Geschichtsverein Unkel
Neues Ehrenmitglied
Gründungsmitglied Rudolf Vollmer, hielt die Laudatio auf die „Mutter der Carl-Loewe-Musiktage" Heide Lorenz
Unkel. Zur Jahreshauptversammlung hatte der Geschichtsverein Unkel eingeladen. Vorstandswahlen standen zwar laut dem Vorsitzenden Piet Bovy noch nicht an, als Vorstandsmitglied verabschiedet wurde jedoch Rudolf Vollmer, der während seiner Zeit als Stadtarchivar geborenes Mitglied des Vorstands war und danach das Gremium als Beisitzer unterstützt hatte. „Als Unkeler Urgestein hat Rudolf Vollmer enthusiastisch, tatkräftig, zielgerichtet, planvoll und kompetent die Geschichte unserer Heimatstadt aufgearbeitet“, so Wilfried Meitzner, der ihn 2010 als Stadtarchivar abgelöst hatte. 1984, nach dem Tod von Franz Hermann Kemp, der das Stadtarchiv aufgebaut hatte, hatte Vollmer diese Aufgabe übernommen.
Viele Jahre das Stadtarchiv gepflegt
Gewissenhaft ordnete er die Archivalien und stellte ein Findbuch an, in dem Urkunden, Karten, Gerichtsakten, Bürgermeisterrechnungen, Akten der Armenfürsorge und amtliche Erlasse verzeichnet sind. Außerdem konnte Rudolf Vollmer zahlreich Arbeiten von Künstlern erwerben, die in Unkel gelebt haben wie etwa von Rudolf Wulfertange, Stefan Andres und Leonard Reinirkens. Mit dem Buch „Unkel am Rhein – Chronik einer Stadt“, zahlreichen Beiträgen im Heimatkalender des Kreises Neuwied sowie Arbeiten über die Unkeler Wegekreuze oder die Geschichte des Geldes habe Rudolf Vollmer dem Stadtarchiv wie auch dem Geschichtsverein Ansehen verschafft, so Wilfried Meitzner. „Seine Beiträge in unserem ‚Geschichtsboten’ und in unserer Schriftenreihe sind so zahlreich, dass ich sie gar nicht aufzählen kann, hob sein Nachfolger hervor. Außerdem habe Rudolf Vollmer auch viele Ausstellungen initiiert. „Kurz gesagt: Das Programm des Geschichtsvereins wäre ohne ihn, unseren ersten kompetenten Stadtführer, erheblich magerer gewesen“, so Wilfried Meitzner. Damit aber nicht genug. Rudolf Vollmer gehört, wie auch seine Frau Maria, auch zu den Mitbegründern des Geschichtsvereins, bei der Gleichgesinnte wie Heide Lorenz, Siegfried Jagau, Werner Mayer und Bernhard Gelderblom zusammengekommen waren. Aber diese Gruppe kann man sich ohne das Unkeler Urgestein eigentlich nicht vorstellen. „Ich bin davon überzeugt, dass Deine Mitwirkung sehr wesentlich zu dem dauerhaften Erfolg des Vereins beigetragen hat“, schloss der Stadtarchivar seine Laudatio. Damit war er aber auch schon bei einem wesentlichen Punkt der Jahreshauptversammlung angekommen. Der Gründung des Geschichtsvereins, „mit der Heide Lorenz, untrennbar verbunden ist“, betonte Rudolf Vollmer, der die Laudatio auf die erste Vorsitzende des Vereins übernahm.
Begründerin der Carl-Loewe-Musiktage
Zu Beginn der 90er Jahre hatte die Internationale Loewe-Gesellschaft mit Sitz in Wien in Unkel angefragt, ob nicht neben der Geburtsstadt Löbejun des Komponisten Carl Loewe, sondern auch am Rhein die Erinnerung an den Romantik durch Konzerte belebt werden könnte. Carl Loewe selber hat Unkel hat nie in Unkel gelebt und auch die romantische Rheinpromenade der Kulturstadt hat er höchstens auf seiner Schiffreise von Mainz, wo er zwei seiner Oratorien aufgeführt hatte, nach Bonn und Köln gesehen. Allerdings war seine ältesten Tochter, Julie, die mit dem Kapitän zur See James Arthur von Bothwell verheiratet war, samt ihrer Mutter Auguste, Loewes zweiter Frau, nach Unkel gezogen, wo das Freiligrathhaus ihr neues Domizil wurde, das sie kurzerhand „Loewehaus“ benannte. „Bis 1950 haben die Enkelinnen Elke und Ellen Ulffers noch hier gewohnt, laut deren Testament ein Loewe-Zimmer mit dem Nachlass des Komponisten in Unkel eingerichtet werden sollte“, erinnerte Rudolf Vollmer. Das trug zumindest dazu bei, dass die Idee, 1996 anlässlich des 200. Geburtstages von Carl Loewe Musiktage mit Werken des Komponisten ins Leben zu rufen, bei Heide Lorenz auf fruchtbaren Boden fiel. Allerdings war sie bei ihrer Fahrt nach Wien noch davon überzeugt, dass ein solches Projekt in Unkel nie realisiert werden könnte, es sei denn mit Hilfe eines Vereins. Und so wurde Carl Loewe der „geistige Vater“ des Unkeler Geschichtsvereins. „Im September 1995 kam eine kleine Gruppe geschichtlich interessierter Leute im städtischen Rathaus zusammen, um diesen Verein zu gründen und Heide Lorenz war sofort bereit, den Vorsitz zu übernehmen. Das war für sie ein Sprung ins kalte Wasser, da sie absolut keine Vereinserfahrungen besaß, geschweige denn von einer Vereinsleitung“, erinnerte Rudolf Vollmer. Im selben Jahr waren Musiker aus Wien nach Unkel zu den ersten Musiktagen gekommen, 1996 wurden dann die zweiten Musiktage in den Kultursommer von Rheinland-Pfalz aufgenommen. Die Gründungsmitglieder, neben dem damaligen Stadtarchivar und seiner Frau Maria und Heide Lorenz, Siegfried Jagau, Werner Mayer und Bernhard Gelderblom, setzten sich noch mehr Ziele, wie etwa die Aufarbeitung der Geschichte Unkels und die Unterstützung des Stadtarchivars. „Die ersten großen Veranstaltungen für Heide Lorenz und den Geschichtsverein waren das Carl-Loewe-Konzert und die Stefan Andres Ausstellung ‚Aquädukte der Erinnerung’ mit Günther Nicolin“, erinnerte Rudolf Vollmer. Die Unkelerin organisierte darüber hinaus aber auch Stadtführungen, den Tag des Offenen Denkmals, die Herausgabe des Geschichtsboten und engagierte sich für den Erhalt alter Häuser wie etwa der Sternenburg, setzte sich für die Öffnung des Gefängnisturmes ein und übernahm Führungen im Willy Brandt-Zimmer des Stadtarchivs. „Aber die wichtigsten Veranstaltungen waren und sind für Heide Lorenz bis heute immer noch die Carl-Loewe-Musiktage“, so der Laudator.
Unbekannte Loewe-Werke aufgespürt
So machte sie sich vor Jahren auf die Spurensuche nach unbekannteren Werken des Komponisten. „Sie erfuhr, dass etliche Noten weitgehend unbekannter Loewe-Werke im Original in der Bibliothek des Konservatoriums und vor allem in der größten Bibliothek Russlands, der staatlichen Lenin-Bibliothek in Moskau aufbewahrt würden. „Wir haben tatsächlich eine große Anzahl von Noten, auch Autographen dort gefunden und dank eines Leserausweises konnten wir uns eine Reihe von Fotokopien anfertigen lassen“, so die Unkeler Loewe-Expertin, deren Fundstücke nun die Reste des Loewe-Nachlasses komplettieren, der im Stadtarchiv aufbewahrt wird . „Heide Lorenz, Carl Loewe und der Geschichtsverein Unkel sind einfach untrennbar miteinander verbunden“, erklärte Rudolf Vollmer. Zielstrebig, mit diplomatischem Geschick, Sparsamkeit und großem Einsatz habe sie bis 2006 den Geschichtsverein geleitet, den sie dann in die Hände von Norbert Knoppik gelegt hatte. „Nachdem Heide Lorenz 2012 mit der Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet worden ist und zwei Jahre später die Ehrennadel der Stadt Unkel erhielt, ist ihre Ernennung zum Ehrenmitglied des Geschichtsvereins mehr als überfällig“, erklärte der Vorsitzende Piet Bovy unter dem Beifall der Mitglieder.
