Schauspiel „Die Brücke“ erlebt derzeit in Erpel die bereits achte Spielzeit
Die letzten Kriegsstunden am Originalschauplatz nachgestellt
Noch bis 6. September präsentiert die Landesbühne Rheinland-Pfalz das Stück im Eisenbahntunnel
Erpel. Gegen Gänsehaut ankämpfen mussten die Besucher des Eisenbahntunnels unter der Erpeler Ley nicht nur wegen des enormen Unterschieds zur Außentemperatur von weit über zehn Grad. Frösteln ließ sie auch das Geschehen auf der Bühne, wo die Landesbühne Rheinland-Pfalz mit dem Schauspiel „Die Brücke“ nach dem Roman „Die Brücke von Remagen“ von Rolf Palm erneut Geschichte am Originalschauplatz präsentiert. Festen Schritts durchschreitet dabei zunächst Hanno Dinger als deutschstämmiger Leutnant Karl Heinz Timmermann den ehemaligen Eisenbahntunnel, um den Zuschauern der inzwischen achten Spielzeit anhand einer großen Karte die Lage zu beschreiben, die sich der Vorhut der 9. US Panzerdivision am 7. März 1945 um 11 Uhr dargestellte, nachdem sie sich von Meckenheim bis zum Waldschlösschen am Apollinarisberg oberhalb von Remagen vorgearbeitet hatte. Ihr Auftrag: Sicherung der zur Ludendorffbrücke nachrückenden Division.
Dramatisierter Dokumentarbericht
In Szene gesetzt hatte das anschließende Geschehen Walter Ullrich, der Intendant der Landesbühne, erstmals 2006 auf Anregung des Kultur- und Kunstkreises „ad erpelle“, indem er den romanhaften Dokumentarbericht von Rolf Palm entsprechend dramatisierte, wobei er sich nicht nur mittels Original-Requisiten um einen hohen Grad an Authentizität bemühte. „Bei aller Realitätsbezogenheit: Bei den Aufführungen geht es nicht um eine Dokumentation der militärischen Aktionen. Das Schauspiel ist im Sinne historischer Dramen natürlich Fiktion“, erklärt Edgar Neustein, der Vorsitzende von „ad erpelle“. Im Vordergrund stünden vielmehr die Menschen, die vor 70 Jahren im Tunnel Schutz gesucht hatten, mit ihren Gefühlen und Hoffnungen. Entsprechend hatte sich der Intendant im Vorfeld der Dramatisierung auch mit noch lebenden Zeitzeugen zusammengesetzt, um ihre Erinnerungen einarbeiten zu können.
Eine Einnahme oder gar eine Rheinüberquerung war in den Befehlen von General Omar Bradley, dem Oberbefehlshaber der 12. US-Heeresgruppe, nicht vorgesehen.
Karl Heinz Timmermann hatte vorgeschlagen, von Remagen aus den Angriff auf den Erpeler Brückenkopf zu beginnen, während die deutsche Besatzung auf Erpeler Seite versuchte, die Brücke zu sprengen. Aber die Stahlkonstruktion der Ludendorffbrücke hielt stand. Die auf der anderen Rheinseite stehenden Amerikaner nutzten sie zur Überquerung des Flusses. Jeder Widerstand war zwecklos, wie Brückenkommandant Karl Friesenhahn und Hauptmann Wilhelm Bratge glücklicherweise für die im nass-kalten Tunnel ausharrenden Erpeler entschieden, als die alliierten Soldaten den Angriff auf den Brückenkopf begannen.
Region entging nur knapp der ganz großen Katastrophe
„Nicht nur für die Amerikaner war die Brücke Gold wert, wie General Eisenhower gesagt haben soll. Sie rettete vor allem vielen Deutschen das Leben, nicht nur weil durch die unvorhersehbare Rheinüberquerung der Krieg drei Monate früher beendet werden konnte“, so Edgar Neustein. Ein 50 Kilometer langer Streifen sollte rechtsrheinisch unter Einsatz von 8000 Kampfflugzeugen und 4000 Kanonen sturmfrei gebombt werden. Allein auf den nur acht Kilometer breiten Angriffsstreifen wären 65.000 Granaten vor der Rheinüberquerung innerhalb einer Stunde abgeschossen worden, schilderte Leutnant Timmermann die ursprünglichen Pläne der Alliierten. Kein Stein wäre auf dem anderen geblieben zwischen Koblenz und Beuel.
Werbung für den Erhalt des Friedens
Kein Wunder also, dass etliche Zuschauer nicht nur wegen der feucht-kalten Temperaturen in dem Tunnel nach den Aufführungen leicht fröstelnd in die Augustsonne traten. Nach 70 Jahren Frieden wurde ihnen durch das Schauspiel die ganze Tragweite der damaligen Situation deutlich vor Augen geführt. „Wir wollen, dass es keinen Dritten Weltkrieg mehr gibt: Das ist die Botschaft dieses Stückes“, beschrieb Neustein die Intentionen seines Vereins. „Wir führen dieses Schauspiel, das viel realistischer und beeindruckender, eben weil authentischer, ist als der reißerische Hollywood-Film, hier immer wieder auf, weil man ja wohl nirgends besser für den Erhalt des Friedens werben kann als am Originalschauplatz“, so der Vorsitzenden von „ad erpelle“.
Noch bis Sonntag, 6. September, beginnen Aufführungen von „Die Brücke“ im „Theater im Tunnel“ hinter den Zwillingstürmen an der B 42 mittwochs, donnerstags, freitags und samstags um 19.30 Uhr sowie sonntags um 15.30 Uhr. Karten gibt es im Lotto-Shop Siebertz in Erpel, Kölner Straße 12, Tel. (0 26 44) 80 98 85 oder online unter www.ad.erpelle.de.
