Autor Horst Schlich überreichte dem Ortsbürgermeister Bernd Merkler sein Erstlingswerk
„Die Flurnamen von Bell am Laacher See“
Der 74-jährige Betriebswirt lernte bereits als Fünfjähriger erste Beller Flurnamen kennen
Bell. Der in Bell geborene und aufgewachsene Autor Horst Schlich überreichte dem Beller Ortsbürgermeister Bernd Merkler kürzlich sein 159 Seiten umfassendes Erstlingswerk mit dem Titel: „Die Flurnamen von Bell am Laacher See – Örtlichkeit, Bedeutung, Sagen und Anekdoten“. Horst Schlich, der seit seinem 18. Lebensjahr in Kottenheim lebt, ist ebenso wie seine Vorfahren mit dem Herzen immer ein echter Beller geblieben und so verwundert es auch nicht, dass der 74-jährige Betriebswirt sich nach wie vor intensiv mit seinem Heimatort auseinandersetzt. Bereits als Kleinkind nahm ihn seine Tante mit aufs Feld und erzählte ihm während der Feldarbeit von den Beller Flurnamen.
Umfangreiche Nachforschungen
Viel später erinnerte er sich an diese Schilderungen seiner Tante und begann nach seiner Pensionierung mit entsprechenden Nachforschungen. Dabei wurde er im Landesarchiv Koblenz sogleich fündig und empfand es als Glücksfall, dass er hier noch Versteigerungsprotokolle des Laacher Grundbesitzes in Bell aus den Jahren 1804 bis 1807 fand. Auf die Frage von „Blick aktuell“, ob er denn den Beller Dialekt „Läppe Tallep“ noch vollständig beherrsche, sagte der engagierte Geschichtsforscher: „Im Prinzip komme ich mit dem Beller Dialekt sehr gut klar, dennoch habe ich bei meinen Recherchen öfter mal das von dem Beller Heimatforscher Karl Schneider geschriebene Wörterbuch: „Beller Platt und Läppe Tallep“ in die Hand genommen, da die meisten Flurnamen auf dem Beller Dialekt basieren.“
Kulturelle Hinterlassenschaft
Zu Flurnamen im Allgemeinen führt der Autor Horst Schlich aus: „Bei den Flurnamen handelt es sich um eine kulturelle Hinterlassenschaft unserer Vorfahren. Sie bezeichnen die nicht besiedelten Distrikte einer Gemeinde, während die bewohnten Bereiche mit Straßennamen versehen wurden. In der Regel sind die Flurnamen schon sehr alt. Einzelne stammen bereits aus der Frühzeit, denn auch Sammler und Jäger brauchten Anhaltspunkte in der Natur, um sich zu orientieren. Als die ersten Siedler sich jedoch niederließen, gaben sie ihrer gesamten näheren Umgebung (Felder, Flüsse und Seen, etc.) Namen, die jedoch nur mündlich von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Die wenigsten Flurnamen gelangten jedoch unverfälscht in unsere heutige Zeit. So passierte es im Mittelalter nicht selten, dass die Schreiber die im Dialekt vorgetragenen Flurnamen nicht richtig verstanden und diese im Sinne ihres eigenen Verständnisses verfälschten. Als dann die ersten Landkarten Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden, wurden die Flurnamen eingetragen, wobei auch hier wieder Fehler gemacht wurden.
Über 160 Flurnamen in der Gemeinde
In der Gemeinde Bell gibt es über 160 Flurnamen, wobei aber viele durch die Hinzufügung von Adjektiven wie: vor, hinter, unter, rechts oder links geprägt sind. Es sind jedoch immerhin ca. 80 eigenständige Namen vorhanden. In meinem Buch werden in 14 Kapiteln - anhand verschiedener Wanderrouten durch die Gemarkung - die Örtlichkeiten der einzelnen Flurdistrikte beschrieben. Ich habe dabei die Bedeutung und die Herkunft erläutert, wobei diese nicht in allen Fällen hundertprozentig geklärt werden konnten. Dazu habe ich Geschichten, Anekdoten und Sagen gesammelt, die in Beziehung zu den jeweiligen Flurnamen stehen. Ergänzt wird das Werk von vielen Fotos aus meinem Privatarchiv sowie aus diversen Quellen, die ich im Anhang aufgeführt habe.“
Das Buch „Die Flurnamen von Bell am Laacher See“ kann entweder im Beller Gemeindebüro erworben werden oder im Buchhandel mit der ISBN–Nr.: 978-3-86424-6 (Cardamina Verlag) bestellt werden. In absehbarer Zeit wird übrigens ein weiteres Buch von Horst Schlich erscheinen, welches sich mit den Beller Backofenbauern im 18. Jahrhundert befasst.
