Grußwort
Mutig gegen den Strom schwimmen
Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Besucher und Freunde unserer Stadt Linz am Rhein, liebe Linzerinnen und Linzer!
Kennen Sie „Selfie?“ Dieser Begriff bezeichnet den Trend, mit der Handykamera Bilder von sich selbst zu schießen und in das digitale Netz zu stellen. Der besondere Anreiz der „Selfies“ liegt darin, dass der Fotograf die Kontrolle darüber hat, wie er sich präsentieren will. Das ist menschlich und verständlich. Wer möchte nicht in dem Licht erscheinen, das er für sich selbst als das Angemessene erachtet?! Nun haftet solchen Ausprägungen eines Mitteilungsbedürfnisses ja nichts grundsätzlich Schlechtes an. Im Gegenteil - es ist Kommunikationsvehikel: Man sieht ein Lebenszeichen und erfährt etwas über den Anderen. Die andere Seite der Medaille namens Selbstverwirklichung ist der Tanz um das Goldene Ich in den frostigen Sälen der Ellenbogengesellschaft. Vervielfältigt steigert sich der Egotrip zu ritualisierter Ekstase.
Das gilt als Form des Computer-Terrors etwa für die sogenannten „Shitstorms“ mit dem Heraushauen gleichgeschalteter Unverschämtheiten in Richtung südlich der Gürtellinie. Es trifft in Schule und Beruf beim „Mobbing“ zu und im gesellschaftlichen Alltag wird dieses Trio oftmals von der „politischen Korrektheit“ komplettiert, die alles, was nicht in das angepasste Schema passt, an die Wand stellt. Kaum ist das Angriffsziel ausgemacht, wird ungefiltert drauf geprügelt. Dabei wäre es mutig, gegen den Strom zu schwimmen, anstatt sich feige einzureihen.
In diesen Tagen ist einer der größten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte verstorben: Nelson Mandela. Warum wurde er zum Giganten der Geschichte? Weil er das Selbstbewusstsein besaß, gegen Ungerechtigkeit aufzustehen. Weil er gleichzeitig das eigene Ego hintenanstellte und für seine Mitmenschen und die Herzens-Sache, für die er eintrat, 27 Jahre im Gefängnis saß. Weil er kein passendes Bild von sich vermitteln wollte, sondern den Auslöser auf den Dienst an der Freiheit, am Frieden und an Gerechtigkeit richtete. Und weil er nach seinem Triumph über die Apartheid nicht verbittert und böse den Gegner von Einst unter der Gürtellinie angriff, sondern zur Versöhnung aufrief. Solche Menschen werden jenseits aller „Schwarz-Weiß-Malerei“ gefeiert, denn sie leben weiter, auch wenn sie tot sind. Dass ein jeder ein kleines Stück der „Lichtgestalt“ Nelson Mandela in sich tragen kann, erhoffe ich für Sie und uns Alle!
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien und den Menschen, die Ihnen sonst sehr lieb und teuer sind, frohe und gesegnete Weihnachten, einen guten Rutsch in´s neue Jahr und ein glückliches Jahr 2014!
Ihr Adi Buchwald,
Bürgermeister der
Stadt Linz am Rhein
