Allgemeine Berichte | 06.07.2015

Die Selbsthilfegruppe Multiple Sklerose & Co feiert ihr 25-jähriges Bestehen

Gemeinsam geht vieles leichter

Betroffene vor der Isolation bewahren

Jürgen Leis engagiert sich, als einer der Mitgründer, bereits seit 25 für die MS Gruppe Andernach. Tatkräftig unterstützt wird er dabei von seiner Ehefrau Gerlinde, mit der er bereits seit 45 Jahren verheiratet ist. UBU

Andernach. Die Selbsthilfegruppe Multiple Sklerose & Co Andernach, Mülheim-Kärlich und Weißenthurm kann in diesen Tagen auf ihr 25-jähriges Bestehen zurückblicken. „Dieses großartige Jubiläum wird natürlich mit den Mitgliedern, ihren Angehörigen, Sponsoren und geladenen Gästen gebührend gefeiert werden“, verrät Jürgen Leis, stellvertretender Gruppenleiter. „Beim ersten Treffen waren wir gerade einmal vier Betroffene und eine Angehörige“, erzählt Jürgen Leis. „Doch die Gruppe wuchs rasch. Mittlerweile sind wir rund fünfundzwanzig Betroffene und Partner, die sich zu unseren regelmäßigen Zusammenkünften einfinden.“ Die Andernacher Gruppe ist dem Landesverband Rheinland-Pfalz, der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) angeschlossen. Die Selbsthilfegruppe Multiple Sklerose & Co. versteht sich als Anlaufstelle für alle Ratsuchende und bietet gegenseitige Unterstützung für Menschen mit MS und anderen neurologischen Erkrankungen wie ALS, MSA oder Heredo Ataxie an. So leisten sich die Mitglieder gegenseitig Beistand bei den körperlichen Einschränkungen und sind vor allem auch bei der psychischen Bewältigung der Krankheit füreinander da. Regelmäßige Informationsveranstaltungen zu therapeutischen, pflegerischen und begleitenden Maßnahmen zählen ebenfalls zum festen Programm der Gruppe. Allen voran fördern sie jedoch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch gemeinsame Unternehmungen. „Denn die schlechteste Alternative für Betroffene ist es, einfach zu Hause zu bleiben“, weiß Jürgen Leis aus eigener Erfahrung. „Oft ziehen sich die Menschen nach bekannt werden der Diagnose komplett aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Die Isolation kann dann bis hin zu schweren Depressionen bei den Betroffenen führen“, so Leis. „Deshalb ist es unserer Gruppe besonders wichtig, Präsenz zu zeigen. Hierzu steht die Gruppe regelmäßig mit einem Infostand auf dem Andernacher Marktplatz. „Das bietet uns zum einen die Möglichkeit in der Öffentlichkeit durch Aufklärung Verständnis für die Situation der Erkrankten zu wecken, zum anderen können sich Betroffene hier der Selbsthilfe anschließen. Wir können die Krankheiten zwar nicht heilen, aber einen anderen Umgang mit ihnen ermöglichen, da wir die Erkrankungen und ihre reichhaltigen Symptome aus eigener Erfahrung kennen“, betont Jürgen Leis. „Wir wissen, welche Sorgen, Ängste und Probleme auf jeden von uns und unsere Angehörigen zukommen können. Aus der Kommunikation mit anderen Betroffenen kann man viel Mut und Hilfe für sein eigenes Leben ziehen.“ Seit zehn Jahren trifft sich die Gruppe an jedem ersten Freitag im Monat zum Stammtisch in der Taverne Olympos in Andernach. „Wir haben uns bewusst für eine öffentliche Gaststätte entschieden, da die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ein wichtiges soziales Bedürfnis für jeden ist. Zu Beginn haben uns die anderen Gäste erst mal irritiert angesehen. Doch mittlerweile sind unter den Gruppenmitgliedern und den Gästen, insbesondere Tavernen-Wirt Kostas Thomopoulos, der unsere Gruppe auch als Sponsor unterstützt, Freundschaften entstanden. Wir gehören jetzt einfach dazu - so wie es sein soll“, betont Leis. „Aber auch die beständige Information der Gruppe ist ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. So sind wir stets bemüht, kompetente Fachkräfte zu Vorträgen oder Kursen zu gewinnen“, sagt Leis. Das seien dann nicht zwingend Mediziner, so haben wir beispielsweise auch schon Pflegekurse oder Rollstuhlkurse organisiert. Denn den Umgang mit Letzterem müssen sich MS-Patienten in der Regel selbst beibringen. Sie bekommen zwar bei Bedarf einen Rollstuhl verschrieben, doch anders als beispielsweise bei Querschnittgelähmten, zeigt ihnen niemand den richtigen Umgang mit dem Hilfsmittel“. Neben Informationen und Hilfestellungen sind vor allem die gemeinsamen Ausflüge sowie die Sommerfeste, die jährlich mit einer anderen Attraktion aufwarten, heiß begehrt bei den Mitgliedern und ihren Familien. So komme man regelmäßig raus und unter Menschen, das verhindere die Isolation. Um allen Mitgliedern die Teilnahme an den Events zu ermöglichen, hat die Gruppe einen Fahrdienst organisiert. „Für Mitglieder, die in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt sind, übernehmen oder bezuschussen wir auch Taxifahrten. „Leider gibt es zu wenige öffentliche Beförderungsmittel, die von körperlich eingeschränkten Menschen problemlos benutzt werden können“, bedauert Leis. Bus- oder Zugfahrten seien für die meisten gar nicht zu bewältigen.

Die Selbsthilfegruppe Multiple Sklerose & Co trifft sich jeden ersten Freitag im Monat ab 19 Uhr in der Taverne Olympos, Koblenzerstraße 24 in Andernach. Betroffene, deren Partner und Freunde sowie alle Interessierten sind willkommen. Infos unter: Telefon 0 26 32 / 8 21 66, www.ms-selbsthilfe-andernach.de. Für Mitglieder sind alle Aktionen, wie Ausflüge, Vorträge, Kurse et cetera kostenfrei. Die Gruppe finanziert sich über Sponsoren, Spenden sowie über den Förderverein Medusa e. V.

Jürgen Leis engagiert sich, als einer der Mitgründer, bereits seit 25 für die MS Gruppe Andernach. Tatkräftig unterstützt wird er dabei von seiner Ehefrau Gerlinde, mit der er bereits seit 45 Jahren verheiratet ist. Foto: UBU

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