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Hautausschlag: Ist Panik vor Krätze begründet?
Die Meldungen über Krätze-Fälle häufen sich. Besonders viele Erkrankte gibt es offenbar in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Ist der Vormarsch der ansteckenden Hautkrankheit ein Grund zur Sorge?
Ein aktueller Fall stammt aus Dormagen. Hier sollen an drei Schulen und einer Kindertagesstätte insgesamt sechs Kinder an Krätze erkrankt sein, wie das Gesundheitsamt des Rhein-Kreises Neuss mitteilt. Steigt man tiefer in die Materie ein, stellt man schnell fest: Die aktuelle Meldung ist nur eine von vielen. So meldete das Klinikum der Stadt Ludwigshafen deutlich mehr Krätze-Patienten als im Vorjahr. Großstädte wie Duisburg, Düsseldorf, Bonn und Krefeld verzeichnen steigende Zahlen ebenso wie der Rhein-Sieg-Kreis. Das dortige Kreisgesundheitsamt registrierte bis Oktober 2017 insgesamt 148 Fälle, jüngere Zahlen gibt es noch nicht. Ein deutlicher Anstieg ist dennoch festzustellen, von Januar bis Oktober 2017 verzeichnete das Kreisgesundheitsamt mehr Fälle als im gesamten Jahr 2016 (114 Fälle).
Pflicht zur Meldung an das Gesundheitsamt
Steht eine neue Krätze-Epidemie bevor? Da gehen die Meinungen auseinander. Laut Christoph Löser, verantwortlicher Oberarzt der Hautklinik Ludwigshafen, könnte es sich bei den aktuellen Fällen um eine besonders aggressive Form der Krätze handeln. Ihr Merkmal sei, dass sie besonders viele Erreger bilde, die sich rasch vermehren. Das könne zu „Mini-Epidemien“ führen. Unter Krätze versteht man Milben, die sich unter die Haut graben und für starken Juckreiz sorgen. Die einem Ekzem ähnlichen Hautveränderungen lassen sich mit Cremes und Salben behandeln.
Nach Aussagen der Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamtes im Rhein-Sieg-Kreis liegt der Anstieg der Krätze-Fälle nicht nur an der zunehmenden Ausbreitung der Milben. Auch die Tatsache, dass es sich bei der Krätze um eine meldepflichtige Erkrankung handelt, dürfte eine Rolle spielen. Werden Krätze-Fälle bekannt, müssen Schulen, Kindertagesstätten sowie Senioren- und Pflegeheimen das seit Juli 2017 den Gesundheitsämtern melden. Die Regelung gilt bundesweit.
Krätze im Vergleich eher selten
Ohne Frage: Viel stärker verbreitet als die Krätze sind nach wie vor andere Hautkrankheiten. Eine der häufigsten chronischen Erkrankungen der Haut ist Schuppenflechte, die im Fachjargon Psoriasis heißt. In Deutschland leiden rund zwei Millionen Menschen daran. Weltweit gibt es nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation 125 Millionen Betroffene.
Schuppenflechte ist nicht ansteckend, ihre Ursache sind erbliche Faktoren. Sie gilt als Autoimmunkrankheit, da ihr ein gestörtes Immunsystem zugrunde liegt. Schuppenflechte tritt schubweise auf und äußerst sich durch entzündlich-rote, scharf begrenzte und juckende Flecken mit silbrigen Schuppen. Anders als Krätze, die gut behandelt nach wenigen Tagen wieder verschwindet, ist Psoriasis unheilbar. Es gibt jedoch wirksame Medikamente, die das Leid der Betroffenen lindern – beispielsweise den Wirkstoff Secukinumab. Laut Studien ist Secukinumab, das zu den sogenannten Biologika gehört, besonders wirksam und gut verträglich.
