Allgemeine Berichte | 26.08.2015

Schauspiel „Die Brücke“ erlebt derzeit in Erpel die bereits achte Spielzeit

Die letzten Kriegsstunden am Originalschauplatz nachgestellt

Noch bis 6. September präsentiert die Landesbühne Rheinland-Pfalz das Stück im Eisenbahntunnel

Groß war die Angst der Erpeler im nass-kalten Tunnel am 7. März 1945 . DL

Erpel. Gegen Gänsehaut ankämpfen mussten die Besucher des Eisenbahntunnels unter der Erpeler Ley nicht nur wegen des enormen Unterschieds zur Außentemperatur von weit über zehn Grad. Frösteln ließ sie auch das Geschehen auf der Bühne, wo die Landesbühne Rheinland-Pfalz mit dem Schauspiel „Die Brücke“ nach dem Roman „Die Brücke von Remagen“ von Rolf Palm erneut Geschichte am Originalschauplatz präsentiert. Festen Schritts durchschreitet dabei zunächst Hanno Dinger als deutschstämmiger Leutnant Karl Heinz Timmermann den ehemaligen Eisenbahntunnel, um den Zuschauern der inzwischen achten Spielzeit anhand einer großen Karte die Lage zu beschreiben, die sich der Vorhut der 9. US Panzerdivision am 7. März 1945 um 11 Uhr dargestellte, nachdem sie sich von Meckenheim bis zum Waldschlösschen am Apollinarisberg oberhalb von Remagen vorgearbeitet hatte. Ihr Auftrag: Sicherung der zur Ludendorffbrücke nachrückenden Division.

Dramatisierter Dokumentarbericht

In Szene gesetzt hatte das anschließende Geschehen Walter Ullrich, der Intendant der Landesbühne, erstmals 2006 auf Anregung des Kultur- und Kunstkreises „ad erpelle“, indem er den romanhaften Dokumentarbericht von Rolf Palm entsprechend dramatisierte, wobei er sich nicht nur mittels Original-Requisiten um einen hohen Grad an Authentizität bemühte. „Bei aller Realitätsbezogenheit: Bei den Aufführungen geht es nicht um eine Dokumentation der militärischen Aktionen. Das Schauspiel ist im Sinne historischer Dramen natürlich Fiktion“, erklärt Edgar Neustein, der Vorsitzende von „ad erpelle“. Im Vordergrund stünden vielmehr die Menschen, die vor 70 Jahren im Tunnel Schutz gesucht hatten, mit ihren Gefühlen und Hoffnungen. Entsprechend hatte sich der Intendant im Vorfeld der Dramatisierung auch mit noch lebenden Zeitzeugen zusammengesetzt, um ihre Erinnerungen einarbeiten zu können.

Eine Einnahme oder gar eine Rheinüberquerung war in den Befehlen von General Omar Bradley, dem Oberbefehlshaber der 12. US-Heeresgruppe, nicht vorgesehen.

Karl Heinz Timmermann hatte vorgeschlagen, von Remagen aus den Angriff auf den Erpeler Brückenkopf zu beginnen, während die deutsche Besatzung auf Erpeler Seite versuchte, die Brücke zu sprengen. Aber die Stahlkonstruktion der Ludendorffbrücke hielt stand. Die auf der anderen Rheinseite stehenden Amerikaner nutzten sie zur Überquerung des Flusses. Jeder Widerstand war zwecklos, wie Brückenkommandant Karl Friesenhahn und Hauptmann Wilhelm Bratge glücklicherweise für die im nass-kalten Tunnel ausharrenden Erpeler entschieden, als die alliierten Soldaten den Angriff auf den Brückenkopf begannen.

Region entging nur knapp der ganz großen Katastrophe

„Nicht nur für die Amerikaner war die Brücke Gold wert, wie General Eisenhower gesagt haben soll. Sie rettete vor allem vielen Deutschen das Leben, nicht nur weil durch die unvorhersehbare Rheinüberquerung der Krieg drei Monate früher beendet werden konnte“, so Edgar Neustein. Ein 50 Kilometer langer Streifen sollte rechtsrheinisch unter Einsatz von 8000 Kampfflugzeugen und 4000 Kanonen sturmfrei gebombt werden. Allein auf den nur acht Kilometer breiten Angriffsstreifen wären 65.000 Granaten vor der Rheinüberquerung innerhalb einer Stunde abgeschossen worden, schilderte Leutnant Timmermann die ursprünglichen Pläne der Alliierten. Kein Stein wäre auf dem anderen geblieben zwischen Koblenz und Beuel.

Werbung für den Erhalt des Friedens

Kein Wunder also, dass etliche Zuschauer nicht nur wegen der feucht-kalten Temperaturen in dem Tunnel nach den Aufführungen leicht fröstelnd in die Augustsonne traten. Nach 70 Jahren Frieden wurde ihnen durch das Schauspiel die ganze Tragweite der damaligen Situation deutlich vor Augen geführt. „Wir wollen, dass es keinen Dritten Weltkrieg mehr gibt: Das ist die Botschaft dieses Stückes“, beschrieb Neustein die Intentionen seines Vereins. „Wir führen dieses Schauspiel, das viel realistischer und beeindruckender, eben weil authentischer, ist als der reißerische Hollywood-Film, hier immer wieder auf, weil man ja wohl nirgends besser für den Erhalt des Friedens werben kann als am Originalschauplatz“, so der Vorsitzenden von „ad erpelle“.

Noch bis Sonntag, 6. September, beginnen Aufführungen von „Die Brücke“ im „Theater im Tunnel“ hinter den Zwillingstürmen an der B 42 mittwochs, donnerstags, freitags und samstags um 19.30 Uhr sowie sonntags um 15.30 Uhr. Karten gibt es im Lotto-Shop Siebertz in Erpel, Kölner Straße 12, Tel. (0 26 44) 80 98 85 oder online unter www.ad.erpelle.de.

Groß war die Angst der Erpeler im nass-kalten Tunnel am 7. März 1945 . Foto: DL

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Bertram: Das ist mittlerweile der 4. Bus der von dieser Marke vollkommen ausbrennt. Des Weiteren berichte die Rhein Zeitung darüber, dass der VREM 37. Busse der ersten Generation vorsichtshalber außer betrieb...
  • Fabian F: Nichts Neues gefühlt ein Bus pro Woche
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
Dauerauftrag Imageanzeige
Wir helfen im Trauerfall
Wohnträume
Blütenfest
Blütenfest in Meckenheim
Stellenausschreibung Hausmeister/in
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
Titelanzeige
Rückseite
Empfohlene Artikel
Jahreshauptversammlung der Linzer Ladys - das WeinSchwein darf nicht fehlen!
74

Linz am Rhein. Am Samstag, den 11.04.2024, hielten die Linzer Ladys ihre Jahreshauptversammlung in entspannter Atmosphäre in Linz am Rhein ab. Neben wichtigen und intensiven Themen, wie der Planung der „Ladys & friends-Party“, dem aktuellen Stand rund um das Ornat oder auch die Beteilung der Ladys am Närrischen Wochenende 2027, stand die Wahl des Vorstandes für die kommenden zwei Jahre an.

Weiterlesen

Schülerinnen und Schüler im Rathaus Linz
19

Linz. Vom 19.03. bis zum 26.03.2026 war es wieder so weit: 31 Schülerinnen und Schüler aus Pornic vom Collège Jean Mounès waren bei uns in Linz zu Gast. Die Robert-Koch-Schule und das Martinus-Gymnasium führen seit vielen Jahren den Austausch gemeinsam durch und so waren auch dieses Mal die französischen Schülerinnen und Schüler wieder bei ihren Austauschpartnern beider Schulen untergebracht. Es nahmen Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 6 bis 9 teil.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Mark Geimer Foto: privat
293

Parteiloser Bewerber setzte sich gegen Volker Risse (CDU) durch

Bürgermeisterwahl in Bad Hönningen: Mark Geimer (parteilos) macht das Rennen

Bad Hönningen. Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bad Hönningen haben gewählt: Mark Geimer ist neuer Stadtchef. Der parteilose Kandidat setzte sich mit 62,5 Prozent der Stimmen gegen seinen christdemokratischen Konkurrenten Volker Risse (37,5 Prozent) durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,6 Prozent. BA

Weiterlesen

Die Koblenzer Innenstadt bietet an drei Tagen ein abwechslungsreiches Programm. Foto: SCH
44

Koblenz. Der Koblenzer Frühling ist zurück! Am zweiten April-Wochenende hat die Stadt am Deutschen Eck ihre Besucher ganz im Zeichen der wärmeren Jahreszeit begrüßt. Der Winter ist Schnee von gestern und überall grünt und blüht es. Die Blumenbeete sind neu bepflanzt, Tulpen und Narzissen blühen auf großen Flächen und es duftet nach frisch gemähtem Rasen.

Weiterlesen

Imageanzeige
Titelanzeige
Mitarbeiter IT-Administrator
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606 // Wohnträume MYK
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Koblenzer Kneipengeschichten
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Staplerfahrer (m/w/d)
Wir helfen im Trauerfall
Anzeige KW 15
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Anzeige Lagerverkauf
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
Anzeige Beratertage Schlafexperte
Rückseite
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26