Allgemeine Berichte | 05.04.2013

Ungewisse Zukunft für das Ostbahnhofgebäude in Mayen

Die Lichter gehen wohl endgültig aus

Vermieter ist zu keiner Stellungnahme bereit

Wird immer mehr zu einem Schandfleck: Das Ostbahnhofgebäude in Mayen. GUN

Mayen. Das Ostbahnhofgebäude wird immer mehr zu einem Schandfleck der Stadt Mayen. In der Unterführung zu den Gleisen türmen sich immer wieder Müllsäcke, zum Teil entsorgen Bürger dort sogar Möbelstücke. Was waren das für Zeiten, als am Ostbahnhof in der dort ansässigen Gastronomie noch Feste gefeiert wurden, Karnevalsveranstaltungen über die Bühne gingen. Heute erinnert kaum noch etwas an die glorreiche Zeit, Fensterscheiben sind dort mit Pflastersteinen mutwillig zerstört, in ehemaligen Toilettenanlagen wird immer wieder Vandalismus betrieben. Ein Überbleibsel der guten und erfolgreichen Jahre am Ostbahnhof ist Karl-Heinz Hoffmann, der Vorsitzende des Eisenbahner Sportvereins (ESV) Mayen. Beim Rundgang durch das schäbige Gebäude kommt auch bei ihm Wehmut auf: „Es hängt viel Herzblut hier drin“, sagt Hoffmann. Hoffmann und die übrigen 51 Mitglieder des 1956 gegründeten Vereins müssen ihren Klub nun zum 30. Juni auflösen. Die Kosten für die dort gemietete Kegelbahn sollen nach einem Beschluss des Inhabers ins Unermessliche steigen.

Im Jahr 1887 wurde der Ostbahnhof errichtet, im Zweiten Weltkrieg zerstört, aber auch wieder aufgebaut. Im Jahr 2004 verkaufte die Deutsche Bahn das Gebäude und das Gelände an ein Konsortium aus England. Für zunächst 32 Cent/Quadratmeter und später 56 Cent/Quadratmeter mietete der ESV Mayen die dort im Keller intakte Kegelbahn. Mit viel Engagement und unzähligen Stunden an Eigenleistung hat sich der Verein dort ein nettes und gemütliches zu Hause geschaffen. Zwölf Kegelvereine gehen dort ihrem Sport nach. Damit wird zum 30. Juni aber Schluss sein. „Uns wurde ein Schreiben mit einem beiliegenden unterschriftreifen Vertrag zugesendet, in dem der Mietpreis von 56 Cent auf drei Euro steigen soll“, schildert Hoffmann. „Das können wir beim besten Willen nicht aufbringen.“ Der ESV Mayen finanziert sich aus den Mitgliedsbeiträgen sowie dem Verkauf von Getränken. Die monatlichen Kosten belaufen sich derzeit auf 400 Euro. „Das konnten wir verkraften“, so Hoffmann. „Nun würden die Kosten auf 800 Euro steigen.“

Zwar handelte Hoffmann den Preis noch herunter, im Gegenzug aber wollte der Besitzer die Fläche vergrößern. „Dann hätten wir auch noch Schnee räumen müssen“, sagt Hoffmann verärgert. Darüber hinaus sollte der Verein die Kosten für Reinigung und Pflege der Kegelbahn sowie der technischen Betreuung übernehmen. Die monatlichen Gesamtausgaben mit den zu erzielenden Einnahmen zu decken, das war für den Verein unmöglich. Nach eingehender Erörterung der Gesamtlage - unter Abwägung aller wirtschaftlichen Aspekte – wurde von der Mitgliederversammlung einstimmig beschlossen, den Verein zum 30. Juni aufzulösen. Mit dem Vereinsvermögen von 3.600 Euro würden alle Außenstände beglichen, das Restguthaben geht an den ESV-Dachverband. Als Abschluss wird die Vereinsmeisterschaft mit der Veranstaltung „Tanz in den Mai“ in der Nacht vom 30. April in den 1. Mai den Vereinssport beenden und voraussichtlich die Tore in Mayen für immer schließen. „Das ist der Dank dafür, dass wir hier alles in Ordnung gebracht haben und uns um alles kümmern“, sagt Hoffmann. Denn an den Vermieter sei nicht heranzukommen. Die Firma „Main Asset Management GmbH“ aus Bochum betreut im Auftrag des englischen Konsortiums das Gebäude in Mayen. Fragen zur Zukunft des Ostbahnhofs wollte die Firma nicht beantworten. „Vielen Dank für Ihre Anfrage. Wir beantworten leider keine Presseanfragen. Ich bitte um ihr Verständnis“, so die schriftliche Antwort auf RZ-Anfrage des dortigen Angestellten Lutz Schumacher. Hoffmann wundert das nicht: „Hier lässt sich nie jemand blicken. Ich glaube auch nicht, dass sich hier nochmals ein Mieter findet. Potenzielle Kunden hatten zuletzt auf Anfrage gar keine Antwort mehr erhalten“, so Hoffmann.

Nebenan bertreibt die Firma Bellinghausen seit 20 Jahren erfolgreich ein Sanitätshaus. „Auch wir sind von der Willkür der Mieterhöhung betroffen“, sagt Inhaber Gerd Bellinghausen. „Verhandlungen mit dem Vermieter laufen nur telefonisch oder schriftlich. Für uns gibt es wohl nur zwei Möglichkeiten: kaufen oder umziehen.“ Bis zum Mai müsse eine Entscheidung fallen. „Wir bleiben aktiv“, sagt er. Daran, dass es in sein Lager und manchmal auch ins Büro regnet, hat er sich beinahe schon gewöhnt. Der Grundzustand des Gebäudes lässt auch auf der 400 Quadratmetern gemieteten Fläche zu wünschen übrig. Die Zukunft der Firma Bellinghausen bleibt offen, die Zukunft des Ostbahnhofs ebenso.

Wird immer mehr zu einem Schandfleck: Das Ostbahnhofgebäude in Mayen. Foto: GUN

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