Politik | 10.12.2013

Förderverein des Freibads Unkel muss Rückschlag hinnehmen

Rat lehnte die Übernahme der Bürgschaft ab

Unkel. Der Sitzungssaal des Unkeler Verwaltungsgebäudes konnte die zahlreichen Interessenten nicht fassen, die sich die jüngste Sitzung des Verbandsgemeinderates nicht entgehen lassen wollten, stand doch immerhin die Zukunft des Freibades auf dem Spiel. Die spannende Frage, ob die VG für die nächsten 25 Jahre die vom Land geforderte Bürgschaft in Höhe von 675.000 Euro übernehmen würde, trieb nicht nur die Mitglieder des Fördervereins um. Auf den Andrang von gut 100 Zuhörern schien Verbandsbürgermeister Karsten Fehr vorbereitet zu sein. Per Beschallungsanlage wurde der Sitzungsverlauf auch ins Foyer übertragen und die große Flügeltür zum Saal blieb auch offen, nachdem die Mandatsträger erklärt hatten, sich durch die Sanierungs-Befürworter im Rücken nicht beeinträchtigt zu fühlen.

„Nur hören, nichts sagen“, hatte die Sprecherin des Fördervereins, Ulrike Kessel, den Mitgliedern eingeimpft, die sie mit dem Symbol der „Pro-Sanierer“, dem gelben Quietsche-Entchen, bewaffnet hatten. Sprechen durfte jedoch zunächst der Geschäftsführer des Vereins, Werner Henneker, der in den zurückliegenden Jahren weit mehr als nur Zeit und Herzblut in das Projekt investiert hat. „Das Freibad ist wichtig für die Entwicklung der Kommunen. Selbst wenn wir mal zwei schlechte Jahre erwischen sollten, wird unser Verein das Freibad weiterführen, denn wir haben 500 engagierte und kreative Mitglieder in unseren Reihen, Leute, die anpacken können“, so sein flammendes Plädoyer für das Projekt, das der Verein nun bereits seit sieben Jahren unbeirrt von jeglichem Störfeuer vorangetrieben hat. Mit genauen Zahlen führte er vor, dass der Verein ein absolut gesundes Konzept für den Betrieb des Bades habe, dass ein Steuerberater sogar eine Befreiung von der Mehrwertsteuer als möglich in Aussicht gestellt habe.

Hundertprozentige Unterstützung fand Werner Henneker zunächst bei der SPD. Deren Fraktionssprecher Klaus-Henning Rosen warnte: „Wenn wir das Freibad-Projekt jetzt vor die Wand laufen lassen, wird uns das landesweit Spott eintragen.“ Bislang unbedachte Antragsteller würden sich die Hände reiben und die von Unkel „verschmähten Fördermittel“ mit Kusshand annehmen.

„Ich wünsche mir mehr Mut, zumal es bei der jährlich sinkenden Bürgschaftssumme nicht um bares Geld, sondern nur um eine entsprechende Absicherung geht“, erinnerte er. Außerdem übertreffe schließlich das ehrenamtliche Engagement des Fördervereins alles bisher in dieser Hinsicht in der VG Geleistete. Das sah der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Stefan Schmitz zwar genauso, aber: „So leid es uns tut, wir können die Bürgschaft nicht leisten“, erklärte er für seinen Parteifreunde.

Die Mandatsträger müssten sorgfältig mit dem ihnen von den Bürgern anvertrauten Geld umgehen. „Wenn wir dem Projekt die Unterstützung versagen, werden wir nicht nur niemals mehr eine Landes-Förderung für die Freibad-Sanierung erhalten, auch ein solches ehrenamtliches Engagement wird Unkel nie mehr erleben“, warnte dagegen Ansgar Federhen von Bündnis 90/Die Grünen am Tag des Ehrenamtes. Uneingeschränkte Zustimmung fand er bei Klaus Schlüter von den Linken, der in dem Freibad eine große Bereicherung für die ganze Region sah, die man nicht aufs Spiel setzen dürfe. Anders Eva Pufpaff von der FDP, die nicht nur sich selber im Widerstreit von Herz und Verstand sah. „Um das Für und Wider richtig abwägen zu können, erscheint es uns wichtig, die Mitbürger einzubeziehen“, beantragte die liberale Ratsfrau, was zu einer 15-minütigen Sitzungsunterbrechung führte.

Verbandsbürgermeister sieht das Risiko als zu hoch an

Nach dieser meldete sich zunächst der Beigeordnete Gerhard Hausen zu Wort. „Das Freibad ist eine Herausforderung für die Politik und die Verwaltung, aber wir sollten die Chance nutzen. Ich kann aber nur raten, Motor und nicht Abbremser zu sein“, betonte der Unkeler Stadtbürgermeister, der sich bis dahin öffentlich nicht gerade als vehementer Vertreter einer Freibadsanierung geoutet hatte. Die Mandatsträger sollten das außergewöhnliche Bürgerengagement als Herausforderung an die Politik betrachten, forderte er. „Wir unterstützen den Förderverein gerne mit 230.000 Euro, stellen ihm auch im Sommer das Freibad-Personal kostenlos für nur einen symbolischen Betrag zur Verfügung. Aber das Risiko ist für die ohnehin schon klamme Verbandsgemeinde viel zu hoch.

Eine so weitreichende Entscheidung, die Bürgschaft auf 25 Jahre zu übernehmen, würde wie ein Damoklesschwert über uns, aber auch vor allem über denjenigen hängen, die nach uns kommen“, warnte dagegen Karsten Fehr.

Wenn das Freibad nach zehn Jahren schließen müsse, würde die VG rund 400.000 Euro zahlen müssen, erteilte der Verbandsbürgermeister, immerhin selber Mitglied des Fördervereins, dem Projekt mit einer „auf Kante genähten Finanzierung“ kurz vor der endgültigen Abstimmung eine Absage.

Förderverein gibt noch nicht auf

Gegen die elf Stimmen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, bei denen Robin Syllwasschy als Vorstandsmitglied des Fördervereins und damit als Befangener nicht mitstimmen konnte, und den Linken sprach sich der VG-Rat dann mit den 13 Stimmen von CDU, FWG und von Karsten Fehr gegen eine Übernahme der Bürgschaft aus, wobei sich die beiden Liberalen der Stimme enthielten. „Wir sind natürlich schwerstens enttäuscht, vor allem wegen des Fraktionszwanges“, konstatiert Ulrike Kessel. Aufgeben werde der Verein jedoch keineswegs. Die knappe Entscheidung des Verbandsgemeinderates sei noch nicht das endgültige Ende des Unkeler Freibades. „Wir lassen uns nicht entmutigen. Wir haben am 19. Dezember unsere Jahreshauptversammlung und da werden wir über einen Plan B sprechen. Wie der auch genau aussehen wird: Weiterkämpfen werden wir auf jeden Fall“, so das Fördervereinsmitglied. Zunächst gehe es um den von Bürgermeister Gerhard Hausen zugesicherten Bürgschaftsanteil der Stadt Unkel. Dann werde man weitersehen, ob man die fehlenden Gelder in der Wirtschaft auftreiben könne oder ob der Verein ein Bürgerbegehren anstrebe werde.

Absolut nicht nachvollziehen konnte die Entscheidung seiner Parteifreunde Werner Henneker, der die Ablehnung der Bürgschaftsübernahme als direkten Angriff auf seine Person wertete. „Die Begründung basierte ja vorwiegend auf dem Freibadbetrieb, den man dem Verein nicht zutraut. Auch wenn wir momentan noch nicht jede Zahl unseres Finanzierungsplans 100-prozentig belegen können, in den Griff bekommen würden wir den Betrieb allemal. Schließlich sind wir doch keine Traumtänzer“, ereiferte er sich nach der Ratssitzung. Deren Verlauf habe ihn so frustriert, dass er sich seiner augenblicklichen Stimmung entsprechend nicht vorstellen könne, weiterzumachen.

„Aber viele meiner Mitstreiter werden nach sieben Jahren intensiver Arbeit nicht aufgeben und sich wahrscheinlich auf die Suche nach Groß-Sponsoren machen“, so Werner Henneker. Weiter unterstützen, zumindest als Privatmann, will auch Karsten Fehr den Förderverein.

„So engagiert, wie er bisher gekämpft hat, bin ich ziemlich sicher, dass sein Plan B greifen wird“, gab auch er das Unkeler Freibad noch nicht gänzlich verloren.

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