Ministerpräsidentin trug sich ins Goldene Buch ein
Nach dem Besuch im Forum ging es ins Rathaus
Unkel. Familiäre Enge herrschte im Ratssaal von Unkel, in dem Stadtbürgermeister Gerhard Hausen Ministerpräsidentin Malu Dreyer zusammen mit den Ehrengästen erwartete, die mit ihr kurz zuvor das Willy-Brandt-Forum besucht hatten. „Wir freuen uns sehr, dass wir Sie heute anlässlich des 100. Geburtstages von Willy Brandt hier bei uns in Unkel begrüßen dürfen“, hieß der Stadtchef den hohen Besuch wenig später willkommen. Neben dem Landtagsabgeordneten Fredi Winter könne er als Ehrengast auch dessen Kollegin Ellen Demuth begrüßen sowie den Unkeler Verbandsbürgermeister Karsten Fehr und dessen Vorgänger Werner Zimmermann.
Während seiner letzten Jahre sei Willy Brandt noch sehr aktiv und produktiv gewesen, habe Kontakt mit politischen Kollegen aus aller Welt gepflegt und als Präsident der Sozialistischen Internationale bis zuletzt an Themen der Nord-Süd-Kommission mitgewirkt. „Durch ihn ist Unkel ein wenig ins Blickfeld internationaler Politik gerückt. Anlässlich seines 100. Geburtstags haben wir in Unkel, dem ‚Weltdorf’ wie Willy Brandts Freund, Filipe Gonzales, uns bei der Einweihung des Forums genannte hat, das Glück, im Forum, einem einzigartigen Museum der Zeitgeschichte, unseres großes Mitbürgers in besonderer Weise gedenken können“, freute sich der Bürgermeister.
„Ihr Kommen Frau Ministerpräsidentin, ist eine Anerkennung der vielen Ehrenamtlichen, die das Willy-Brand-Forum mit Leben erfüllen. Willy Brandt hat uns vor Ort gezeigt, dass die kleinen beharrlichen Schritte, das Ernstnehmen von Bedürfnissen und Nöten im Alltag der Bürger ein politischer Auftrag sind, sein ‚Demokratie wagen’ stellt ein bleibendes Vermächtnis dar“, schloss Gerhard Hausen seine Begrüßungsrede.
„Hier in Unkel sind zahlreiche engagierte Menschen äußerst aktiv, e“, betonte Landrat Rainer Kaul, bevor er Malu Dreyer den Unkeler Dieter Borgolte vorstellte, dem wenige Tage zuvor in ihrem Namen für sein Engagement die Ehrennadel des Landes verliehen worden war. Anschließend informierte er die Ministerpräsidentin, von Hause aus Juristin, dass Unkel die Wiege der rheinland-pfälzischen Verfassung sei, um Malu Dreyer dann zu versichern: „Wir fühlen uns geehrt. Toll, dass Sie hier sind!“
Es sei zwar etwas kompliziert gewesen, den Termin wahrzunehmen, „aber entgehen lassen wollte ich mir diese Feierlichkeit in Erinnerung an Willy Brandt auf keinen Fall. Toll, dass Sie diese organisiert haben Absolut beeindruckend ist auch, was Sie hier mit dem Forum, einer Gedenkstätte für eine Jahrhundert-Persönlichkeit, aufgebaut haben“, so Malu Dreyer. Schon die kurze Führung habe ihr einen Eindruck vermittelt, was man alles erfahren könne, wobei die Geschichten, die dort so nebenbei erzählt würden, der eigentliche Clou seien.
Bei ihrem Rundgang habe sie im Arbeitszimmer von Willy Brandt ein Buch von Nelson Mandela entdeckt, den Willy Brand vier Monate nach seiner Entlassung im Februar 1990 im Erich Ollenhauer-Haus in Bonn empfangen habe. „Beide waren charismatische Politiker in ihrem Kampf für Freiheit, gegen Rassentrennung, Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit“, so die Ministerpräsidentin, bevor sie sich wieder dem Forum widmete.
Dieses bezeichnete sie als ein herausragendes Beispiel für ehrenamtliches Engagement. „Wenn die Ehrenamtlichen dort nicht so viele Stunden ihrer Freizeit opfern würden, wären all diese finanziellen Mittel ohne Wert. Sie sind ‚Helden des Alltags’, die die Schrauben stellen, dass etwas entsteht und überlebt“, lobte die Ministerpräsidentin den Einsatz der Forums-Mitarbeiter. Aber auch die Ausstellung selber habe sie tief beeindruckt durch die Paarung von Professionalität und Originalität sowie der Liebe zum Detail. Willy Brandt sei eine denkwürdige Persönlichkeit gewesen. Kaum einer habe so polarisiert wie er, weil er seine Vision von Frieden und Versöhnung gegen jeden Widerstand klar in Worte gefasst habe etwa mit dem Satz: „Friede ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts! Ich bin ausgesprochen froh, dass dieses sein Erbe von Ihnen hier so gepflegt wird“, betonte Malu Dreyer, um sich dann in das Goldene Buch der Stadt einzutragen.
Ministerpräsidentin Malu Dreyer beim Eintrag ins Goldene Buch. Foto: DL
