Polcher Bürgermeister Günter Schnitzler wehrt sich gegen die Vorwürfe des VfB Polch
„Das Leben besteht nicht nur aus Fußball“
Vertreter des Vereins beklagen den katastrophalen Zustand des Hartplatzes an der Aspeler Straße
Polch. Äußerlich wirkt er relativ gelassen, als er in seinem Büro im Stadthaus am Marktplatz sitzt. Dabei muss sich der Polcher Stadtbürgermeister Günter Schnitzler derzeit gegen Vorwürfe wehren, dass er und die Stadtspitze sich nicht um die „Verbesserungen der Situation auf den Sportstätten der Stadt Polch“ bemühen. So hatten sich der Vorstand des Gesamtvereins VfB Polch und der Jugendleitung der Fußballabteilung des VfB erst kürzlich in einem Offenen Brief, der unter anderem in „BLICK aktuell“ veröffentlicht wurde, an Stadtbürgermeister Günter Schnitzler, die Beigeordneten Hans Ziesemer, Bernd Gerardy und Heide Horsch und die Öffentlichkeit gewandt.
Vor allem der einstmals bei den Gegnern gefürchtete Hartplatz an der Aspeler Straße ist es, der den Verantwortlichen des VfB Polch große Sorgen bereitet, denn der sei mittlerweile in einem katastrophalen und völlig maroden Zustand, werde aber gerade in den Herbst- und Wintermonaten, wenn der Naturrasenplatz im Leo-Schönberg-Stadion über einen längeren Zeitraum gesperrt ist und seine Ruhephasen benötigt, unabdingbar als Ausweichplatz benötigt.
Passiert sei in der ganzen Zeit - nichts. „Seit Jahren drehen wir uns im Kreis“, gibt Dirk Strang, Beisitzer der Jugendabteilung des VfB Polch und vierfacher Familienvater, zu verstehen: „Wir hatten Gespräche, Gespräche, Gespräche. Getreu dem Motto: Wenn du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis. Wir als Verein haben der Stadt Polch Vorschläge über Vorschläge gemacht, aber getan hat sich nichts. Sogar Geld haben wir angeboten, selbst das wollte niemand. Wir wollen kein Tiki-Taka, wir wollen Lösungen.“
Wird der VfB Polch derzeit als Spielball zwischen den Fraktionen im Stadtrat zerrieben und immer wieder auf den ehemaligen Stadtbürgermeister Anton Reiter reduziert? Fragt sich derzeit der ein oder andere in Polch. Reiter ist bekanntlich Schnitzlers Vorgänger, gehört der CDU an und führt den Gesamtverein VfB Polch mit seinen zahlreichen Abteilungen als Vorsitzender. Weitere Pikanterie am Rande: Gerd Klasen, der neue CDU-Bürgermeisterkandidat, gehört dem Vorstand der Fußball-Abteilung als Beisitzer an. Offener Brief hier, Leserbrief da - kein Wunder, dass vor der Kommunalwahl bei diesem Thema die Giftpfeile nur so durch die Luft fliegen. Und mittendrin der VfB Polch.
Günter Schnitzler weiß um die schwierige Gemengelage. „Irgendwie hat es nie so richtig gepasst, der Verein und wir als Stadt haben trotz guter Konzepte und Ideen nie zueinandergefunden. Die Pläne waren da, kurze Zeit später hatten wir sie wieder aus den Augen verloren.“ Von umherfliegenden Giftpfeilen will er aber nichts wissen und beschwichtigt: „Die ganze Angelegenheit kocht zwar vor der Wahl hoch, aber irgendwie versucht halt jeder, bei mir Pflöcke einzurammen und mir ein Versprechen abzuringen. Mit mir kann jeder reden, aber der Ton ist, auf den VfB bezogen, schon grenzwertig. Ich kann fast die Uhr danach stellen: Einmal im Jahr scheppert es.“
Jugendleiter Frank Ehlers, der viele Stunden seiner spärlich bemessenen Freizeit für den fußballerischen Nachwuchs opfert, bringt die seit Jahren schwelende Auseinandersetzung gehörig auf die Palme.
„Was mir bei der ganzen Sache zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass überhaupt nicht erkannt wird, welche ehrenamtliche Arbeit hier geleistet wird“, gibt der zweifache Familienvater, dessen beiden Söhne ebenfalls beim VfB aktiv sind, zu bedenken. „In der heutigen Zeit ist es ja nicht unerheblich, fast 300 Jugendliche während der Woche und am Wochenende mal einfach so zu bespaßen.“ Es gehe ihm keinesfalls darum, parteipolitisch zu denken. „Uns interessiert nicht, was vor 15 oder vor 100 Jahren war. Toni Reiter spricht nur im Namen der Leute, die Sachverstand besitzen und die finanzielle Lage der Stadt realistisch einschätzen können.“
Ein weiteres Problem hat Bürgermeister Schnitzler erkannt: den Platzwart. „Er lässt sich nichts sagen und ist für einige beim VfB sicherlich ein rotes Tuch. Es mag auch an uns liegen, aber ich weiß beim besten Willen nicht, wie wir es verbessern sollen.“ Der VfB Polch müsse aber einsehen, dass die Stadt den Verein nicht besser stellen könne als andere. „Das Leben besteht nicht nur aus Fußball, ich muss das Leben für jedermann verträglicher gestalten“, gibt Schnitzler zu Protokoll und ergänzt: „Nach der Wahl müssen alle Vereine und wir als Stadt an einen Tisch.“ SK
