Adventliches Konzert in der Villa Bellestate
Beethoven, Schubert und Brahms in Holzweiler
Fabian Müller faszinierte mit Klaviermusik beim Grafschafter Kunstverein
Grafschaft-Holzweiler. Auf Einladung des Grafschafter Kunstvereins gastierte jetzt Fabian Müller im Konzertsalon der Villa Bellestate. Der in Bonn geborene, international preisgekrönte und äußerst erfolgreiche Pianist brachte Klaviermusik von Johannes Brahms, Ludwig van Beethoven und Franz Schubert zu seiner Sonntags-Matinee mit.
„Bagatellen“ sind im allgemeinen Sprachgebrauch zu vernachlässigende Kleinigkeiten. Fabian Müller bestritt mit Bagatellen von Beethoven und Brahms jetzt die komplette erste Hälfte seines adventlichen Konzerts in der Villa des Ehepaares Prof. Dr. Gisela und Dr. Peter Maerker. Die Werkgruppen Opus 10 von Johannes Brahms und Opus 33 von Ludwig van Beethoven sind, wie Klassikfreunde wissen, keineswegs Kleinigkeiten, sondern hoch spannende Formate zeitloser und absolut meisterlich komponierter Musik. Frei von dem immanenten Bezügen der Großformen wie etwa der Sonate, konnten die beiden Ikonen der deutschen Klassik und Romantik sich ganz von den Impulsen ihres jeweiligen thematischen Materials tragen lassen.
Der 28 Jahre alte Fabian Müller spielte ruhig und souverän, mit selbstverständlicher Technik und perlendem Spiel. Durch seinen feinfühligen Anschlag brachte er den schönen Bösendorfer-Flügel im Maerker’schen Salon regelrecht zum Singen.
Es war eine spirituelle Adventserfahrung jenseits jeder religiösen Dogmatik: Innere Einkehr, ein meditatives In-Sich-Ankommen führte wie von selbst zum wohltuenden Abflauen jeglicher Jahresend-Hektik. Nach der Pause erklang Franz Schuberts Sonate c-Moll Nr. 19, Deutsch-Verzeichnis 958, von 1828, dem Todesjahr des Komponisten. Zu ihrer Entstehungszeit standen Schuberts letzte drei Klaviersonaten so sehr im Schatten anderer Musik, dass sie erst zehn Jahre später im Druck erschienen. Heute wird die c-Moll-Sonate längst zu seinen wichtigsten und reifsten Werken überhaupt gezählt.
Die über weite Strecken trotz der „dramatischen“ Tonart nach innen gerichtete Emotionalität schloss dadurch sehr sinnfällig an die erste Konzerthälfte an. Fabian Müller zeigte seinem Publikum die volle Größe von Schuberts herrlicher Komposition. Er nahm sich Zeit für kostbare thematische Details, bewies beeindruckende Spielkultur, namentlich in den polyfonen Passagen, und wahrte auch in den dramatischen Werkteilen der viersätzigen Sonate klassische Ausgewogenheit.
Seine Interpretation atmete in jedem Moment Hingabe und Spielfreude. Er stellt sich bescheiden in den Dienst der Musik und hat dabei hörbar viel Spaß. In der Zugabe bezauberte Müller mit dem „Wiegenlied“ von Johannes Brahms, dem zum Volkslied geadelten „Guten Abend, gute Nacht“. „Schade, dass es schon vorbei ist“, sagte eine Besucherin und verlieh damit der allgemeinen Stimmung Ausdruck.
