Der Wallfahrtsort Bruchhausen lud zur traditionellen Marienprozession ein
Den Segen der Gottesmutter erbeten
Hunderte von Pilgern folgten mit Kerzen der spätgotischen Madonnenstatue „Maria, Zuflucht der Sünder“
Bruchhausen. Nur die wenigsten Teilnehmer an der Lichterprozession anlässlich des Hochfestes der „Aufnahme Mariens in den Himmel“, zu der der kleine Wallfahrtsort Bruchhausen am Samstagabend wieder eingeladen hatte, hatten in der Wallfahrtskirche St. Johann Baptist Platz. Der größte Teil der Pilger verfolgte die von Prälat Josef Sauerborn zelebrierte Festmesse, die per Lautsprecher ins Freie übertragen wurde, auf dem Vorplatz, von den Bänken am Brunnenplatz aus sowie auf den Treppen des nahen Friedhofs. Während die Junggesellen gegen Ende der Messe Tausende von Lichtern anzündeten, die den Prozessionsweg säumten, verteilten Angehörige des Pfarrgemeinderats Kerzen an die Teilnehmer der Prozession.
Ein alter Brauch lebte nach dem Krieg wieder auf
Der belgische Pfarrverweser Henry Deryckere hatte diese in dem Rheinhöhenort wieder aufleben lassen, nachdem die Prozession während des nationalsozialistischen Regimes abgeschafft worden und nach dem Ende des Kriegs zunächst in Vergessenheit geraten war. Sein Nachfolger, Pfarrer Elmar Wiegelmann, hatte die Tradition um die spätmittelalterliche Wallfahrtsmadonna engagiert am Leben erhalten. Seit über 1000 Jahren wird die Gottesmutter im Bild Mariens in Bruchhausen verehrt, nachdem der Legende zufolge ein erstes Marienbild unter einem Strauch an einer Quelle gefunden worden war, an dessen Stelle die Kirche gebaut worden sein soll. Jahrhundertelang diente die in Sandstein geschlagene „Maria, Consolatrix afflictorum“, Trösterin der Betrübten, als Wallfahrtsmadonna, bis der Kölner Erzbischof Clemens August Ende 1745 bestimmte, dass sie von der um 1330 geschaffenen Eichenholz-Statue der Muttergottes mit dem Christuskind „Maria, Zuflucht der Sünder“ abgelöst werden sollte.
Vier Jungmädchen tugen die Madonnenstatue
Zwei junge Bruchhausenerinnen hatten am 21. September 1745 gesehen, dass der „Maria, Refugium peccatorum“, aus „beyden augen eine cristallhelle, klare feuchtigkeit, gleich menschlichen zähren trang und über beide wangen floß.“ Entsprechend ist es auch Brauch, dass vier Mitglieder des Jungmädchenvereins, eskortiert von Fahnenschützen der Junggesellen, die von einem farbenprächtigen Triumphbogen aus Rosen umgebene Marienstatue durch den Ort tragen. Dieses Jahr übernahmen Maria Arnolds, Annabelle Jagau, Samantha Krupp und Sabrina Sperling diese Aufgabe, nachdem die Marienstatue schon vor Beginn der Messe aus ihrem kostbaren Schrein geholt worden war, den der Kölner Erzbischof 1746 zusammen mit dem von feiner Brüsseler Spitze durchwirkten Brokatkleid aus Lyoner Manufakturen gestiftet hatte. „Sei gegrüßt viel Tausende Male, o Maria Jungfrau rein! Hilf in diesem Erdental: Du erhörest groß und klein!“, sangen die Wallfahrer zu den Klängen des Bruchhausener Blasorchesters, als sie sich auf den Prozessionsweg machten, bei dem sie zwar von Regen verschont blieben, während jedoch der aufkommende Wind immer wieder ihre Kerzen zu erlöschen brachte. Am Altar am Dorfgemeinschaftshaus machten die Wallfahrer Station, wo Prälat Josef Sauerbruch die Festpredigt hielt. Nach den anschließenden Grüßauer Marienrufen zog die Lichterprozession singend und betend weiter durch den Ort zurück zur Wallfahrtskirche, wo der Prälat den Schlusssegen erteilte und die große Marien-Gemeinde zum Abschluss das Kirchenlied „Großer Gott, wir loben dich“ intonierte.
