Allgemeine Berichte | 12.11.2015

Meckenheim gedenkt der Novemberpogrome 1938

„Vergesst nur nicht, wenn wir auch nimmer wiederkehren“

Bürgerinnen und Bürger nehmen regen Anteil an der Gedenkstunde

Bürgermeister Spilles und seine Vertreter, Heidi Wiens und Michael Sperling (v.l.), legen einen Kranz nieder am Denkmal auf dem Synagogenplatz.Stein

Meckenheim. Wie seit vielen Jahren gestalteten die Zehntklässler der Geschwister-Scholl-Hauptschule auch in diesem Jahr die Gedenkstunde am Gedenkstein der ehemaligen Synagoge. Die Schülerinnen und Schüler Dina Sammatou, Sertan Topal, Denise Rucha, Dave Zernickel trugen Gedichte und Texte vor, die sie mit ihrer Klassenlehrerin Christiane Welge ausgesucht hatten. Darunter das Gedicht von Peter David: „Vergesst nur nicht, wenn wir auch nimmer wiederkehren“ oder das Friedensgebet: „Wir gedenken der Opfer der Shoa. Weil sie Juden waren.“ Bürgermeister Bert Spilles erinnerte in seiner Ansprache an Minna Pincus, geborene Mendel, die vor 77 Jahren am 9. November zusammen mit ihren Eltern und Großeltern vor den Trümmern ihres Hauses in der Bonner Straße stand. Sie selbst hat den Holocaust überlebt und weilt heute in Santiago in Chile. 2008 berichtete sie in ihrer neuen Heimat über das Schreckliche, was ihr widerfahren war. Für sie war es unfassbar, dass Nachbarn und Freunde vor ihrem Haus standen und schwiegen, sich nicht rührten und niemand ihnen zu Hilfe kam. „Sie glotzten nur“, so Frau Pincus. Für Bert Spilles und die zahlreich erschienen Bürgerinnen und Bürger, Mitglieder des Rates, der Fraktionen und der Verwaltung bedeutet dieser Abend Erinnerung und Gedächtnis. „Es bedeutet Gedenken an die Opfer. Es bedeutet die Entwürdigten wieder ins Recht zu setzen, es bedeutet aber auch Erinnerung an die Taten und Täter“, so Spilles.

Meckenheimer Nazis

Die Frage, ob sich die Pogromnacht überlebt hat, beantwortet der Bürgermeister mit: „Nein, ganz im Gegenteil.“ Weiterhin erinnerte er an die Reichstagswahl 1932, wo 262 Meckenheimer für die Nazis stimmten und im März 1933 die Zahl der Naziwähler schon auf circa 800 gestiegen war.

Dass Meckenheim auch viele Nazi-Mitläufer hatte, kommt zum Ausdruck, als eine Einwohnerin das Haus von deportierten Juden erwarb und den Ausspruch tat: „Hier riecht es noch nach Juden“.

Bert Spilles lenkte anschließend den Blick auf die Gegenwart und warnte vor Gewalt und antisemitischen und rechtsradikalen Einstellungen. Die Zunahme von antisemitischen Straftaten ist 2014 allein in NRW auf 349 gestiegen, der höchste Wert seit 10 Jahren. Zum Schluss gibt er seinen Zuhörerinnen und Zuhörern noch mit auf den Weg: „Wer bei Rechtsradikalen mitläuft, ist mit dafür verantwortlich, was danach kommt. Für Angriffe auf jüdische Bürger, brennende Asylantenheime, Verletzte und Angriffe auf Politiker und Journalisten. Unser Nein muss ein Zeichen setzen.“

Ein Dank ging an die Polizei für die Verkehrsregelung an diesem Abend, an die Stadtsoldaten für Tontechnik, an die Freiwillige Feuerwehr Meckenheim für die Ehrenformation, an Christiane Welge von der Hauptschule, an Raimund Schink, der sich ganzjährig um die Gedenkstätte am Synagogenplatz kümmert. Last but not least bedankte sich der Bürgermeister bei Herrn Gottmann, der das Schlusslied „Wir sind die Moorsoldaten“ musikalisch auf der Gitarre begleitete. Nach der Gedenkstunde waren alle Anwesenden eingeladen zur Filmvorführung: „Auschwitz vor Gericht“. Am 20. Dezember 1963 begann vor dem Landgericht Frankfurt a. M. der Ausschwitz-Prozess. 21 Angehörige der Waffen SS hatten nach dem Krieg ein ganz normales Leben führen können. Nun konfrontierte man sie mit den Aussagen ihrer Opfer von einst. Die Recherchen von Rolf Bickel und Dietrich Wagner geben einen genauen, wenn auch traurigen Einblick in das Geschehen der Hitlerzeit. In diese Reihe gehört auch der derzeitige Kinofilm „Der Staat gegen Fritz Bauer.“

Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Hauptschule tragen Gedichte und Texte vor.

Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Hauptschule tragen Gedichte und Texte vor.

Bürgermeister Spilles und seine Vertreter, Heidi Wiens und Michael Sperling (v.l.), legen einen Kranz nieder am Denkmal auf dem Synagogenplatz.Fotos: Stein

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