Alte Große Mayener KG hatte zur Mitgliederversammlung eingeladen
Steuerberater Mittler: „Alles, was ich ermittelt habe, war plausibel!“
Gemeinnützigkeit für drei Jahre anerkannt - Neuer Vorstand hat seine Hausaufgaben gemacht
Mayen. Aber der Reihe nach: Zur Mitgliederversammlung am Freitagabend hatten sich 71 stimmberechtigte Mitglieder und drei Gäste, unter diesen auch Oberbürgermeister Wolfgang Treis, eingefunden. Zum ersten Mal leitete der neue Präsident Christoph Schwab die Versammlung und machte seine Sache sehr souverän. Nach der ausführlichen Begrüßung und anschließenden Totenehrung, in der den verstorbenen Ex-Prinzen Ali Schatz und Toni Kaes sowohl dem Ehrenmitglied Veronika Fischer gedacht wurde, übergab Schwab das Wort an Geschäftsführer Ulli Halbfeld, der die letzten Monate Revue passieren ließ.
So habe der neue Vorstand nach der Wahl vor 11 Monaten sofort mit der Aufarbeitung der Finanz- und Kassenmisere begonnen und alles unternommen, um schnell Klarheit in die Sache zu bringen. Halbfeld übergab das Wort sodann an Steuerberater Mittler, der in der Folge einen fachlichen Bericht zu den Jahren 04/2008 bis 07/2012 abgab.
Außerdem schilderte Günter Mittler im Groben, wie man nach der Sitzung 2012 vorgegangen war: „Nach der Sitzung sind wir zum Finanzamt gegangen, um dort die nötigen Steuererklärungen abzugeben“, berichtete er.
Am 1.6.2012 sei dann bei Kripo, Steuerfahndung, Finanzamt Mayen und Staatsanwaltschaft eine anonyme Anzeige eingegangen, die sehr detailliert über die Vorgänge im Verein berichtet habe. Danach habe er regelmäßig Kontakt zur Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung gehabt und sei hauptsächlich mit drei Dingen beschäftigt gewesen: Einmal mit der Frage der Gemeinnützigkeit und des Spendenabzugs, dann die Nacherklärung von Einkünften, das Fehlen von Einkünften sowie der Korrektur von Steuererklärungen und drittens der Frage: Gab es Untreue, gab es Unterschlagungen?
Zum Thema „Gemeinnützigkeit“ erläuterte Mittler: „Es gibt mittlerweile Veranlagungen zu 2009, 2010, 2011. Wir haben die Steuererklärung eingereicht für 2012, wir haben für drei Jahre die Gemeinnützigkeit anerkannt bekommen und ich bin mir auch sicher, dass wir für 2012 ebenfalls die Gemeinnützigkeit anerkannt bekommen. Ich sage heute ganz sicher: Es gibt kein Problem mit dem Spendenabzug. Keiner, der irgendwann gespendet hat, wird damit Probleme bekommen. Das Thema ist für mich erledigt.“
Mittler: „Wir sind überall gut bei
In Bezug auf die Nacherklärung merkte Mittler an, dass hier nicht nur Einnahmen, sondern auch Ausgaben nach zu erklären waren. Das habe im Jahr 2009 zu einer Nachzahlung von 1000 Euro geführt, damit war das Jahr abgeschlossen. „Die Einnahmen, die fehlten von 2010 wurden direkt mit der Erklärung abgegeben und führten in 2010 zu einer Nachzahlung von unter 3000 Euro. Wir sprechen also von Steuerabgaben von 4000 Euro, die schon bezahlt sind“, so Mittler.
Nun werde eine Betriebsprüfung durchgeführt, bei der er von keinen wesentlichen Abweichungen ausgehe und der er ganz gelassen entgegen sehe. Wenn, gehe es nur um das Thema, wie man einzelne Zuordnungen in der Erklärung vorgenommen habe.
„Ich gehe nicht davon aus, dass es weitere größere Nachzahlungen gibt!“ Betonte Mittler. Zur Frage „Gab es Untreue, gab es Unterschlagungen?“ habe er Termine mit der Staatsanwaltschaft gehabt.
Schon im April und Mai 2012 habe er keine Unterschlagung feststellen können. Einnahmen und Ausgaben standen alle im Verhältnis.
„Ich konnte das sehr gut nachrechnen und vergleichen, auch mit den Jahren 2011/2012, und 2013 gab es dann auch die Bestätigung, da sage ich auch heute sehr klar: Da wird keiner irgendwas finden!“ Hieß es von Steuerberater Mittler in deutlichen Worten an Vorstand und Versammlung gerichtet. Das, was er ermittelt habe, sei sehr plausibel. Da werde nichts kommen in dem Bereich „Unterschlagung“. Auch die Aushilfen seien nach gemeldet worden, einmal bei der Knappschaft und einmal dem Finanzamt, was zu einer Nachzahlung von 1400 Euro führte. Ebenfalls entrichtet worden sei die Künstlersozialabgabe.
„Im Augenblick sind wir also überall bei und das sehr ordentlich“, so Mittler. Nach Abschluss aller Untersuchungen werde umgehend zu einer außerordentliche Mitgliederversammlung eingeladen, um, wie es sich gehört, alle Mitglieder über die Ergebnisse zu informieren und auch den Vorstand aus dem besagten Jahre zu entlasten und damit dann für den Verein die Sache zu Ende zu bringen. Das stellte Präsident Christoph Schwab in Aussicht.
Nach weiteren Ausführungen von Geschäftsführer Ulli Halbfeld, der u.a. von der erfolgreichen und tollen Session 2012/2013 unter Prinz Sascha I. berichtete. Er gab der Hoffnung Ausdruck, „dass zukünftig wieder alle Karnevalisten an einem Strang ziehen, aber bitte in die gleiche Richtung! Seinen Vortrag schloss er mit den schönen Worten „Allen wohl und niemand weh, dass ist das Alte Große ABC.“
Halle für den Komiteewagen musste angemietet werden
Es folgte der Bericht von Michael Faber, der am 27.7.2012 seine Vorstandstätigkeit als Schatzmeister aufgenommen hatte. Detailliert gab er Einblicke in die Kassenbewegungen.
Eine große Position bei den Kosten nahm auch 2013 der Rosenmontagszug mit rund 16.035 Euro ein. Auch musste eine Halle für den Komiteewagen angemietet werden, was mit 2.680 Euro zu Buche schlug. Den Einnahmen von rund 78.490 Euro standen insgesamt Ausgaben von gerundet 96.084 Euro gegenüber. Es ergibt sich eine Differenz von 17.500 Euro. Die Zahlen von Steuer und Kosten für den Komiteewagen ausgeklammert, ist die Session 2012/2013, so Faber, Kassen mäßig ausgeglichen.
Es folgte der Bericht der Kassenprüfer, Wulf Cornelius, Ferd Faber sowie Irmtraud Rudolph, Letztgenannte konnten an diesem Abend leider nicht zugegen sein. Cornelius bescheinigte dem Schatzmeister eine überaus ordnungsgemäße Kassenführung und empfahl der Mitgliederversammlung die Entlastung des Gesamtvorstandes, die unter Punkt 6 erfolgte.
Die gewählten Kassenprüfer wurden 2012 für zwei Jahre gewählt und bleiben noch für ein weiteres Jahr im Amt.
Nach der unter Punkt 7 erfolgten Satzungsänderung, die nach der Vorgabe des Vereinsregisters Koblenz nötig geworden war, und auch von der Versammlung einstimmig verabschiedet wurde, kam es unter Top 10 zur einzelnen Wahl von insgesamt 8 Beisitzern. Die 2012 zusammengefasste Wahl der Beisitzer war vom Vereinsregister moniert worden. Nicht mehr zu Wahl stand die im letzten Jahr gewählte Obermöhn Erika Keuser, die von Christoph Schwab und Jürgen Stolz mit einem Blumenstrauß aus dem Vorstand verabschiedet wurde. Vom Vorstand vorgeschlagen und gewählt wurden im Einzelnen als Beisitzer: Manfred Friese, Hans Molitor, Mike Flinsch, Harry Mußweiler, Bernd Rothbrust, Stefan Herod, Sierk Stern und Heinz Spurzem.
Zuvor waren unter Punkt 9 bereits Uli Walsdorf als stellvertretender Geschäftsführer und Sascha Flinsch als stellvertretender Schatzmeister wiedergewählt worden.
Ein Dank an Peter Hermann gerichtet
Unter Punkt „Verschiedenes“ war es Präsident Christoph Schwab ein besonderes Bedürfnis, längst überfällige Worte des Dankes los zu werden, und zwar gerichtet an seinen Vorgänger im Amt, Peter Hermann. „Ich habe gelernt, dass es nie zu spät ist, Danke zu sagen, und das möchte ich, lieber Peter, an dieser Stelle heute tun. Als Präsident möchte ich mich bei dir für deine Arbeit bedanken. Unter deiner Führung sind wir mit der Alten Großen ein großes Stück voran gekommen, Du hast viel, viel Kraft und viel, viel Zeit, in der dich auch deine Frau entbehren musste, in den Verein gesteckt. Daher für dich an dieser Stelle: Danke dafür!“
Abschließend gab Präsident Christoph Schwab noch einige Termine für die kommende Session bekannt: Samstag, 9.11. 2013 Prinzenvorstellung in der Halle 129, Montag, 11.11.2013 Sessionseröffnung auf dem Marktplatz, Sonntag, 12. Januar 2014 Prinzenproklamation im neuen Rathaus mit vorheriger Verleihung des städtischen Verdienstordens, 1. Februar Prinzenkrönung. Ungeklärt sei nach wie vor, so Schwab, die Frage, wie es mit den Saalveranstaltungen des Vereins weitergehe. Ein Dank richtete Schwab in diesem Zusammenhang an OB Treis und an die bei der Stadt eingebundenen Mitarbeiter, mit denen man sich mehrfach getroffen habe, um Ausweichmöglichkeiten zu finden.
„Wir haben ein Ziel vor Augen, können darüber aber jetzt noch nicht sprechen. Ich bin mir aber ganz sicher, dass wir für die kommende(n) Tollität(en) einen würdigen Rahmen für die Prinzenkrönung finden werden“, so Schwab, der an das Verständnis der Versammlung appellierte, dass er mehr dazu nicht vor der Sommerpause preisgeben könne.
Auch für die am Sonntag, den 23. Februar terminierte Herrensitzung sei man, was den Veranstaltungsort angehe, auf der Zielgeraden. Der Höhepunkt, der Rosenmontagszug zieht am 3. März 2014 durch die Innenstadt.
Im Namen des Vorstandes bedankte sich Schwab bei allen Mitgliedern für ihr Kommen und schloss die Mitgliederversammlung 2013 mit einem dreifach kräftigen „Mayen Mayoh“.
Fast ein Jahr ist es her, da ging es im Saal des „Alten Fritz“ hoch her, als die Alte Große Mayener Karnevalsgesellschaft zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung einladen musste. Am vergangenen Freitagabend nun sah alles danach aus, als wäre wieder Ruhe eingekehrt, und das nicht nur, weil der neue Vorstand sein Versprechen nach konsequenter Aufklärung und Untersuchung eingehalten hat, sondern auch, weil einfach nichts dran war, an den unglaublichen Vorwürfen rund um die Finanz- und Kassenführung, die damals gegen den damaligen Alte Große Präsident Peter Hermann und seinen Vorstand im Raum standen und die nach der Versammlung 2012 auch noch durch eine anonyme Anzeige bei Kripo, Steuerfahndung, Finanzamt und Staatsanwaltschaft forciert wurden. Schon in dieser Sitzung 2012 hatte der von der Alten Großen beauftragte Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Günter Mittler aus Mendig vorausgesagt, dass er nach ersten Einblicken in die Unterlagen nicht glaube, dass man in Bezug auf die Anschuldigen etwas finden werde und sprach bereits zu diesem Zeitpunkt von Vorgängen, wie sie in fast jedem Verein üblich sind (Blick aktuell berichtete ausführlich). Mittler konnte bei der Versammlung am Freitagabend seine im Vorjahr getätigte Aussage nur noch mehr unterstreichen.
Steuerberater Günter Mittler bekräftigte seine Aussagen aus 2012: „Alles, was ich ermittelt habe war plausibel!“
Zum ersten Male leitete Christoph Schwab als neuer Präsident der „Alten Großen“ die Mitgliederversammlung.
Als Beisitzerin ausgeschieden war Obermöhn Erika Keuser. Blumen als Dankeschön gab´s von Präsident Christoph Schwab (r.) und Vizepräsident Jürgen Stolz.
