Eifelverein OG Linz in der Kölner Flora
Kaktus, Kaffee und Kamelle
Köln. Ein Sommertag in der Flora in Köln war ein schöner Kontrast zum gewohnten, nicht immer anstrengungsfreien Wandern. Hilfreich war dabei der gute Kontakt: zu dem Wanderfreund Rolf Wermelskirchen, passionierter Hobby-Biologe, verantwortlich für Führungen durch die Flora und den Botanischen Garten und seiner Frau Margarete. Sie waren bereit, exklusiv für die Gruppe eine Sonderführung zu gestalten. Also setzten sie sich mit 35 Teilnehmern in den Zug und vom Hauptbahnhof ging es zu Fuß am Rhein entlang zur Flora und dem Botanischen Garten, wo sie erwartet und zunächst mit Wissenswertem über die Entstehung der Flora vor 150 Jahren vertraut gemacht wurden.
Die gehobene Gesellschaft Kölns hatte den Wunsch nach einem „Zier- und Lustgarten“, wo man unter sich feiern und promenieren konnte. Dem Bankier Eduard von Oppenheim ist die Initiative zu verdanken, dass dieser Wunsch in die Tat umgesetzt wurde. Der berühmte Bonner Gartenbauarchitekt Peter Joseph Lenné erhielt 1864 den Auftrag, einen Botanischen Garten anzulegen. Nach dem Vorbild des Crystal Palace in London wurde ein Wintergarten aus Glas und Stahl geschaffen, der dem englischen Vorbild ähnlich war, aber auch deutlich Kölsche Elemente enthielt. Er wurde mit tropischen Pflanzen bestückt. Gleichzeitig fanden dort gesellschaftliche Veranstaltungen statt, was aufgrund der für die Pflanzen notwendigen hohen Temperaturen zusammen mit der damaligen Kleiderordnung nicht lange durchgehalten wurde. Zusätzliche Gewächshäuser wurden gebaut. Am Ende des II. Weltkriegs lag alles am Boden, der Park war zerstört. Beim letzten Besuch in der Flora drohte dem Hauptgebäude, dass nach dem Krieg nur notdürftig hergerichtet worden war, noch der Abriss. Im Juni dann die Neueröffnung. Es steht jetzt unter Denkmalschutz.
Kann man das essen?
Rolf führte die Gruppe durch die verschiedenen Themenbereiche, Botanik, Bauerngarten mit Nutzpflanzen, Heilkräuter bis hin zu Giftpflanzen für die Pharmaindustrie. Dann kamen Lotos-Teich, die Gewächshäuser mit tropischen Nutzpflanzen (Kaffee, Kakao, Vanille) und, damit jeder verstand, worum es sich handelte, gab es Schokolade unter der Kakaostaude und Kaffeebohnen unter dem Kaffeestrauch und zum Schluss kamen als Highlight die Dahlienschau, die Palmenallee und der Laubbogengang. Keine Frage, egal zu welcher Pflanze oder zu welchem Baum, blieb unbeantwortet. Rolf lieferte zu jedem Blatt, jeder Blüte und jeder Frucht Ursprung, Besonderheit und Lebensbedingungen. Sein großes Wissen begeisterte.
Aber auch er testete die Kenntnisse. Wer richtig auf seine Frage antwortete, bekam eine Kamelle. Um 18 Uhr war eine Kölsche Einkehr im Gaffel angesagt. Uhrig. Der Köbes bestand auf Duzen. Er hieß Karl-Heinz und wollte auch so angesprochen werden. Passte irgendwie gut zum Kölsch, zu Köln und zur Stimmung an diesem schönen Tag. Beschwingt traten alle den Heimweg an.
