„Sprühende Funken“ Bruchhausen
Eine närrische Schiffsreise
Jecke Wiever verwandelten das Dorfgemeinschaftshaus von Brooches in ein Tollhaus
Bruchhausen. Bereits fünf Tage vor Schwerdonnerstag hatten in dem kleinen Wallfahrtsort Bruchhausen Pantoffelhelden nichts zu lachen. Die „Sprühenden Funken“ um Obermöhn Bettina Acker hatten wie in den Vorjahren zur Weibersitzung in das Dorfgemeinschaftshaus eingeladen, um an Weiberfastnacht bei Gleichgesinnten ausgiebig feiern zu können. Entsprechend hatte sie als Matrosen ihr „Müllemer Böötche“ nach der Rückkehr von großer Weltreise im Heimathafen anlegen lassen, um den jecken Wievern im Saal zu versichern, dass sie eigentlich Kölsche Mädcher seien, auch wenn ihre Spitzenbützjer nicht zu sehen waren.
Über den großen Teich bis nach Brooches war ihnen sogar die Freiheitsstatue aus dem New Yorker Hafen gefolgt, während sich aus dem nahen Forst ein Schlumpf zwischen die Kätzchen und Clowns, die Teufelchen und Hexen gewagt hatte. Sie alle empfingen als Eisbrecher mit Som, dem Wirt vom Bruchhausener Hof, einen Newcomer aus Indien in der Bütt, der seine Erlebnisse in Deutschland schilderte. „Zuhause war ich von Beruf Sohn“, begründete er seine Schwierigkeiten während der Lehre in der Küche, in der er zudem anstatt in Büchern den „Schlood lesen“ sollte.
Nach weiteren Angriffen auf die Lachmuskeln im Stil einer Wieversitzung boten die „Sprühenden Fünkchen“ mit ihrer „Polka, Polka, Polka“ einen wahren Augenschmaus, bevor die Kindertanzgruppe versicherte: „Alles joot im Jetz un Hier“, so dass der Saal beim gemeinsamen „Halleluja“ in seinen Grundfesten erbebte. Geradezu in Gefahr geriet er nach dem ersten Vortrag der Möhnen und dem Tanz der „Lions“, konnte Bettina Acker doch mit den „Zwergen“ die Männertanzgruppe aus dem Neubaugebiet ansagen, deren Mitglieder in nur einem Jahr zu staatsen Kääls herangewachsen waren. „We will rock you“, versprachen die im Stil der Blues Brothers gekleideten Tänzer, um dann auch noch mit von Trainerin Sylvia Krupp einstudierten Hebefiguren die „Cheerleader“ auf die Bühne zu holen, durch die der Königswinterer Trompeter Leonrad Biwer Karriere gemacht hatte.
Nachdem zuvor bereits die Beueler Wäscheprinzessin Tessa den „Sprühenden Funken“ ihre Reverenz erwiesen hatte, kündigte die „Gulaschkapell“ mit gewohnt scharfer Kost weiteren hohen Besuch an. Ihr Koch Oliver Hirzmann, der in letzter Sekunde ein führerloses Jubiläumsjahr von der Großen Erpeler KG abgewendet hatte, hielt als Prinz Oli I. mit seinem Hofstaat Einzug. Begleitet wurde die Last-Minute-Tollität vom kompletten Elferrat sowie von den Stadtsoldaten um Kommandant Felix Weber und der Prinzengarde. Die ließ nicht nur „am Himmel de Stääne danze“, sondern versetzte auch die begeisterten Wiever im Saal in Bewegung, so dass sich der Sessionsspruch von Oli,. I. bewahrheitete: „Wir sind mit Herzblut bei der Sache und lassen es jetzt richtig krachen!“
Das gelang nach dem „Riverdance“ der Möhnen, die nicht tanzend, sondern sitzend mit Kölschstängelchen „steppten“, auch dem Tussnellchen. Die „Herrlichkeit Erpels“, nach der se am Fuße der Ley sogar „en feurich Dahlie benannt han“, berichtete von ihren Malle-Abenteuern und vom Baum-Kauf auf der „Plantasch“ an der B42. Trotz Hexenschuss un Rückenping war sogar et Oma Finchen us em Christinenstift den Berg hinaufgekommen, um in Brooches als „AMWM“, anonyme Mettwurstanhängerin, gegen Veganer et Birte, de „Möscheschänderin us Düsseldorf“, vom Leder zu ziehen. „Die sin wejen ihrer Frikadelcher us Jrönkohl un anerem Jemös zwar schlanker als mir, äwer mir han mieh Fläch für Tatoos“, so die Grand Dame des Fastelovend. Welche gefährliche Folgen Fleischloskost habe, könne man an Pavianen ablesen. „Die han als Vegetarier ne arsch rotwunde Fott“, warnte Oma Finchen die jecken Wiever vor Grünzeug-Experimenten bei der Ernährung.
Nicht nur als „Schlafwandler“ oder „Dancing Sisters“ rissen die „Sprühenden Funken“ ihre Gäste von den Stühlen. Als Matrosen überzeugten sie beim Möhnentanz auch „In the Navy“, bevor sie zur Klaus Doldinger-Musik „Das Boot“ enterten und, wenn auch nur kurz, abtauchten. Platz machten sie gerne für die Unkeler Ratsherren, bei denen alle jecken Wiever gehorsam parat standen, als et Trömmelche ging. Auf die Weltreise mit einem kölsche Jung nahmen die Möhnen die jecken Wiever dann nach dem Auftritt der „New Diamonds“ und der „Siegburger Musketiere“ selber mit, bevor die „Sahnehäubchen“ mit ihrem Raumschiff „völlig losgelöst“ von ihrer intergalaktischen Reise aus dem „Sternenhimmel“ in Brooches landeten. Hoch hinaus baute die Kasbacher Prinzengarde dann ein Schloss und auch für die Hebefiguren der Ohlenberger Tanzflöhe, mit denen das Programm der Möhnensitzung nach gut sieben Stunden endete, erwies sich die Decke des Bruchhausener Gürzenich als zu niedrig.
Mit Kölschstängelchen bewerkstelligten die Möhnen ihren Riverdance.
Nicht nur das „Zwergen“-Männerballett trieb die jecken Wiever auf die Stühle.Fotos: DL
