Wie in den Vorjahren gab sich der Unkeler Stadtbürgermeister Gerhard Hausen dem Ansturm der Narren geschlagen
Unkel in der Hand von Prinzessin Lena I.
Unkel. „Leev Fraulöck, leev Kääls! Ech han jehürt, dat de Jecke met ihrem janze Schmölzje et aale Rothuus von Unkel am Sonndaach erobere wolle. Ävver losse mer net zo, dat mösse mer op jede Fall verhindere. Dröm mööt ihr all helefe, us Rothuss ze verteidije“, hatte Stadtbürgermeister Gerhard Hausen vor dem traditionellen Rathaussturm um Hilfe gefleht. Gekommen war natürlich sein Stellvertreter, „Rat-Hausmeister“ Wolfgang Plöger. „Keine Ausgaben mehr in Unkel. Nur noch Eigenleistungen!“, hatte er sich auf seinen Arbeitsanzug notiert, während auf der verrammelten Eingangstür zu lesen war: „Wind vom Asberg mach es klar, weh hinfort die Narrenschar!“ Die sammelte sich gerade nach der von Pfarrer Herbert Breuer zelebrierten Kölschen Mess vor Sankt Pantaleon, so dass sich zumindest die gläubigen Schraate sich klammheimlich wegschleichen konnten, um durch die Hintertür in Gerhard Hausens Heiligtum einzudringen. Da aber machte sich der Kontrahent des Stadtchefs, Alons Mußhoff, direkt daran, die Verteidigung zu sabotieren, indem er ausgehungert über das Wurfmaterial herfiel. Große Chancen, die Stellung zu behaupten, konnten Gerhard Hausen eh nicht einräumt werden angesichts des kleinen Häufchens ruder und schwatter Clowns und Hexen, Musketiere, Ritter und Piraten.
Herrliche Stimmung
Und schon führte das Musikkorps der KG die vereinigten Heerscharen von Prinzessin Lena I. vor das Rathaus, wo der Stadtchef sie und ihre „leev Jecke op d’r Strooss“ begrüßt wurde. „Mir sinn bejeistert von der herrlichen Stimmung un demm bunten Bild mit all de jecke Wiever von de Herzblättche, de Unkelsteincher bis zu de Heisterer Möhne“, versuchte er sich einzuschmeicheln. Natürlich grüßte Gerhard Hausen auch „dat Leevste, wat Unkel zur Ziet zu bete hät“, die Tollität mit ihren Pagen. Selbst dem Pastuur dankte er für de Kölsche Mess, auch wenn sich die Jecke dabei den Ablass für ihre Revolte geholte hatten. Ja er bot Herbert Breuer sogar die Einbürgerung an, um dann sein wahres Gesicht zu zeigen, wenn es nicht nach seinem Willen geht: „Ijr Schwächlinge, ihr Rabauke. Mer losse üsch he nit erin. Sojar us graue Iminenz, d’r Stadtarchivar Meitzner hätt sich he bei us verschanz“, wetterte er. Noch einmal versuchte er es im Guten. „Mit wollten ja en VG-Bauhoff. Dann hätte ihr die aal Wagenhalle unterm Tröötetempel bekommen. Äver hat han Üsch ja de Breitbacher mit ihrem eigene Bauhof versaut“, erinnerte er, ohne damit auf das Wohlwollen der Jecken zu stoßen. Die überließen es Manfred Mönch dem Stadtchef Paroli zu bieten. „Hür uff mir dem Wahlkampf-Jeschwäz. Mir hann keen Ziet mie. 48 Daach häste noch Zeit. Dann biste eh dran, mer han dich leid!“, kündigte er seinem roten Bruder eine Wahlniederlage gegen die Ahl Funz Muss-Hoffen an, nachdem ihn die Schwatten der VG mit ihrem Ehrenamtspreis umgekrempelt hatten. Ja sogar Präsident Markus Winkelbach hatte demm ruude Manni nen Maulkorb verpasst, was ihn zwar vom Zubeißen, nicht aber von bissigen Kommentaren abhielt. „Jetz wert Ihr äver e bisje unjemödlich mit dem Jeknalle. Dat kann uns keen Angst maache. Mir scheesse zerück“, kündigte Geraghrd Hausen an, der nach seinem Oppositionellen aus den eigene Reihen all die schwarzen Störche der Jejend gesammelt un die jääle Kröte jeschluck hätte, um dat Jetier dann am Asberch anzesiedele, damit sich da kein Windrad drehen könne. „Stattdessen versprichst de ne Bürgschaft für de Freibadsanierung. Maach doch ens ihrst en Schwimmkursus, damit sich jet üver Wasser haale kannst, di bleiern Ent“, spottete Manfred Mönch, um Gerhard Hausen dann zu einem Schunkeltänzchen vor der Rathaustür aufzufordern.
Die große Kapitulation
Der gab daraufhin den Verteidigern den Befehl, goldene Bärchen, Schoko-Puffreis und Chips auf die Angreifer hernieder regnen zu lassen, um diese dann seinerseits, durch einen Spalt an der Ratshaustür nem weißen Liebestöter schwenkend, im Stich zu lassen und den vereinigten Heerscharen gegen „mildernde Umschläge“ seine Kapitulation anzubieten.
Diese nahmen die Präsidenten Markus Winkelbach und Manfred Himmelbach umgehend, stürmte über die hohe Treppe das Rathaus, um Gerhard Hausen den Schlüssel seines Schraatentempels zu entreißen, den wenig später Lena I. triumphierend in die Höhe reckte. Bis Aschermittwoch war sie die unumstrittene Regentin der Kulturstadt am Rhein, in deren Kasse sie jedoch keinen einzigen roten Heller ausfindig machen konnte.
