Laacher Forum führte an Grenzen der Naturwissenschaft
Die Welt der Physik
Professor Dr. Markolf H. Niemz auf einer Gratwanderung zwischen Wissenschaft, Spiritualität und Philosophie
Maria Laach. Auf eine abenteuerliche Gratwanderung zwischen Wissenschaft, Spiritualität und Philosophie führte Professor Dr. Markolf H. Niemz, Physiker und Professor für Medizintechnik, seine Zuhörerinnen und Zuhörer im Informationszentrum Maria Laach und stellte gleich zu Beginn klar, dass „wir Physiker mehr glauben als wir wissen.“ Irgendwann sei eine Widerlegung der Einsteinchen Relativitätstheorie durchaus denkbar. Diese Prämisse vorausschickend, stellte der Referent die Frage nach dem „Ich“. René Descartes „Ich denke, also bin ich“ helfe nicht weiter, setze doch die Feststellung „Ich denke“ bereits ein „Ich“ voraus. Dem schottische Philosophen und Ökonom David Hume folgend, nach dessen Vorstellung es „das Ich gar nicht gibt“, exsistiert für den Referenten keine Konstante, die mit dem „Ich“ gleichgesetzt werden könnte, sondern immer nur eine Abfolge von Sinneseindrücken. Professor Niemz: „Ein Siebzigjähriger ist nicht mehr derselbe Mensch, der er als Zehnjähriger war. Er hat andere Gedanken, andere Gefühle und sogar einen anderen Körper.“ Der französische Dichter Arthur Rimbaud begriff das „Ich“ als einen dynamischen Prozess: „Es ist falsch zu sagen: Ich denke. Man müsste sagen: es denkt mich.“ Nach diesem philosophischen Exkurs gab der Referent seine Definition: „Ich bin ein Fühlen und Lernen, das heißt ein Verb! Meine Zutaten sind mein Körper und meine Seele.“ In Bezug zu Raum und Zeit sagte Niemz: „Dass Raum und Zeit gemeinsam mit dem Urknall entstanden seien, halte ich inzwischen für logisch falsch. Raum und Zeit können nicht entstehen, weil sie sich selbst voraussetzen. Jedes Entstehen - also auch das Entstehen von Zeit - ist ein Sein, und jedes Sein setzt die Existenz von Zeit voraus.“ Gleiches gelte auch für den Raum. „Die Physik kann Gesetzmäßigkeiten im Universum beschreiben, aber sie kann nicht begründen, warum sie so sind, wie sie sind.“ Für den Physiker existiert kein „Außerhalb des Universums“ und damit auch kein personaler christlicher Schöpfergott. „Gott“ bedeutet für den Referenten „Energie“. Offensichtlich bleibt bei Niemz ausschließlicher Beschäftigung mit Materie und Energie das Vertrauen auf die Existenz eines personalen, dreifaltigen Gott verschlossen. Wohltuend in diesem Zusammenhang, dass der Referent auch diese Theorie als eine nicht beweisbare These eines Physikers formulierte. Selbst der Urknall sei nicht bewiesen. Was aber hat ein Naturwissenschaftler zum Thema Ewigkeit zu sagen? Für Professor Dr. Markolf H. Niemz ist „Ewigkeit eine Perspektive des Lichts“ und „Licht eine Art Weltgedächtnis, ein Buch, dessen Autoren wir alle sind.“ Über diese Definition können auch Nahtoderfahrungen erklärt werden, die ein Wissen von früheren oder sogar zukünftigen Ereignissen vermitteln, führte der Referent aus: „Meine Auffassung von Ewigkeit ist nicht bloß im Einklang mit Physik und Mystik, sondern auch mit Religion und moderner Sterbeforschung. Viele Theologen stimmen mir zu, wenn ich Ewigkeit als "Allgegenwart" begreife. Sterbende berichten häufig von einem warmen Licht und einer veränderten Wahrnehmung von Raum und Zeit.“ In dieser These berühren sich Physik und Theologie, Stoff für eine engagierte und kontrovers geführte Diskussion. Und es spricht für Professor Dr. Markolf H. Niemz, dass er für dieses abschließende Gespräch viel Zeit mitgebracht hatte, sodass dieser Laacher Forum spät in der Nacht endete. Da kamen an Naturwissenschaft und Grenzwissenschaft Interessierte voll auf ihre Kosten.
