Theater „Fantasie“
Beim „Ladysitter“ blieb kein Auge trocken
Die turbulente Komödie ließ die Bühne des Bürgerhauses zum Irrenhaus werden
Dattenberg. Was ein Babysitter ist, wissen selbst eingefleischte Singles, ja sogar Hundesitter dürften sich nicht nur in den USA steigender Nachfrage erfreuen. Was aber um Himmels willen ist ein „Ladysitter“ werden sich die Dattenberger gefragt haben, als sie erfuhren, dass ihr Theater Fantasie am Wochenende unter der Regie von Bärbel Stich die gleichnamige Komödie von Bernd Spehling aufführen wollte. In der lernte sie zunächst Maximilian Bogner (Michael Huckels) kennen, der sich von Hair-Stylistin Linda (Bianca Willscheid) seinen Junggesellenabschied frisieren lässt, steht die Hochzeit mit Maja (Annette Kröll) doch unmittelbar bevor. Noch früher aber steht die Entlassung von Großvater Archie (Willi Simon) ins Haus. Genauer in der Wohnung von Maximilian will der „pensionierte“ Bankräuber nach 13 Jahren Haft seinen ersten Tag in Freiheit verleben. Und dafür besorgt ihm der liebe Enkel auch gleich eine wohltuende Kopfmassage via Hausbesuch von Linda. „Die darf auf keinen Fall auch nur einen Schluck Alkohol trinken“, warnt er Archie, hatte die Friseuse doch nach einem Gläschen Wein ihren Verlobten vor Jahren auf dem Marktplatz zu versteigern versucht, bevor sie erst wieder in der Ausnüchterungszelle aufgewacht war. Aber das ist Archie egal, sehnt er sich doch eh nur nach einem wohltuenden Bad und genüsslichen Stunden im Schaukelstuhl, wenn da nicht ausgerechnet gegenüber eine Bankfiliale geradezu zum Besuch einladen würde. So registriert er die Anweisungen von Maximilian nur mit einem Ohr, wie etwa die „Wir-fassen-uns-nicht-an-Freundin“ Betty (Petra Göhring), die grundsätzlich über den Balkon in die Wohnung kommt, um Gerede im Treppenhaus zu vermeiden, zu behandeln ist. Vor allem aber die Warnung vor der „Seniorenbarbie“ des Hauses, der männermordenden Charlotte von Castelholz (Marianne Höver), die stets auf amouröse Abenteuer aus ist, schlägt er in den Wind und die turbulente Komödie nimmt ihren Lauf. Just fürs Bad in den Bademantel geschlüpft, empfängt Archie die liebestolle Schampus-Charlotte und hält sie für die angekündigte Friseuse. Entsprechend schwärmt er von der Arbeit ihrer „begnadeten Hände“, die selbst in die höchsten Gesellschaftsschichten begehrt sei. Kein Wunder, das bei einer solchen Schwärmerei begleitet von schäumendem Schampus die Bereitschaft bei Charlotte ins Unermessliche steigt, Archie im Bad in die Beinschere zu nehmen und ihn so die Wendeltreppe der Ekstase ersteigen zu lassen. Währenddessen kommt Linda an und trinkt mit Betty Sekt - natürlich nicht den alkoholfreien, den Maximilian immer für sie bereithält. Damit ist das Tohuwabohu perfekt. An dem kann auch Hausmeister Winfried (Theater-Newcomer Uwe Bölts) nichts mehr ändern, der wegen seines Messe-Aushilfsjobs mal als Weihnachtsmann, mal als Gartenzwerg seine Verwandlungskünste unter Beweis stellt. Eine frivole, hemmungslose „Lady’s Night“, zu der Linda vom Balkon aus noch schnell 30 Rocker einlädt, nimmt ihren Lauf, bevor Betty bei dem Versuch über diesen Weg ihre Wohnung zu erreichen abstürzt, bevor die alarmierte Feuerwehr noch das Sprungtuch komplett spannen kann. „Was für ein Irrenhaus“, kann Archie da nur noch stöhnen. In das kommt Maximilian am frühen Morgen nahezu zeitgleich mit Maja und Blanche (Waltraud Pohlen), der Ehefrau von Archie. Der ist nach einer Nacht in der Badewanne für Winfried in ein Rotkäppchen-Kostüm geschlüpft, damit der Hausmeister endlich die Armatur der Badewanne repartieren kann. Dazu kommt er allerdings nicht mehr, da seine Werkzeug-Schilderung vom „Venezianischen Bogen“ mit dem er sanft über „Schenkel“ streichen kann, bei der mannstollen Charlotte sofort wieder die Begierde weckt, zumal sie bei Archie lediglich auf das „Temperament einer Wanderdüne“ gestoßen war. Der wiederum zeigt großes Interesse für die Bankfiliale, das selbst nicht nachlässt, als die Polizei ihn als Rotkäppchen gefangen nimmt. Schließlich hat er, schon den nächsten Coup planend, Hausmeister Winfried einen Job als Geldtransport-Fahrer versprochen. „Was war hier eigentlich los“, fragt sich Blanche verzweifelt. „Gut eineinhalb Stunden Ulk und Jeckerei pur“, hätten ihr die restlos begeisterten Zuschauer antworten können, wenn ihnen das Zwerchfell vom vielen Lachen nicht zu weh getan hätte, das vor allem von unfreiwilligen Hängern, Drehern und Versprechern über Gebühr strapaziert worden war, wofür sich die Besucher der turbulenten Komödie mit lang anhaltendem Applaus bei den Hobby-Schauspielern bedankten.
Kurz vor seinem Junggesellenabschied gerät Maximilian noch einem in die Gewalt der männermordenden Charlotte.
