn der DRK-Kreisverband Koblenz ist bei weitem nicht nur bei Rettungseinsätzen für die Menschen aktiv, sondern auch in der Arbeit für Senioren, bei der Kinderkrankenhilfe, für junge Familien, mit einer traumatherapeutischen Wohneinheit, mit der „Gemeindeschwester Plus“, um nur ein paar der Aktivitäten für die Menschen aufzuzählen. Man wolle „die ganze Vielfalt zeigen“, denn das sei den Menschen oft nicht bewusst, so die Leiterin Kommunikation des DRK-Kreisverbands. Alleine durch die vielfältigen Aktivitäten für Senioren zeige sich, dass das DRK zunehmend den Raum fülle, der durch gesellschaftliche Veränderungen weggefallen sei, erinnert Sabine Anspach. „Menschen brauchen die Gemeinschaft.“
Die neue Präsidentin des Kreisverbands sieht das auch als Ansporn, zu verstehen, wo Belange entstehen und wo das DRK neue Angebote schaffen kann. Dafür ist es wichtig, das Ehrenamt zu stärken, denn es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die gemeinsam angegangen werden muss.
Vielen Dank für das Gespräch
Weitere Informationen zum DRK-Kreisverband finden Sie unter: https://www.drk-koblenz.de
