Meckenheimer Stadtmuseum erinnert an „25 Jahre Deutsche Einheit“
„Wir sind das Volk“
Exponate im Herrenhaus Burg Altendorf dokumentieren Wiedervereinigung
Meckenheim. „Die Mauer ist gefallen? Du spinnst wohl, das gibt´s nicht.“ So oder ähnlich reagierten fast alle Deutschen, als sie am 9. November 1989 hörten, dass die Grenze offen sei. "Wir schalteten die Radios ein, sahen im Fernsehen jubelnde Ossis und freudetaumelnde Wessis. Wildfremde lagen sich in den Armen, wir begrüßten die ersten Trabis auf unseren Straßen mit lautem 'Herzlich willkommen'.“
Impulse geben
Das ist nun 25 Jahre her, die erste Euphorie ist Ernüchterung gewichen, es gibt neben all der noch heute herrschenden Freude auch Sorgen um Finanzen, unterschiedliche Löhne, höhere Arbeitslosigkeit im Osten. Die so einschneidende Zeit des Mauerfalls und des Zusammenwachsens der beiden deutschen Staaten greift jetzt das Meckenheimer Stadtmuseum und Kulturforum bei seiner Sonderausstellung „2015 – 25 Jahre Deutsche Einheit“ im Herrenhaus Burg Altendorf auf. In beeindruckenden Exponaten erinnern die Heimatforscher und Geschichtsinteressierten des etwa 50 Mitglieder starken Vereins in Impulsen an die Geschehnisse um den 9. November. „Wir wollen Impulse geben. Denn wir können nicht die gesamte Entwicklung bis zur Einheit nachzeichnen, sondern stoßen nur an. In den Köpfen der Besucher sollen die Bilder von damals wieder entstehen. Jeder hat den 9. November anders erlebt. Aber fast jeder erinnert sich an diesen einschneidenden Tag der deutschen Geschichte mit Freude“, erklärte Dr. h.c. Jörg Köpke bei der Eröffnung der Ausstellung. Der Vorsitzende des Stadtmuseums und Kulturforums erinnerte sich auch an ganz persönliche Ereignisse, die er mit der Maueröffnung verband. Und er sprach noch einmal einige Stationen der Zeit an, die zur Wiedervereinigung führten.
Die eigentlichen Helden...
„Präsident Gorbatschow, Bundeskanzler Kohl und US-Präsident Busch waren es, die in diesen Tagen das Heft in die Hand nahmen und die Öffnung der Grenze möglich machten. Die eigentlichen Helden der friedlichen Revolution waren aber die Menschen in Ostdeutschland, der DDR, die mutig unter persönlicher Gefahr einer unberechenbaren Staatsmacht trotzten. Diese Menschen, ausgehend von der Nikolaikirche in Leipzig, sorgten durch ihre Friedensgebete und die Montagsdemonstrationen dafür, dass die Flamme der Freiheit schnell unauslöschbar wurde“, dankte Dr. Jörg Köpke. Als der Vorsitzende das bekannte „Wir sind ein Volk“ nannte, lief den Gästen der Vernissage auch 25 Jahre später noch ein Schauer über den Rücken. Vizebürgermeisterin Heidi Wiens nahm dann mit dem Vorsitzenden gemeinsam die Eröffnung der Ausstellung vor.
IM - "Inoffizielle Mitarbeiter"
Die Impulse der Ausstellung sind gut gesetzt. Per Originalausschnitte aus dem West- und Ostfernsehen erleben die Besucher der Ausstellung auf dem Monitor noch einmal die Pressekonferenz mit, auf der Politbüromitglied Günter Schabowski wohl ungeplant die sofortige Öffnung der Grenzübergänge verkündet. Übrigens ist sein Notizzettel, der seit kurzem im Bonner Haus der Geschichte liegt, in Kopie auch in Meckenheim zu sehen. Wie die Mauersteine sind auch Teile des „Eisernen Vorhangs“ heute in alle Welt verkauft worden, ein Original-Stück dieses „Vorhangs“, ein bedrohlich wirkender Stacheldraht, wird in der Ausstellung gezeigt. Es ist Kreistagsmitglied Raimund Schink zu verdanken, dass so beeindruckende Stücke in der Burg Impulse geben. CDU-Kreistagsmitglied Schink hat einen Teil seiner umfangreichen Sammlung zur Verfügung gestellt. Auch Hans Frank aus Meckenheim hat viele sehenswerte Exponate beigesteuert. Nicht fehlen dürfen Berichte von „Inoffiziellen Mitarbeitern“, so hat IM Kanüle, ein Medizinstudent, seine Kommilitonen bespitzelt und Informationen an das DDR-Ministerium für Staatssicherheit weitergeleitet. Die Ausstellung lohnt auf jeden Fall einen Besuch. Wenn sie auch recht überschaubar ist, so sollte man etwas Muße mitbringen, um sich beim Lesen der Dokumente, beim Betrachten der Bilder und Wochenschaufilme an die für Deutschland so einschneidende Zeit zu erinnern.
Noch bis zum 7. Juni
„Wir bemühen uns auch, den Jüngeren die deutsche Geschichte näher zu bringen. Hier im Museum dokumentieren wir in Dauerausstellung 6000 Jahre Meckenheimer Historie und bieten jedes Jahr zwei Sonderausstellungen“, beschrieben Dr. Jörg Köpke und Vertreterin Heidi Simm die Aktivitäten des Vereins. Wer mehr Informationen über das Stadtmuseum haben möchte, findet sie unter www.stadtmuseum-meckenheim.de. Dort gibt es auch Kontakte, um Sonderführungen zu organisieren. Die Ausstellung selbst ist sonntags bis zum 7. Juni, jeweils von 11 bis 17 Uhr zu sehen, der Eintritt ist frei.
Ein Stück Stacheldraht vom Eisernen Vorhang an der ungarisch-österreichischen Grenze ist in der Ausstellung zu sehen.
