Allgemeine Berichte | 10.02.2016

Rathaussturm in Linz

Nach langen Wortgefechten eroberte Johannes I. das Linzer Rathaus

Die Blau-Wiessen scheuten sich nicht, im Dienste der Tollität Hand an den Stadtchef und sein Büttel zu legen

Ohne Rücksicht auf Verluste zwingt der kleine Prinz den langen Stadtchef in die Knie.

Linz. In diesem Jahr hatte sich Stadtchef Hans Georg Faust zur Verteidigung des Rathauses vorgenommen, wie sein berühmter Namensvetter einst das Gretchen die KG-Präsidenten, et Yvonnche, zu bezirzen und als studierter Einschläferer, mit diesen seinen noch im Bundestag verfeinerten Fähigkeiten mit langen Reden Prinz Johannes I geradezu zu narkotisieren.

Pünktlich um 12.11 Uhr war Prinz Johannes I. mit all seinen bunten Corps auf dem Marktplatz aufgezogen, nachdem zuvor bereits die Stadtsoldaten von Kommandant Markus Pfaffhausen vor dem Feldherrnhügel des Stadtchefs in Front gebracht worden waren. Obwohl schon der Kanonendonner der schweren Artillerie sowie die Fanfaren und Landsknechtstrommeln der Grün-weiße Husaren, zu denen sich auch noch das Getöse der Hunnen gesellt hatte, das Nahen der Angreifer unüberhörbar gemacht hatte, ließ sich der Bürgermeister nicht sehen.

Stattdessen erklang zur Freude der großen Delegation aus Pornic die Marseillaise, auch wenn diese dem „aux armes citoyens, formez les bataillons, marchons, marchons“ nicht Folge leisteten. Mit Ausnahme ihres Maires, Jean-Michel Brard, der sich in die Besen-bewehrten Stadtrat-Damenriege einreihte, während Roi Jean-Philippe I. (Leduc) mit Reine Laura (Pacaud) sowie den Ehrendamen Océane und Loicia, vornehm Abstand von möglichem Gerangel hielt.

Der Ur-Ur-Enkel von Napoleon verkleidet als Johannes I.

„Napoleon Bonaparte hatte vor über 200 Jahren das Rheinland besetzt gehalten, aber die kleine tapfere Stadt Linz dem Departement Rhin et Moselle nicht zwangsweise angliedern können“, schallte plötzlich die naseelende Stimme vom Flic-Flippo Wölbèr über den Platz. Dies wolle nun sein Ur-Ur-Enkel in sechster Generation, Kaiser Petit Jean Napoleon IV., verkleidet als Prinz Johannes I., mit der Erstürmung des ehrwürdigen Rathauses nachholen, mutmaßte er, zumal er in der KG-Präsidentin, Yvonne Adams-van Beek, eine neue Josephine zu erkennen glaubte.

Und schon forderte der kleine „Franzuus“ großspurig: „Musjöh Bürgermeister komm eruss und überjeb de Schlüssel vom Rotus, sonst leg ich die Quasselbud‘ in Schutt und Asche!“ Erst da wagte sich der Faustens Schorsch mit seinem Büttel Thomas Balasus ins Freie. Abgeschirmt von den Angreifern durch seine Stadtsoldaten höhnte er: „Du kleinster Kaiser der Franzosen, kleinwüchsig wie dein Ahn auch nur fünf Fuß, zwei Zoll und drei Linien messend, reichst du deiner Josephine ur bis zur Nasenspitze. Da ist ja selbst der Nicolas Sarkozy imposanter neben der Carla Bruni. Außerdem verrät dein Dialekt, dass du wohl das Ergebnis eines Malheurchen von deiner Oma bist“, verspottete der Stadtchef den „Imperator“, Wie sein Urahn werde auch er sein Waterloo erleben, prophezeite der Bürgermeister ihm, um dann ses amis „auf in die bataille“, also zum Kampf aufzurufen.

Der währte allerdings nicht allzu lange. In Windeseile überrannten die grünen Husaren zusammen mit den blau-wiessen Funken die Reihen der Stadtsoldaten, die danach mit einer schon aufreizenden Engelsgeduld kehrt Richtung Rathaus machten, jedoch ohne jegliche Anstalten, in das Geschehen rund um den Bürgermeister einzugreifen. So konnte der nur die Faust in der Tasche machen, während seinem Büttel von Prinz und Präsidentin nicht der Boden unter den Füßen, wohl aber gnadenlos die Beine weggezogen wurden, so dass er wie ein Baum fiel und sich dem Funken-Kommandanten Marcus Zimmermann bedingungslos ergeben musste. Danach war es für Johannes I. ein leichtes Unterfangen, den glücklosen Stadtchef in die Knie zu zwingen und ihm den Schlüssel zu entreißen. Nachdem er diesen triumphierend in die Höhe gereckt hatte, um seinen Sieg allen Anwesenden zu verdeutlichen, zog er als Herr über Linz in das Rathaus ein. Dort musste zwar aus Zeitgründen die närrische Ratssitzung ausfallen, die erst im Vorjahr eine glänzenden Premiere gefeiert hatte, mit kölschem Gerstensaft und Wing vom Rhing wurde aber allemal der närrische Sieg standesgemäß jeck gefeiert.

Ohne Rücksicht auf Verluste zwingt der kleine Prinz den langen Stadtchef in die Knie.
Nach dem Fall seines Büttels sieht sich Faustens Schorsch mutterseelenallein der feindlichen Übermacht gegenüber.-DL-

Nach dem Fall seines Büttels sieht sich Faustens Schorsch mutterseelenallein der feindlichen Übermacht gegenüber.Fotos: -DL-

Von Marcus Zimmermann zu Boden gestreckt empfängt Thomas Balasus vom Prinz den „Gnadenstoß“.

Von Marcus Zimmermann zu Boden gestreckt empfängt Thomas Balasus vom Prinz den „Gnadenstoß“.

Ohne Rücksicht auf Verluste zwingt der kleine Prinz den langen Stadtchef in die Knie.

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