Selbsterfahrung mit dem Alterssimulationsanzug GERT
Die Lebenswelt der Senioren einen Tag lang erfahren
Meckenheim. „Wie fühlt sich die Lebenswelt unserer Bewohner wohl an?“ fragen sich die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen des Johanniterstifts Meckenheim häufig während ihres Dienstes für und mit den Senioren im Heim. Antworten darauf brachte eine Selbsterfahrung mit GERT – einem Alterssimulationsanzug.
Ende September bot das Johanniterstift Meckenheim der Gruppe der ehrenamtlich tätigen „Grünen Damen“ eine Fortbildung der besonderen Art an. Einrichtungsleitung Sabine Steinbach und Pflegedienstleitung Melanie Schneider hießen rund zwölf interessierte Damen und Herren willkommen, um ihnen anhand eines Alterssimulationsanzuges die körperlichen Veränderungen alter Menschen näherzubringen. Der Anzug mit dem Fachnamen GERT (gerontologischer Testanzug) besteht aus verschiedenen Bandagen und Gewichtelementen, die die körperlichen Veränderungen des Alters nachspüren lassen. Eine speziell präparierte Brille ahmt Seheinschränkungen nach, während Kopfhörer eine Hochtonschwerhörigkeit simulieren. Nach einleitenden, erklärenden Worten lud Frau Schneider die Zuhörer dazu ein, den Anzug selbst auszuprobieren. Fast alle Anwesenden wagten den Selbstversuch. Ein kleiner Parcours aus Treppensteigen, Wäsche falten oder Zeitung lesen verdeutlichte den Teilnehmern eindrücklich, inwieweit die alten Menschen auch bei kleinen Handlungen in ihrer Wahrnehmung und Beweglichkeit eingeschränkt sein können.
Der Anzug wurde der Johanniter Schwesternschaft von der Rheinischen Genossenschaft des Johanniterordens zu Schulungszwecken in den verschiedenen Johannitereinrichtungen gespendet. Johanniterschwestern sind als Pflegefachkräfte in verschiedensten Einrichtungen des Gesundheitswesens tätig und nehmen innerhalb des Ordens eine wichtige Stellung hinsichtlich der Fort- und Weiterbildung ein. Frau Steinbach und Frau Schneider, beide Mitglieder der Johanniter Schwesternschaft, waren sich sofort einig: „Hier im Stift kann GERT bei Schulungszwecken sehr hilfreich sein“.
Frau Seebens, die Leiterin der „Grünen Damen“ des Stifts, war begeistert von der Idee, eine Schulung mit dem Simulationsanzug für die Ehrenamtler anzubieten. „Das war für alle Teilnehmer eine ganz außergewöhnliche, nachhaltige Erfahrung, die uns in unserer Arbeit mit den alten Menschen gut unterstützt“, so Frau Seebens. Und eine andere Teilnehmerin resümierte: „Jetzt versteh ich viel besser, wie beschwerlich der Alltag der hier lebenden Senioren ist“.
