Frauentreff Meckenheim e.V.
Interessantes von Kirche, Königen und Kesselflickern
Meckenheim. Der Frauentreff Meckenheim hatte zu einem Vortrag mit Foto-Schau, präsentiert von dem Bonner Historiker Rainer Selmann, eingeladen. 20 Frauen waren gekommen, um den spannenden Geschichten von Herrn Selmann zu lauschen. Wo die Hirzemännchen (Zwerge) ehemals die Gräber der Franken bewachten, ließ sich Arnold von Wied, Erzbischof von Köln, 1149 seine Grabeskirche erbauen. Seine sterblichen Überreste befinden sich nicht unter seiner Grabplatte, sondern im Chor des Vierungsturmes, wie sich später herausstellte. Im Chorraum der Unterkirche sieht man ins „himmliche Jerusalem“ in der Oberkirche. Die Stummorgel wurde im Jahre 1728 gebaut und 1936 von der Firma Klais überarbeitet. Hinter der Orgel befinden sich die vier Evangelisten. Als 1794 die Franzosen Schwarzrheindorf besetzten, diente der untere Teil der Kirche als Pferdestall, der Taufstein als Futtertrog. Nach Abzug der Franzosen wurde der Taufstein in der Oberkirche aufgestellt.
Von einem Beschuss der Bayern im Jahre 1583 stecken noch immer drei Kanonenkugeln in der Wand des Pfarrhauses. Die romanische Doppelkirche hat eine Zwerggalerie im 1. Stock, die - schön bunt angemalt - schon von Weitem zu erkennen ist. Der zweite Teil des Vortrags war den prunkvollen Sinti- und Romagräbern auf dem Beueler Friedhof gewidmet. Jedes Jahr an Allerheiligen kommen ihre Angehörigen von nah und fern. Dann wird gemeinsam gegessen, getrunken und der Toten gedacht. Deswegen wurden Tische und Bänke am Rande der prunkvollen Monumente aufgestellt. Die „Straße der Kesselflicker“ hat dunkle Grabstätten aus schwarzem Granit, die Pferdehändler erhielten weiße Gräber. Einige Gräber sind mit einer naturgetreuen Darstellung der Verstorbenen in Lebensgröße verziert. Auch findet man viel Blumenschmuck, große Kerzen, allerlei Beigaben und große Madonnenskulpturen vor, da das „fahrende Volk“ die Schwarze Madonna von Ägypten und die drei Marien von Saint Marie de la Mer verehrt. Eine Gruft wird komplett aus Marmor gemauert. Ein kurzes, krummes Rohr schaut daraus hervor, aus dem der „Geist des Verstorbenen“ noch entweichen kann. Besonders zu erwähnen ist das Mausoleum von Ferko Czori, dem König der Roma. Es ist aus indischem Granit und hat eine tonnenschwere, goldverzierte Krone aus schwarzem Marmor. Gleich daneben steht sein Standbild, das ein Künstler direkt im Steinbruch von Carrara aus weißem Marmor - nach einem Bild - gefertigt hat. Die Frauen waren von dem Vortrag begeistert. Das anschließende Kaffeetrinken rundete den interessanten Nachmittag ab.
