Politik | 01.10.2013

Bistum Trier

Vorbildliche Müllberge

Bolivianer informieren sich im Bistum Trier über Umwelt- und Klimaschutz

Antonio Ruiz (vorne), Amanda Villca, Magnus Brüning und Schwester Roxana Gutierrez auf dem Einschienhängebahn, die in den Stollen hinunter fährt.privat

Ochtendung. Die kleine bolivianisch-deutsche Gruppe steht am Rand des Vulkanschlots. Von unten wabern dicke, weiße Nebelschwaden herauf. Fast hätte der Ort etwas Mystisches, wäre da nicht der Lärm vieler LKW, die ihre Fracht auf dem Grund des Kraters entladen: Müll, Müll und noch mehr Müll. Zwischen Ochtendung und Bassenheim liegt die Zentraldeponie Eiterköpfe, die heute auf dem Programm von Antonio Ruiz, Amanda Villca und Schwester Roxana Gutierrez aus Bolivien steht. Gemeinsam mit neun anderen Teilnehmern haben sie im Rahmen der Bolivienpartnerschaft des Bistums Trier eine Fachreise nach Deutschland unternommen. Nach zwei Studientagen in Trier informieren sie sich derzeit über verschiedene Umwelt- und Klimaschutzprojekte im Bistum Trier - um sich auszutauschen und vielleicht einige Anregungen mit nach Hause zu nehmen.

Wie entsorgen die Deutschen ihren Müll? Das schauen sie sich an diesem Tag gemeinsam mit Deponie-Leiter Bernd Winter auf dem fast zwei Fußballfelder großen Areal der Zentraldeponie an. „Wir sortieren den Müll hier vor und transportieren ihn dann zu Verbrennungs- oder Recyclinganlagen“, erklärt Winter den bolivianischen Gästen. Oberstes Ziel sei die Müllvermeidung, dann die Wiederverwertung und erst zum Schluss die Verbrennung. 300.000 Tonnen im Jahr würden verbrannt - eine Zahl, die die südamerikanischen Gäste erstaunt. Für Antonio Ruiz, Leiter eines Zentrums zur Verbreitung nachhaltiger Technologien aus La Paz, stellen sich eine Menge Fragen: „Wie lange wird der Ort noch genutzt? - Wieso ist der Weitertransport des Abfalls billiger? - Was ist mit den entstehenden Gasen?“ Winter erklärt ausführlich, wie beispielsweise die Gase abgesaugt und verdichtet werden. „Wir gewinnen daraus Energie und können unseren Strombedarf komplett abdecken.“ Dann geht es ausgestattet mit Helm und Warnweste für die Bolivianer und die deutschen Begleiter Magnus Brüning, Nina und Britta Ketzner unter die Erde. Der Höhepunkt der Deponiebesichtigung ist zugleich der Tiefpunkt: Unter der Erde befindet sich ein Stollensystem, das das hochgiftige Sickerwasser sammelt und in eine Filteranlage pumpt. Am Ende mehrerer Reinigungsdurchgänge erreicht es fast Trinkwasserqualität. Vor allem die studierten Chemiker Antonio Ruiz und Amanda Villca, Dezernentin des Umweltamtes von La Paz, können hier ihre Fachfragen an Winter stellen.

Zurück bei Gastfamilie Ketzner in Bassenheim sagt Villca, sie habe vor allem die Herzlichkeit der Deutschen überrascht. „Für meine Arbeit war mir außerdem wichtig zu sehen, wie hier mit Thema Umweltschutz umgegangen wird, welche Gesetze es schon gibt.“ Ruiz fügt hinzu: „Ich wollte vor allem die deutsche Kultur und die Menschen erleben - leider ist die Zeit recht kurz und es ist nur ein kleiner Ausschnitt. An der Fachreise finde ich die Sicht der Kirche auf Umweltfragen interessant.“ Die bolivianische Bischofskonferenz hatte erst vor Kurzem den Umwelt- und Klimaschutz zu einem wichtigen Ziel erklärt. Schwester Gutierrez, Leiterin des Diözesan-Caritasverbandes von Oruro, findet das richtig: „Gott hat uns die Verantwortung für die Natur gegeben, deshalb sollten wir völkerübergreifend versuchen, sie zu bewahren.“ Die Partnerschaft des Bistums Trier mit der Kirche in Bolivien, existiert schon seit über 50 Jahren. Unter dem Motto „Die Erde ist für alle da“, findet im Bistum Trier von Samstag, 28. September, bis Sonntag, 6. Oktober, auch die Bolivienpartnerschaftswoche statt. Pressemitteilung

Bischöfliche Pressestelle

Redaktion Koblenz

Antonio Ruiz (vorne), Amanda Villca, Magnus Brüning und Schwester Roxana Gutierrez auf dem Einschienhängebahn, die in den Stollen hinunter fährt.Foto: privat

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