Drei Tage lang genossen die Gäste der Stadt die Klänge
Jubiläum: 40 Jahre Drehorgelfestival in Linz am Rhein
Linz. Bereits am Eingangstor zum Rathausplatz wurden die Menschen, die am vergangenen Wochenende die Stadt Linz besuchten, von Drehorgelklängen begrüßt. Drei Tage lang zauberten die knapp 60 Drehorgelspielerinnen und Spieler den Menschen ein Lächeln aufs Gesicht.
Jubiläum in der mittelalterlichen Stadt
Bereits zum 40-igsten Mal veranstaltete Linz am Rhein am Christi-Himmelfahrts-Wochenende das internationale Drehorgelfestival. Die Gäste reisten mit ihren Orgeln aus allen Ecken Deutschlands und sogar aus Finnland an. Die Orgeln verteilten sich in der gesamten Altstadt. Sie säumten die Straße Richtung Buttermarkt und verwandelten alle Ecken in musikalische Inseln.
Rücksichtnahme aufeinander
Da die Altstadt nicht riesig ist ließ es sich nicht verhindern, dass so manche Orgel in Hörweite zur anderen stand. Teilweise bildeten sich auch Drehorgelgruppen. Um da jeden Klang genießen zu können, war die Rücksichtnahme aufeinander unabdingbar. So sprachen sich die Orgelspieleinnen und Spieler ab und spielten nacheinander. Sie legten eine Reihenfolge fest, so dass die Menschen die Klänge der Orgeln und die oft sehr unterschiedliche Musik, einzeln hören konnten. Und genau dieser Teamgeist und das Miteinander ist bis heute eine der Gründe, warum die Menschen mit ihren Orgeln jährlich hunderte von Kilometern auf sich nehmen, um Teil dieser Linzer Tradition zu sein, für die die Stadt längst international bekannt ist.
Das Wetter spannte alle auf die Folter
Der Mai ist wettertechnisch immer ein Überraschungspaket. So sorgte das Wetter am vergangenen Samstag für einige Unsicherheiten. Am frühen Nachmittag verhüllten viele Orgelbesitzerinnen und Besitzer ihr Instrument kurzzeitig wetterfest oder suchten sich einen Unterstand. Dunkle Wolken brachten einige Regentropfen und hingen schwer über der Stadt. Doch die gute Stimmung blieb. Das Ehepaar Ute und Lutz Pape aus Berlin- Brandenburg, das bereits zum dritten Mal dabei war, fand die richtigen Worte zur unbeständigen Wetterlage. „Die Stadt ist schön, die Leute sind nett und freundlich und wenn die Sonne auch nicht scheint, wir tragen sie im Herzen“, sagte Lutz Pape. Das ließ die Sonne allerdings nicht lange auf sich sitzen. Kurz nach dem Zitat riss die Wolkendecke auf, die Strahlen brachen hindurch und vertrieben den düstern Himmel schließlich ganz.
Verein hat Mitglieder aus ganz Deutschland
Über das internationale Drehorgelfest hinaus, engagiert sich das Ehepaar sogar im Linzer Drehorgelverein „Fachforum Drehorgel Linz e.V. Die Brandenburger sind nicht die einzigen Mitglieder, die nicht in Linz am Rhein wohnen. Auch Janik Meier kommt von außerhalb und hat die kleine Stadt am Rhein schätzen gelernt. „Wir sind zum fünften Mal hier“, sagte er. „Linz hat eine wunderschöne Altstadt, in die sich die Drehorgeln wunderbar einfügen. Es gibt hier ein buntes Publikum, jung, alt, Kinder, Familien. Denen zaubert man ein Lächeln auf die Lippen. Wir sind immer gerne hier.“
Verein schafft neue Orgel an
Das internationale Festival war die perfekte Bühne für den örtlichen Drehorgelverein, ihre neueste Anschaffung zu präsentieren. Vor dem Café´ am Markt, stand sie, die alte Limunaire Orgel, um ca. 1010 in Paris erbaut und in Holland restauriert. Unter einem Paravent, vor dem Regen geschützt, spielte sie in Abständen automatisch, wenn sie von einem Mitglied aktiviert wurde, und war ein beeindruckender Blickfang. Das Fachforum Drehorgel Linz e.V. ist maßgeblich am Festival beteiligt.
Fachforum Drehorgel Linz e.V. sucht Sponsoren
Trotz des Jubiläums gab es in diesem Jahr keine überraschenden Programmpunkte. Die Geldbörse der Stadt, die die Veranstaltung ausrichtet, war nicht ganz so gefüllt, wie man sich das gewünscht hätte. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Der Verein sucht aktuell Sponsoren, um die Gäste möglicherweise im nächsten Jahr überraschen zu können.
Zusammenhalt unter den Teilnehmenden ist groß
Die eingeschworene Gemeinschaft der Drehorgelspielerinnen und Spielern ist ein gut vernetzt. In Linz treffen sich so jährlich alte Freunde, um an den drei Tagen eine gute Zeit zu haben. Die abendliche Gemeinschaft wird von ihnen sehr geschätzt. Man trifft sich, plaudert, vernetzt sich neu. Auch hinter den Kulissen ist die Veranstaltung etwas, für das es sich anzureisen lohnt. Aber auch vor den Kulissen nehmen sich die Menschen Zeit füreinander. Wie beim kleinen Stelldichein bei Heinz und Lutz, die mal eben zwischendurch eine kleine Eierlikörrunde ausgeben. Hier konnten interessierte Gäste die Orgel auch einmal selbst drehen und bekamen im Anschluss von Heinz sogar noch einen „Drehorgelführerschein“ ausgehändigt.
Neue Gesichter für das Festival
Neben den alten Hasen gab es aber auch neue Gesichter, wie das Ehepaar Gisela und Josef Lechner. Lechner hatte seine Orgeln, in der Optik zweier alter Pferdekarussells, innerhalb von drei Jahren selbst gebaut. Das macht die Instrumente weltweit einmalig. Während des Drehens der Orgel, dreht sich auch das Karussell. So bereitete das internationale Drehorgelfestival allen Beteiligten auch im Jahr 2026 wieder viel Freude und alle Beteiligten erwarten nun voll Spannung das nächste Jahr
JS
Drehorgelausbildung mit Heinz Foto: JS
