Linz und Unkel haben gewählt
Erwin Rüddel siegt auch hier
Linz/Unkel. Die Wahlschlacht, die im Vorfeld so gut wie gar nicht stattgefunden hat oder zumindest nicht richtig wahrgenommen worden war, ist geschlagen. Wie erwartet, wenn auch wohl von niemandem in einem solchen Ausmaß, ist die CDU nicht nur generell in der Bundesrepublik, sondern auch im Wahlkreis 198 Neuwied/Altenkirchen mit 45,6 Prozent weit vor der SPD mit 28,6 Prozent mit Abstand die stärkste Partei. Damit haben die Christdemokraten im Vergleich zu 2009 ganze 9,6 Prozent zugelegt, während die Sozialdemokraten ihr schlechtes Ergebnis aus jenem Jahr nur um 3,7 Prozent verbessern konnten. Verloren, 2 Prozent bei 6,2 Prozent, haben dagegen Bündnis 90/Die Grünen ebenso wie die Linke, die mit 5,2 Prozent sogar 3,8 Prozent schlechter abschnitt. Von dem Desaster der FDP ganz zu schweigen, die mit 4,7 Prozent, einem Verlust von 12,2 Prozent gegenüber 2009, auch im Wahlkreis 198 den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde nicht geschafft hat. Ganz anders in der VG Unkel, sieht man von den 2,3 Prozent in Bruchhausen einmal ab. Stolze 7 Prozent konnten die Liberalen in der VG verbuchen. Grund zur Freude war das aber keineswegs für sie, standen dieser Zahl doch Verluste in Höhe von 12,6 Prozent gegenüber. So schenkten in der einstigen FDP-Hochburg Rheinbreitbach den Liberalen mit nur 7,4 Prozent der Wähler 13 Prozent weniger ihr Vertrauen, in Unkel mussten sie bei nur noch 4,7 Prozent sogar ein Minus von 14,9 Prozent registrieren, in Erpel bei 5,4 Prozent immerhin noch 12,5 Prozent. Katastrophal die Einbußen der FDP auch in der VG Linz, in der die Liberalen zwar auf 5,5 Prozent kamen, aber einem 2009er Traumergebnis in Höhe von 19 Prozent nachtrauern müssen. In der Stadt Linz verlieren sie mit 4,2 Prozent satte 15,7 Prozent, in ihrer jetzigen VG-Hochburg Leubsdorf mit 5,6 immerhin 14,1 Prozent, in Ockenfels mit 5,2 Prozent satte 14,7 Prozent und in Kasbach-Ohlenberg bei 4,1 Prozent noch 13,9 Prozent. Kaum bei den Wählern der beiden Verbandsgemeinde angekommen ist die Direktkandidatin Sandra Weeser. Zwar sind ihre Verluste gegenüber ihrer Vorgänger Elke Hoff in Linz bei damals 8,1 Prozent der Erstimmen bei jetzt 2,3 Prozent in der VG Linz und einem Minus von 8,3 bei 2,4 Prozent in der VG Unkel nicht so hoch wie die Verluste der Partei, eine herbe Niederlage ist dieses Ergebnis für die Betzdorferin, die immerhin Listenplatz vier eingenommen hatte, aber allemal. Als die ersten Prognosen über die Bildschirme flimmerten, sei die Enttäuschung bei den Liberalen in Mainz riesengroß gewesen, so Sandra Weeser. „Mit so einer herben Niederlag habe ich nicht gerechnet. Unsere Kernbotschaften sind bei der Bevölkerung nicht angekommen“, glaubt sie. Wenig Grund zur Freude haben aber auch Bündnis 90/Die Grünen. „Wir haben schon ein zweistelliges Ergebnis erwartet“, gesteht die Direktkandidatin Elisabeth Bröskamp, die im Wahlkreis auf vier Prozent der Erststimmen kam. In der VG Unkel wollten sie immerhin noch 5,9 Prozent direkt nach Berlin schicken, in der VG Linz allerdings nur 4.1 Prozent der Wähler. Mit Verlusten von 0,7 und 0,9 Prozent steht die Landtagsabgeordnete im Vergleich zum Minus ihrer Partei erheblich besser da. Anstatt zuzulegen, verlor diese in der VG Unkel bei 8,8 Prozent immerhin 2, 2 Prozent und in der VG Linz mit 6,8 Prozent 1,7 Prozent. „Wir haben es nicht geschafft, die Bürger bei so wichtigen Themen wie Natur- und Klimaschutz mitzunehmen“, mutmaßt Elisabeth Bröskamp. Verunsichert haben dürfte den potenziellen Grünen-Wähler aber auch die nicht genau festzumachende Stellung der Partei in Kreis und Land hinsichtlich der geplanten Windparkanlagen. Keinen Grund zur Trauer sieht Jochen Bülow in dem Wahlergebnis seiner Partei ebenso wenig wie in seinem Abscheiden als Direktkandidat. Mit 4,5 Prozent landete er immerhin auf dem dritten Rang im Wahlkreis. Direkt nach Berlin schicken wollten ihn in der VG Unkel jedoch nur 3,1 Prozent und in der VG Linz 3,7 Prozent und im Bundestag sehen wollten seine Partei mit 4,2 Prozent weder die Wähler in der VG Unkel noch mit 4,7 Prozent die der VG Linz. Trotz der Verluste, in der VG Unkel 2,1 Prozent und 2,9 Prozent in der VG Linz, glaubt das Kreistagsmitglied Jochen Bülow, dass die Linke mit ihren Wahlkampfzielen den Nerv vieler Wähler getroffen und einen entsprechenden Zuspruch erhalten habe.
„Nicht verloren, aber das Wahlziel keinesfalls erreicht!“
So lautet das Resümee von Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Relativ früh zeichnete sich ab, dass sie erneut den Wahlkreis an Erwin Rüddel verloren hat und dass obwohl sie nach ihrem Parteifreund aus Kaiserslautern, der als einziger SPD-Mann in Rheinland-Pfalz das Direktmandat erhalten hat, mit 37,3 Prozent das zweitbeste Erststimmergebnis landesweit erzielen konnte hatte. „Wir haben alles gegeben, mehr ging nicht“, so das deprimierte Fazit der 38-Jährigen. Und deren Stimmung wird sich nicht gerade verbessert haben, ging ihr Wunsch hinsichtlich einer absoluten Mehrheit der CDU, damit diese dann auch die volle Verantwortung habe, auch nicht in Erfüllung. Während die Sozialdemokraten in der VG Unkel 3,1 Prozent zulegten, musste die ehemalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung dort mit 33,7 Prozent sogar 0,9 Prozent abgeben, während es ihr CDU-Mitbewerber Erwin Rüddel von 42,9 Prozent auf satte 50,7 Prozent brachte. Lediglich in Rheinbreitbach hat Sabine Bätzing-Lichtenthäler mit 35,3 Prozent ihr Ergebnis von 2009 halten können, aber auch dort legte der Windhagener mit 49, 2 Prozent ganze 8,3 Prozent zu. In der VG Linz dagegen waren bei 32,4 Prozent der Stimmen die Verluste der Sozialdemokratin mit 0,3 Prozent zwar eher marginal, allerdings konnte die Partei dort immerhin mit 24 Prozent ganz 4 Prozent zulegen. Bemerkenswert, dass Sabine Bätzing-Lichtenthäler in Dattenberg bei nur noch 35,2 Prozent der Stimmen 2,9 Prozent verloren hat, während Erwin Rüddel dort bei 50,3 Prozent immerhin 8 Prozent hinzugewinnen konnte. Verlusten der Sozialdemokratin in Kasbach-Ohlenberg in Höhe von 5,1 Prozent bei nur noch 29,6 Prozent stehen Gewinne des Christdemokraten bei 54,8 Prozent in Höhe von 9,3 Prozent gegenüber. Vergleichbare Zahlen in Leubsdorf, dort legt Erwin Rüddel sogar 13,2 Prozent zu, sodass seinen 60,5 Prozent lediglich 24,5 Prozent gegenüberstehen bei Verlusten von 4, 9 Prozent. Generell wird Sabine Bätzing-Lichtenthäler ihrer Parteispitze zustimmen: „Die Enttäuschung überwiegt auch am Tag nach den Wahlen eindeutig!“ Sie will erst einmal alles sacken lassen, dann werde man sehen, so die Sozialdemokratin, die dank ihres wohlverdienten Listenplatzes auch im neuen Bundestag den Wahlkreis 198 vertreten wird - zusammen mit dem großen Wahlsieger Erwin Rüddel. Denn der ist angesichts der Zahlen nicht nur vom Kanzlerinnen-Bonus von Angela Merkel nach Berlin „getragen“ worden. Immerhin erhielt er im Wahlkreis mit 46.9 Prozent der Erststimmen noch 1,3 Prozent mehr als die CDU an Zweitstimmen. In Bruchhausen liegt der Windhagner mit 57,9 Prozent ganze 30,6 Prozent vor Sabine Bätzing-Lichtenthäler, in Erpel mit 53,2 Prozent immerhin nach 20,7 Prozent. Nicht anders in der VG Linz. Bei 56,7 Prozent ließ er in Vettelschoß die Sozialdemokratin um 26,7 Prozent hinter sich, 24 Prozent sind es in Sankt Katharinen bei 54,5 Prozent der Erststimmen für Erwin Rüddel. Den direkten Vergleich hat der 57-jährige Windhagener somit klar für sich entschieden. Lag er in der VG Unkel in 2009 nur 8,9 Prozent vor Sabine Bätzing-Lichtenthäler und in der VG Linz 13,1 Prozent, so ist die Schere mit 17 Prozent Vorsprung in der VG Unkel und 20 Prozent in der VG Linz deutlich weiter auseinander gegangen. Er sei auf den Vorsprung von rund 16.000 Stimmen schon recht stolz, erklärte Erwin Rüddel erfreut, dass sein Einsatz in Berlin wie in der Region während der zurückliegenden vier Jahre ganz offensichtlich vom Wähler honoriert worden sei.
