Heimatverein Rheinbreitbach
Wie ein Museum entsteht
Bernd Hamacher scheidet nach 20 Jahren Ehrenamt als erster Vorsitzender aus
Rheinbreitbach. Wenn Bernd Hamacher, der scheidende Vorsitzende des Rheinbreitbacher Heimatvereins, sein Amt aufgibt, dann schaut er zurück auf beinahe 20 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit für den Verein, davon neun Jahre als Erster Vorsitzender. Angefangen hat er im Jahr 1994 als Archivar, der gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Alfred Hess den Bücherbestand des Vereins nach Sachgebieten geordnet und erfasst hat. Das ging damals alles noch per Hand - ohne EDV. Die Räumlichkeiten des Museums beschränkten sich anfangs nur auf die heutige Eingangshalle mit der daneben liegenden Schusterei. Die Halle beherbergte das Zeitungs- und Fotoarchiv sowie die Bücherei und zahlreiche Urkunden. Im zweiten Raum hatte sich alles Mögliche angesammelt: vom alten Kohleherd über diverse Küchengeräte und anderes Werkzeug bis hin zu ausgewachsenen landwirtschaftlichen Gerätschaften. Das Raumangebot reichte nicht aus, für eine ordnungsgemäße Archivierung der Bestände und eine ansprechende Präsentation der Exponate. Es wurde nach „standesgemäßen“ und größeren Räumlichkeiten gesucht. Als die Anpachtung des gesamten Hauses Hauptstraße 29 möglich wurde, griff der Verein zu. Eine Anschubspende von 50.000 DM durch Hamacher versetzte den Verein in die Lage, die notwendigen Renovierungs- und Umbaumaßnahmen mit Zustimmung des Ortsgemeinderats in Angriff zu nehmen. Mit viel Engagement und Eigenleistung aufseiten der Mitglieder ging man in den folgenden Jahren ans Werk. Mit Sachverstand und Gespür für die vorhandene historische Bausubstanz wurde das Haus peu á peu behutsam saniert und für die Öffentlichkeit hergerichtet. So entstanden in der ersten Etage: Kinderzimmer, Schulzimmer, Küche, Wohnstube und das Bergbauzimmer. Unten gibt es die Schusterei und Schneiderei, das Archiv und den sogenannten „Blauen Salon“, der als Versammlungsraum fungiert. Heute besichtigt der Besucher ein Museum, das in seiner Authentizität seinesgleichen sucht. Der Alltag der Menschen vergangener Jahrhunderte wird in den Räumen deutlich spürbar. Viele Rheinbreitbacher haben im Laufe der Zeit aus Ihren Häusern Erinnerungsstücke in das Museum gebracht und so zur Attraktivität und Glaubwürdigkeit der Ausstellungsräume beigetragen. Besonders für Kinder ist es eine einmalige Gelegenheit in die Welt der Vorfahren einzutauchen und sich ein Bild zu machen von deren früherem Leben. Inzwischen wurden auch die angrenzenden Stallungen und ehemaligen Wirtschaftsräume wieder hergestellt und eine Stellmacherei, eine Waschküche und eine Backstube konnten eingerichtet werden. Auf der zugepachteten Außenanlage des Museums wurde sogar ein Weinberg neu angelegt und mit zwei unterschiedlichen Rebsorten bepflanzt. Damit knüpft der Verein an die Tradition des Weinbaus im Ort wieder an. Auch ein landestypischer Bauerngarten mit Kräutern und Gemüsebeeten wurde angepflanzt und wird regelmäßig gepflegt. Alles wurde möglich gemacht durch Muskelkraft und Eigenmittel sowie Zuschüsse der Gemeinde, der örtlichen Jagdgenossenschaft und des Landkreises Neuwied. Beim Museumsfest auf dem Gelände des Vereins beweisen bis zu 800 Besucher wie beliebt und hoch geschätzt das Heimathaus im Ort und in der Umgebung ist.
Hierzu beigetragen hat auch ein attraktives Veranstaltungsprogramm, das viele Heimatfreunde jährlich zu Ausflügen in die nähere Umgebung anlockt. Nicht zu vergessen sind die insgesamt 18 Heimathefte zu ausgesuchten Themen des Ortes, die der Verein in den vergangenen Jahren herausgegeben hat. All dies ist ein Verdienst der Ära Hamacher und ihrer Mitstreiter und Mitstreiterinnen, zu denen auch Ehefrau Maria gehört, die mit Geschick und Organisationstalent immer dabei war und im Hintergrund manches Problem gemeistert hat.
