Allgemeine Berichte | 29.05.2026

Viel waren gekommen, um über die Zukunft der Sozialdemokraten zu diskutieren

Gehen der SPD immer mehr Kraft und Basis verloren?

Mehrere Teilnehmende des jüngsten Sozi-Stammtischs in Horbach zeigten ihre Solidarität mit dem gefährdeten Familienferiendorf in Hübingen.

Horbach/Montabaur. Einfach mit anderen Demokratinnen und Demokraten zu relevanten politischen Themen miteinander ins Gespräch kommen. Nicht digital, sondern live, Auge in Auge mit allen Emotionen. Dies gerne kontrovers, aber immer fair. Das will das Gesprächsformat „Sozi-Stammtisch“ des SPD-Ortsvereins Montabaur Land erreichen. Zur 3. Ausgabe hatte dieser wieder in den Saal des Gasthauses „Zum grünen Baum“ in Horbach eingeladen und fast 50 Interessierte waren gekommen. Thema des Abends war die Frage „SPD wohin?“. Wohl niemand hatte nach zwei Stunden sein Kommen bereut.

Für den Gastgeber begrüßte Uli Schmdit die vielen interessierten Gäste, darunter langjährige Sozis, aber auch zahlreiche parteilose Interessierte und sogar einige wenige Mitglieder anderer demokratischer Parteien: „Die Demokratie und als eine sie tragende Säulen die SPD, stehen im Überlebenskampf, die Basis wird immer kleiner“, so der Moderator des Abends. Deshalb sei es dringend notwendig zu fragen, wohin der Weg der SPD führen kann und ob es überhaupt eine Zukunft für die älteste Partei des Landes gebe. Klar war wohl allen Teilnehmenden: wenn es so weiter geht, es in immer mehr Orten auch rund um die Westerwälder Kreisstadt keinen einzigen aktiven Sozialdemokraten oder Sozialdemokratin gibt, wird die SPD zum demokratischen Auslaufmodell und kann nicht mehr wie seit Gründung die gestaltende Kraft des Landes sein.

Der Ortsverein hatte zum immer größer werdenden Stammtisch 5 Impulsgeber eingeladen, die aus ihrer unterschiedlichen Sicht ein Statement zur Situation und Zukunft der Partei als Diskussionsgrundlage einbringen konnten. Den Auftakt machte der Juso-Kreisvorsitzende Finn Schönherr: „Der SPD fehlt immer mehr die Basis, besonders bei der Jugend, um noch kraftvoll gestalten und für die Demokratie streiten zu können“ so der Nachwuchssozi. Linke Positionen hätten meist in der Bevölkerung eine Mehrheit, seien aber wegen der gewohnten Zersplitterung der gesamten Linken nicht umsetzbar. Der Nachwuchssozi bedauerte, dass zu dem Gespräch keine Jugendlichen gekommen waren und riet dazu, eigene Gesprächsangebote für jüngere Politikinteressierte zu schaffen. Er sagte abschließend: „Ohne die demokratisch gesinnte Jugend hat die Demokratie keine Zukunft“.

Als Neumitglied machte Michael Nagel in seinem Statement klar: „Ich bin in die SPD eingetreten, da ich der Hetze und dem Aufstieg der demokratiefeindlichen AFD nicht mehr untätig zusehen konnte, ich musste einfach aktiv werden und in der Partei mitmachen, der ich am nächsten stand“. Trotz bescheidener Basis mache die Arbeit im OV Montabaur Land immer mehr Spaß und man könne auch mit wenigen Überzeugten eine gute und öffentlich wahrnehmbare Arbeit leisten.

Aus Westerburg-Sainscheid war der mittelständische Unternehmer und Sozialdemokrat Bernd Jung ins Buchfinkenland gekommen. Er überzeugte die Anwesenden mit einem Plädoyer dafür, dass Leute die was geschafft haben, sich auch Wohneigentum leisten können müssen: „Die SPD muss mit dafür sorgen, dass Bauen billiger wird und es sollte wie früher für junge Familien ein Landesbaudarlehen wieder eingeführt werden“, so Jung. Er zeigte sich begeistert von dem „Sozi-Stammtisch“, denn es müsse im Westerwald wieder mehr Kneipen geben, in denen man beim Bier mit anderen über Politik streiten könne.

Zu Fuß war der in Horbach wohnende Prof. Dr. Klaus Kocks in den „Grünen Baum“ gekommen. Er war gebeten, als Vizepräsident des bundesweiten SPD-Wirtschaftsforums seine Erwartungen an die SPD einzubringen. „Ausgehend vom Begriff der Solidarität stehen wir für Nächstenliebe, was aber keine feige Toleranz gegenüber den Faulen oder den Bösen bedeutet“, meinte der erfahrene Kommunikationsberater. Unverzichtbar sei das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen und die Würde des Menschen sei unantastbar, was mit den Zielen der AFD nicht vereinbar sei.

Mit Spannung warteten alle auf die Meinung der heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Tanja Machalet. „Wir sind zu langweilig geworden und zu viel mit uns selbst beschäftigt, es fehlt ein großes Ziel, eine Idee, um andere Leute zu begeistern“, so die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag. Sie bedauerte, dass die Familie als Keimzelle der Gesellschaft im politischen Diskurs vernachlässigt werde und regte als Ziel an, Deutschland zum familienfreundlichsten Land in der EU zu machen! Kritisch fügte sie an, man sei im Politzirkus zu sehr von der Tagespolitik getrieben, es bleibe nicht genug Zeit und Ruhe um über grundsätzliche gesellschaftliche Entwicklungen nachzudenken.

Nach jedem Statement durften sich jeweils 2 Mitdiskutanten dazu äußeren, wodurch sich eine lebhafte Diskussion entwickelte. Vorgetragen wurde unter anderem, dass sich die SPD zu viel vom Mainstream leiten lasse, die gesellschaftliche Ungerechtigkeit steige und die Partei mehr den Mittelstand im Blick haben müsse. Weitere Themen waren die Frage, ob leistungslos Vermögende finanziell mehr beitragen müssen, den Sozis der Klassenkampf abhanden komme oder die Partei zu oft regiere ohne sich selbst weiterzuentwickeln. Angemahnt wurde auch die staatspolitische Verantwortung aller Demokraten, Rechtsradikale aus öffentlichen Ämtern fernzuhalten.

Ein CDU-Mitglied rief dazu auf, den demokratischen Politikern den Rücken zu stärken, anstatt sie für alles verantwortlich zu machen, was im eigenen Leben nicht gut laufe: „Das führt nur dazu, dass es bald keine Menschen mehr gibt, die noch Verantwortung für andere übernehmen und so Demokratiefeinden die ‚Machtergreifung‘ ermöglicht wird“, meinte die Dame energisch.

Dass Solidarität für die Sozis nicht nur ein positiv besetzter theoretischer Begriff ist, sondern er auch gelebt wird, zeigte bei einer Pausen-Unterbrechung der Veranstaltung eine Solidaritätsaktion für das gefährdete Familienferiendorf im benachbarten Hübingen. Alle waren sich einig: wir müssen nach Kräften dazu beitragen, dass diese für die Region und das ganze Bundesland so wichtige und über Jahrzehnte so erfolgreiche Einrichtung eine gute Zukunft hat! Schon mit einer geringen Spende ist das möglich.

Nach über zwei Stunden zeigte sich Ortsvereinsvorsitzender Erik Walter hoffnungsvoll, dass es künftig weitere Sozi-Stammtische geben wird: „Wir sind schon am planen, Themen gibt es ja genug“! Es müsse auch darüber geredet werden, dass nicht nur die Politik an allem Schuld sei, sondern auch ein Mangel an aktiven Demokraten unsere bunte Gesellschaft gefährde.

Pressemitteilung SPD Ortsverein Montabaur Land

Weitere Themen

Mehrere Teilnehmende des jüngsten Sozi-Stammtischs in Horbach zeigten ihre Solidarität mit dem gefährdeten Familienferiendorf in Hübingen. Foto: Uli Schmidt

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Anne: Ein Faustschlag mitten ins Gesicht und ein Dolchstoß mitten ins Herz aller Flutopfer…nicht nur der Toten und deren Angehörigen und Freunden, sondern insbesondere der unzählig vielen traumatisierten Menschen...
  • Betroffener: Wiedermal ein Totalversagen der Justiz und es werden Täter geschützt ! Inzwischen darf man sich wirklich fragen ob diese Justiz überhaupt noch der Gerechtigkeit und dem Volk dient oder einfach nur noch die Politiker zu schützen versucht !
  • Anne: Es ist das kalte Grauen. Wahrscheinlich denkt sich der Täter in Anlehnung an den Mordprozeß im Fall Anna K. aus Gimmigen mit einem ähnlich milden Urteil davon zu kommen. In was für einer Zeit leben wir...
  • Graf: Ja, sehr GUT Ukraine, ist doch bekannt , dass koruptestes Land in Europa ist. Mit den Politiker, sind unsere bezahlt worden? Wunderbar !
Hausmeister, bis auf Widerruf
Stellenanzeige "Forstwirt"
Werbeplan 2026 / rund ums Haus
Stellenanzeige Elektroniker für Betriebstechnik
sprudelndes Sinzig
sprudelndes Sinzig
Sprudelndes Sinzig
Sonderseite Jahn Eleven
Anzeige LebensArt Bad Neuenahr 2026
Empfohlene Artikel
10

Gackenbach/Montabaur. Viele junge und ältere Menschen in der Region freuen sich, dass der Wildpark Westerwald in Gackenbach so erfolgreich und mit viel Engagement neu eröffnet wurde. Er wird immer mehr zu einem echten Besuchermagneten im Süden des Westerwaldes. Darüber, was sich auf dem reizvollen Gelände im Buchfinkenland aktuell alles tut und was noch geplant ist, können sich alle SPD-Mitglieder...

Weiterlesen

Maximilian Mumm
714

VG Maifeld. „Ich schäme ich, ich schäme mich wirklich für dieses unsägliche Postengescharre, was diese Genossen da in Mainz veranstalten. Mir ist immer wichtig, den Menschen einfach auch zu sagen, dass nicht alle an der Basis damit einverstanden sind. Es sprengt zumindest meine Vorstellungskraft, wie selbstherrlich und frei von jeglicher Kritik man hier offenbar die Niederlage ablegt. Eine Partei-...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Das Schießen mit dem großen Katapult sorgte für staunende Gesichter und viel Jubel.  Foto: Astrid-Lindgren-Schule
4

Die 4. Klassen auf Zeitreise zur Ehrenburg

Ritter, Burgen und spannende Abenteuer

Rheinbrohl. Zum krönenden Abschluss ihrer Grundschulzeit unternahmen die 4. Klassen einen ganz besonderen Ausflug zur Ehrenburg. Passend zum Unterrichtsthema „Ritter und Burgen“ tauchten die Kinder dort tief in das Leben des Mittelalters ein und erlebten einen aufregenden Tag voller Spiel, Spannung und Geschichte.

Weiterlesen

Spielerisch übten die Kinder, Straßen sicher zu überqueren. Foto: privat
8

Verkehrssicherheit für die Erstklässler der Astrid-Lindgren-Schule Rheinbrohl

Sicher unterwegs mit ADACUS

Rheinbrohl. Wie verhalte ich mich richtig an einer Straße? Worauf muss ich beim Überqueren einer Fahrbahn achten? Und warum ist Aufmerksamkeit im Straßenverkehr so wichtig? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich die Erstklässler der Astrid-Lindgren-Schule Rheinbrohl im Rahmen des ADACUS-Verkehrssicherheitsprogramms der ADAC Stiftung.

Weiterlesen

10

-Anzeige-Das genussvolle Shopping-Erlebnis in Bad Neuenahr

Die LebensArt kommt vom 12. bis 14. Juni in den Dahliengarten

Die bekannte Lifestyle-Messe LebensArt kommt erneut nach Bad Neuenahr-Ahrweiler. Vom 12. bis 14. Juni verwandelt sich erstmals der Dahliengarten in eine Oase der schönen Dinge für Haus und Garten. Der Umzug in den Dahliengarten als neuer Standort der LebensArt wurde durch die bauliche Umgestaltung des Kurparks notwendig. Die beiden Projektleiterinnen Sabine Prothmann und Eva Johann vom Lübecker Veranstalter...

Weiterlesen

Dauerauftrag
Monatliche Anzeige
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Image Anzeige
Wir helfen im Trauerfall
Image
Imageanzeige
Schulsozialarbeiter/in (w/m/d)
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Azubispots Koblenz, Herr Hastrich
Richtgest Jahn Eleven
sprudelndes Sinzig
Sonderseite Jahn Eleven
Sonderseite Jah  Eleven
Sonderseite Jahn Eleven
Sonfderseite Jahn Eleven
Titel
Sonderseite Jahn Eleven